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Wrestling in Husum : Prügel-Show mit echten Schmerzen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Spektakel artet schon mal in Tumult aus: Beim Westcoast Wrestling in der Husumer Messehalle geben Kämpfer und Publikum alles.

Wrestling-Kämpfe sind nichts für schwache Nerven. Denn wenn sich die muskelbepackten Athleten gegenseitig packen und krachend auf die Matte schmettern, in die Seile schleudern oder fest zu Boden gedrückt in den Schwitzkasten nehmen, dann sind die Schmerzensschreie echt. Auch bei den Zuschauern, die hörbar mitleiden, selbst wenn sie den erklärten „Bösewicht“ der beiden Ringer eben noch lautstark angefeuert und provoziert haben: „Gib’s ihm!“ und „Mach’ ihn alle!“ haben sie gebrüllt – und dazu mit geballten Fäusten harte Schläge imitiert.

Doch wenn er genau das tut und sogar nochmal kräftig zutritt, obwohl sein Gegner längst regungslos am Boden liegt, sind ihm die Buh-Rufe des Publikums sicher. Dem unterlegenen Kämpfer aber auch, sollte er allzu offensichtlich „leiden“, denn das will hier auch keiner sehen. „Heul’ doch, Memme“, ertönt es aus dem Publikum, und: „Geh’ doch zu Mutti!“. Was den fast schon Besiegten dermaßen rasend macht, dass er vom Adrenalin geschüttelt seine letzten Kräfte mobilisiert und dem fiesen Gegner noch einmal so richtig Kontra gibt. Sie schenken sich alle beide nichts – und dem Publikum ein emotionales Feuerwerk.

So war es auch am Sonnabend (4. März) beim Westcoast Wrestling in der Husumer Messehalle. Dem Veranstaltungsteam um Matthias Ilgen ist es gelungen, mit vielen sehenswerten Kämpfen die Spannung den gesamten Abend über immer weiter zu steigern. Es war ein echtes Spektakel mit tollen sportlichen Show-Einlagen. So zeigten Kat Siren und Sixt im ewigen Kampf „Gut gegen Böse“ einen sehenswerten Lady’s Fight. Im Einzelkampf ließ sich der Hamburger Michael Schenkenberg von seinen Fans zu Höchstleistungen anfeuern, im internationalen Kampf holte sich der Holländer Leon von Gasteren gegen den Russen Nikita Charisma den Cruisergewichts-Titel der Nordic Championship Wrestling (NCW, wie die Aktive Liga in der Region Europa in Kurzform heißt) zurück. Und im Kampf der Nationen sorgten im „2-out-of-3-Falls-Match“ gleich vier Akteure für mächtig Action in der Halle.

Dass das Geschehen im Ring vorher weitgehend abgesprochen war und die gesamte Dramaturgie allgemein nur Show ist, muss man sich gerade als Zuschauer allerdings immer wieder bewusst machen. Das gilt insbesondere für Kinder, die bei diesem als „familienfreundlich“ beschriebenen Event vielfach anzutreffen sind. Jungs im Alter von acht bis zwölf Jahren gehören zu den größten Fans dieser Sportart. Viele von ihnen waren in Husum dabei. Immer wieder stürzten sie nach vorne, um von ihren Idolen im Vorbeilaufen mit einem „High five“ abgeklatscht zu werden, und fieberten bei den Kämpfen am allerlautesten mit.

Besonders beeindruckend war das finale Match zwischen dem „Hamburger Jung“ Karsten Kretschmer (42) und dem dänischen Schwergewichtler Kim Tinning „Chaos“ (44). Sie trafen im Leiterkampf um den NCW-Weltmeistertitel aufeinander. Der offizielle Ring war beiden schon bald nicht mehr groß genug. Mit viel Getöse stürzten sie sich ins Publikum, das von der Security blitzschnell von den Plätzen verjagt werden musste. Dort flogen nicht nur Fäuste, sondern auch Stühle. Ziel dieses Kampfes war es, dass einer der beiden Athleten sich mit Hilfe einer Leiter den Champion-Gürtel sicherte, der an einem Seil von der Hallendecke baumelte. Ein äußerst spannender Titelkampf, bei dem es kaum jemanden noch auf den Plätzen hielt – auch wenn das Match mit einem Unentschieden endete, nachdem die Kontrahenten gleichzeitig nach dem Gürtel gegriffen hatten.

Das führte zu einem überraschenden „Tumult“ im Ring, bei dem sich sämtliche Kämpfer des Abends – einschließlich Matthias Ilgen alias Matthias Rüdiger Freiherr von Ilgen – eine wilde Balgerei lieferten. Letztendlich blieb der Titel dann aber doch beim amtierenden Weltmeister „Chaos“, der sich von Kretscher auch nicht mehr zu einem spontanen Mann-gegen-Mann-Kampf herausfordern ließ: „Im Oktober, hier in Husum“, bot er ihm eine spätere Chance zur Revanche an.

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