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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Schloss vor Husum : Residenz an der Westküste

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Königliches Domizil, Verwaltungssitz, kultureller Mittelpunkt: Das Schloss vor Husum hat eine wechselvolle Geschichte.

Was sich in Husum verändert – und was nicht. In loser Folge beschäftigen sich die Husumer Nachrichten in dieser Serie damit, wo sich in der Storm-Stadt etwas tut und mit welchen Baustellen sich die Bürger seit Jahren beschäftigen. In dieser Folge geht es um das Schloss vor Husum.

 

Das Schloss vor Husum liegt eigentlich mitten in Husum. Aber errichtet wurde es von 1577 bis 1582 außerhalb der Stadtgrenzen. Dieser einzige erhaltene Schlossbau an der Westküste diente ursprünglich als Nebenresidenz des herzoglichen Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf und wurde nur sporadisch genutzt.

   Das blieb auch im 18. und 19. Jahrhundert so, als das Schloss – und die Stadt – infolge des verlorenen Nordischen Krieges 1721 in dänischen Besitz übergegangen waren. Der Bau stand leer und wurde nur notdürftig unterhalten. Erst Dänen-König Friedrich V. zeigte wieder Interesse an einem gelegentlichen Sitz im Westen und ließ die Anlage von 1750 bis 1752 umbauen und modernisieren. Zwar blieben die Visiten des Monarchen trotzdem spärlich, doch zumindest war es jetzt kein Geisterschloss mehr: 1752 fand die Verwaltung des Amtes Husum hier ihren Platz und der Amtmann bezog mit seiner Familie innerhalb der Mauern eine Wohnung nördlich des Turms, wo auch die Familien anderer königlicher Beamter untergebracht waren. Die Räumlichkeiten für den König lagen hingegen im Süd-Trakt.

   Um den Erhalt der Bausubstanz wurde sich leider auch nach der Renovierung recht wenig gekümmert. Der Hauptturm verfiel zusehends und musste 1792 zu großen Teilen abgetragen werden. Erst knapp 200 Jahre später – in den 1980er Jahren – wurden die oberen Stockwerke des Turms und die Haube rekonstruiert.

   Im 19. Jahrhundert kamen die Dänen-Könige wieder häufiger zu Besuch – bis zum Deutsch-Dänischen Krieg von 1864, den Dänemark verlor und in dessen Folge Schleswig-Holstein unter preußische Hoheit gestellt wurde. Mit dem Einzug der Verwaltung des Kreises Husum und des Amtsgerichts wurde das Schloss Verwaltungsbau. Auch der Heimatdichter Theodor Storm hatte hier von 1867 bis 1889 seine Wirkstätte, als Amtsrichter und Gerichtsrat.

   Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert überstand der Bau ohne Zerstörungen. Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 erwarb der Kreis Husum das Schloss. In der Folgezeit beanspruchte die Verwaltung immer mehr Platz und hatte am Ende bis auf die Landratswohnung fast alle Räume belegt.

   Das änderte sich schlagartig nach 1970, als die Kreise Husum, Eiderstedt und Südtondern zum Kreis Nordfriesland zusammengelegt wurden. Für dessen Verwaltung wurde ein ganz neues Gebäude errichtet, und das Schloss war wieder funktionslos. Die Zeit nach dem Auszug der Verwaltung wurde ab 1973 für eine gründliche Restaurierung genutzt mit dem Ziel, dem Bau wieder die Gestalt von 1750 zu geben.

 Heute ist das Schloss kulturell geprägt und beherbergt als Teil des Museumsverbundes Nordfriesland unter anderem die Stiftung Nordfriesland als Kulturamt des Kreises, die Kreismusikschule sowie das Puppentheater-Museum des Pole-Poppenspäler-Förderkreises. Ein 2003 gegründeter Förderverein kümmert sich um den Erhalt des denkmalgeschützten Baus. Und wer will, kann in der Schlosskapelle oder im Fortunasaal sogar den Bund fürs Leben schließen.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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