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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 15:00 Uhr

Pläne des Kraftfahrt-Bundesamtes : Ringen um einen baufälligen Flugplatz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Kraftfahrt-Bundesamt will das Lecker Areal als Teststrecke nutzen – die Gemeinden wollen Gewerbe ansiedeln. Jetzt sind Kompromisse gefunden worden.

Aus den Betonritzen wächst Unkraut. Mehr als 20 graue Shelter – frühere Bunkerbauten für Militär-Jets – und ein Dutzend leere Maschinenhallen verteilen sich links und rechts von den unbenutzten Straßen. Seitdem die Flugabwehrraketengruppe 25 der Bundeswehr Ende 2012 abzog, droht das 330 Hektar große Flugplatzareal in Leck zu verfallen. Zur Zeit wird das weitläufige Gelände nur noch von einem Bundeswehrbataillon für elektronische Kampfführung und von dem Verein Sportfluggruppe Leck genutzt.

Trotzdem ist das unwirtliche Gelände heiß begehrt. Vor rund fünf Wochen wurde bekannt, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den ehemaligen Nato-Fliegerhorst in Südtondern nutzen will, um die Autoindustrie schärfer zu kontrollieren. So sollen hier eigene Abgastests vorgenommen werden. Der Aufbau der Prüfstrecke ist eine Reaktion auf die manipulierten Abgaswerte von VW-Dieselmotoren. Allerdings wollen die anliegenden Gemeinden dort Gewerbe ansiedeln – und das muss mit dem Vorhaben des Bundesamtes in Einklang gebracht werden. Bislang waren die Fronten jedoch verhärtet.

Dazu muss man wissen: Das Flugplatzgelände gehört dem Bund. Verwaltet wurde es bereits von einem Arbeitskreis aus Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), des KBA, der Wirtschaftsförderung Nordfriesland sowie der drei Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt. Die Gemeinden versuchen schon seit Längerem, aus dem Flughafen ein Gewerbegebiet zu machen. 1000 Arbeitsplätze, so die Vorstellung der Vertreter, könnten dort entstehen. Investoren gäbe es bereits – darunter das Flugunternehmen Sylt Air.

Um sich über den Stand der Dinge zu informieren, hatte der Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing (CDU) zum Gespräch gebeten. Mit von der Partie waren unter anderem die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden und der stellvertretende Präsident des KBA, Stephan Elsner. Lecks Bürgermeister Andreas Deidert findet nun: „Es ist sogar charmant, mit einer Bundesbehörde zusammenzuarbeiten.“ Anfangs sei er, wie seine Amtskollegen, schockiert gewesen, dass die Fläche für die Pläne der Gemeinden nicht zur Verfügung stehen sollte.

Auch für das KBA sei es hektisch geworden, nachdem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Auftrag erteilt hatte, sagt Elsner. Mit seiner 3000 Meter langen Startbahn habe der Flugplatz in Leck optimale Voraussetzungen für die Tests der Flensburger Behörde. Geplant ist unter anderem, dass Autos dort bis auf 140 Stundenkilometer beschleunigt werden, um dann kontrolliert auszurollen.

Das Problem: Die Behörde würde höchstens dreimal wöchentlich ihre Versuche durchführen, damit sei das Areal nicht vollständig ausgelastet. Deshalb gäbe es Gespräche über eine gemischte Nutzung, sodass auch – wie von den Gemeinden geplant – private Flugunternehmen zum Zuge kommen könnten. Deidert: „Ein Konflikt – die Nutzung der Start- und Landebahn – ist also schon mal lösbar.“

Zum Thema Einrichtung eines Prüf-Labors kann Elsner nichts Neues berichten. „Die Überlegungen bestehen nach wie vor, doch der Ort ist noch unklar. Leck ist immer noch in der engeren Auswahl.“

„Wir können froh sein, dass Bima und KBA jetzt und nicht zwei Jahre später mit ihrem Ansinnen kommen“, macht Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer deutlich. „Die Gemeinden haben für das Gewerbe-Projekt 450.000 Euro in die Hand genommen. Stellen Sie sich vor, wir hätten das schon ausgegeben?“

Ende September soll es ein erneutes Gespräch zwischen Bima, KBA und den Gemeindevertretern geben. Dann sehe man weiter. Insgesamt veranschlagt das KBA für die Planungen rund zwei Jahre.

 

 

 

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erstellt am 17.Aug.2016 | 14:00 Uhr

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