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Friedrichstadt : Rätselraten um das Halbmondgelände

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Gebiet am Hafen sorgt für kontroverse Diskussionen im Friedrichstädter Bauausschuss – und der Planer muss nachbessern.

Die Nervosität ist Martin Zülsdorff deutlich anzumerken. Angestrengt sucht er in seinen Unterlagen nach einem ganz bestimmten Bauplan, den er auf die Schnelle aber nicht finden kann. Im Nacken hat er die kritischen Blicke seines Auditoriums. Der Diplom-Ingenieur und Chef des Gübyer Ingenieur-Büros „Bauplan -z“ wurde zur Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung und Denkmalpflege in Friedrichstadt geladen, um einen Alternativentwurf für den B-Plan Nr. 18 (Halbmondgelände) vorzustellen. Seine Auftraggeberin: Julia Schröder von der gleichnamigen Friedrichstädter Reederei. Doch die Umgestaltung des Halbmondgeländes sorgt in der Treene-Stadt seit vielen Wochen für kontroverse Diskussionen. Auch an diesem Abend ist die Stimmung im Rathaus-Saal eher gereizt.

Zuletzt sorgte bei den Friedrichstädtern für Stirnrunzeln, dass die Reederei auf dem Halbmondgelände Grachtenschiffe abgestellt hat – und das, obwohl die Planungen für das Gelände eigentlich ganz anders aussehen. Dort, wo die Grachtenschiffe bis zum Beginn der Saison Winterschlaf halten, soll ein touristischer Magnet entstehen: Auf dem Gebiet sollen Ferienhäuser im skandinavischen Stil errichtet werden und ein 300 Quadratmeter großes Multifunktionshaus mit Badmintonhalle, Tischtennisräumen und Platz für große Trampoline. Auch der Uferstreifen entlang des Neuen Hafens soll attraktiver werden. Vorgesehen sind mehrere Anleger und Hütten auf einem Rondell, das im Wasser steht.

Doch jetzt treibt viele Gremiums-Mitglieder die Sorge um, dass die große Multifunktionshalle womöglich für Wartungsarbeiten genutzt wird und das Gelände zum Schiffslagerplatz mutiert. Was passiert denn jetzt konkret im Multifunktionshaus? Wie verhält es sich mit den Emissionsschutz-Bestimmungen? Was sagen die anderen Behörden? Immerhin gehört der Neue Hafen dem Land, während der Halbmond zwar auf städtischem Gebiet, aber in Privatbesitz ist. Das sind alles Fragen, auf die Planer Zülsdorff keine Antwort wusste. Lieber wollte er über Themen wie sanfter Tourismus oder Architektur in Anlehnung an die Stadtgeschichte referieren. Und vor allem wollte er den Ausschuss-Mitgliedern davon berichten, dass man jetzt plane, von den insgesamt 21 Ferienhäusern, die auf dem Grund der Reederei gebaut werden sollten, auf der Ostseite sieben wegfallen. Stattdessen sollen dort zehn Wohnmobil-Stellplätze entstehen.

„Im Grunde sind wir doch dafür, dass diese Idee, einen schönen touristischen Anziehungspunkt zu schaffen, in die Tat umgesetzt wird“, versuchte Ausschuss-Vorsitzender Jann Peter Büddig seine Kollegen wieder einzufangen, die das Thema Mehrzweckhalle immer noch am Wickel hatten, sodass der Referent kaum noch zu Wort kam. „Offensichtlich sind noch so einige Ressentiments in diesem Kreis vorhanden“, fuhr Büddig fort. Trotzdem müsse vieles nachgearbeitet werden. „Deshalb müssen wir sie bitten, ihre Hausaufgaben nächstes Mal ausführlicher zu machen“, sagte er in Richtung des Planers.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Bürgermeister Eggert Vogt. „Viel zu viele Details sind noch ungeklärt“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. So wäre etwa wichtig zu wissen, was zum Beispiel Naturschützer zu der Sache sagen. „Erst wenn so Dinge wie der Abstand des Schilfgürtels zum Wasser oder der Emissionsschutz geklärt sind, können wir den Bebauungsplan ändern. Ohne diese Änderung ist die Umgestaltung des Geländes nicht möglich“, erklärt das Stadtoberhaupt.

Und jetzt? „Ein Signal brauchen wir schon von ihnen“, mahnte Zülsdorff in der Sitzung leise an. „Wenn sie nachgebessert haben, können wir nochmal sinnvoll zusammenkommen“, antwortete Büddig und schloss damit den Tagesordnungspunkt vier.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 11:00 Uhr

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