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Aus für Husumer Werk : Region kämpft für Senvion-Standort

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Widerstand gegen eine Schließung des Senvion-Werks in Husum formiert sich. Land, Stadt und Kreis wollen sich nicht damit abfinden.

Spürbar vergrätzt war Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. Noch bei seiner Rede zur Eröffnung der New Energy Messe in Husum war dem Sozialdemokraten anzumerken, dass er ein wenig erfreulich verlaufendes Gespräch hinter sich hatte. Im Husumer Werk des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion , das geschlossen werden soll, hatten der Minister, Bürgermeister Uwe Schmitz, Betriebsräte und Gewerkschafter von der Personalleitung Klarheit eingefordert, wie es mit dem Standort und den bedrohten Arbeitsplätzen weitergehen kann. „Ich bin sehr irritiert“ und „das kann einfach nicht sein“, sagte er vor 250 Gästen im Messezentrum mit Hinweis auf die fehlende Belastbarkeit der vorgelegten Daten und Fakten. Meyers klare Ansage: „Wir wollen nicht einfach akzeptieren, das Husum als Standort aufgegeben wird.“

Gleichwohl sieht der Minister eher geringe Chancen, Husum als Produktionsstandort zu retten, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, rund 100 Mitarbeiter entlassen zu wollen (wir berichteten). „Aber wir haben uns vorgenommen, den Service hier zu halten“, bekräftigte Reinhard Meyer. Er kündigte gemeinsame Standort-Gespräche mit allen Beteiligten sowie Stadt und Kreis an – „bis wir Lösungen haben, die auch für uns akzeptabel sind. Das sind wir der Region schuldig“. Unabhängig vom Wahltermin am 7. Mai, fügte er hinzu.

Während Husums Messe-Chef Peter Becker die heikle politische Mission als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ einstufte, sprach Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) von einem Vorgang „der unschöneren Sorte“, wenn auf einen Schlag mehrere hundert Arbeitsplätze in der Region wegfallen sollen. „Hier ist das Verantwortungsbewusstsein für die anvertrauten Mitarbeiter anscheinend verloren gegangen“, erklärte er. Und: „Soziale Marktwirtschaft sieht anders aus.“ Auch der stellvertretende Ministerpräsident und Energiewende-Minister Robert Habeck (Grüne) nannte die angekündigte Senvion-Schließung in Husum „bitter“ und einen „Schlag ins Kontor“. Und mit einem Seitenhieb auf das Shareholder-Value-Denken: Anders als bei Senvion bemühten sich andere Unternehmen der Energiewende-Branche, Gewinne auch in der Region zu lassen.

Ebenfalls enttäuscht nach den Gesprächen im Senvion-Werk zeigte sich Husums Bürgermeister Uwe Schmitz. Er stellte klar, dass man die Schließung nicht ohne weiteres akzeptieren werde. Ziel sei es, Teilbereiche am Standort Husum zu erhalten. Verärgert über die Firmenstrategie war auch der Hattstedter Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene, Ralf Heßmann. „Diese hoch qualifizierten Mitarbeiter haben das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. Sie jetzt wie Schachfiguren hin und her zu bewegen beziehungsweise vor die Tür zu setzen, ist unwürdig.“

Vertreter des Betriebsrates zeigten sich erfreut darüber, dass sich die Politik der Problematik annimmt: „Wir sind dem Minister sehr dankbar, dass er während des Gesprächs gegenüber der Unternehmensspitze eine klare Position zu unseren Gunsten eingenommen hat,“ erklärte der Betriebsratsvorsitzende Lothar Andreas. DGB-Kreisvorsitzender Mathias Wötzel zeigte sich überzeugt davon, dass die Produktion in Husum nicht aufgegeben werden müsste. Vielmehr habe sich das Unternehmen bewusst gegen Investitionen in den Standort Husum entschieden. Lothar Andreas geht noch einen Schritt weiter: „Ich denke, das Unternehmen will den Husumer Standort aufpolieren, um ihn dann gewinnbringend zu verkaufen.“

Susanne Uhl (DGB Schleswig-Holstein Nordwest) hofft wie die Belegschaft, dass die Husumer Produktionsstätte noch erhalten werden kann. So könnte eine für den Onshore-Markt entwickelte Drei-Megawatt-Anlage in Husum produziert werden, sagt Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordfriesland. Um die Produktionsbedingungen dafür zu schaffen, könnten sogar Fördermittel eingesetzt werden. „Aber das Unternehmen hat bis heute keine Daten und Fakten geliefert“, kritisierte Hüppauff. „Wir haben dem Unternehmen seit Jahren gepredigt, in die Produktion zu investieren“, so Mathias Wötzel.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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