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Husumer Nachrichten

25. März 2017 | 12:42 Uhr

Eiderstedt in Aufruhr : Protest gegen Klinik-Schließung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das angedachte Ende des stationären Angebots in Tönning stößt in Eiderstedt auf Ablehnung. Landrat Dieter Harrsen wird am Montag in der Stadthalle Rede und Antwort stehen.

Einen Sturm der Entrüstung hat auf Eiderstedt die Ankündigung ausgelöst, dass das stationäre Angebot des Tönninger Krankenhauses aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden muss. Der Kreis ist Träger des Klinikums Nordfriesland, zu dem das Haus in Tönning gehört. Mit 29 Betten und 2500 stationär aufgenommenen Patienten im Jahr könne die Einrichtung angesichts ihrer Fixkosten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, hatte Gutachter Karl-Heinz Vorwig erklärt. Er war bis September Kaufmännischer Vorstand der Diako Flensburg und hat für das Klinikum Nordfriesland insgesamt Vorschläge für eine künftige rentable Betriebsführung gemacht. In Tönning arbeiten 13 Ärzte und 75 Angestellte. Über die Schließung entscheidet der Kreistag am 11. Dezember. Das Krankenhaus soll als Medizinisches Versorgungszentrum weiter betrieben werden, so der Vorschlag Vorwigs.

Die Eiderstedter und besonders die Tönninger sind es gewohnt, für das Haus in der Selckstraße zu kämpfen. Im Jahr 1900 wurde das Krankenhaus gegründet und in den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Bestrebungen, es aufzulösen. Zuletzt 1989, damals gab es eine große Unterschriften-Aktion.

„Die Schließung wird hier nicht sang- und klanglos hingenommen“, sagte Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer auf Anfrage. „Der Kreis muss sich um die Versorgung des ländlichen Raums kümmern, dazu gehört auch die medizinische.“ Er schreibe sich die Daseinsvorsorge auf die Fahnen, wie passe dazu die Schließung der Klinik? „Wir stellen die Frage, ob diese die einzige Alternative ist.“ Die medizinische Versorgung für Eiderstedt müsse zukunftssicher aufgestellt werden. Enttäuscht zeigte sie sich von dem Vorgehen des Kreises. „Die Stadt und das Amt haben im Vorfeld mit Kreispräsident und Landrat gesprochen und darum gebeten, frühzeitig informiert und in Gespräche eingebunden zu werden.“ Stattdessen sei sie erst am Montag zusammen mit den Kreistagsabgeordneten und den anderen betroffen Gemeinden über den Inhalt des Gutachtens unterrichtet worden. Auf ihre Bitte hin werde Landrat Dieter Harrsen und Klinikum-Geschäftsführer Frank Pietrowski am Montag (9.) am Bürgerinformationsabend der Stadt teilnehmen. Er beginnt um 19 Uhr in der Stadthalle. „Wir wollen konkret wissen, wie es weitergeht,und als Standortgemeinde an den Gesprächen beteiligt werden .“

Amtsvorsteher Christian Marwig bezeichnete die Schließung als „Katastrophe für unsere Region“. Auch mit Blick auf die zahlreichen Urlauber im Sommer sei es wichtig, ein solches Angebot vor Ort zu haben. Die Notfall-Ambulanz werde unbedingt gebraucht. Gesundheit könne nun mal nicht betriebswirtschaftlich dargestellt werden. Er bedauert, dass die Ausgleichsgelder für den Naturschutz nicht für das Klinikum verwendet werden können. „Der Mensch geht doch vor.“ Fraglich scheint ihm auch, dass ein ehemaliger Leitender Mitarbeiter der Diako, mit der einst Verhandlungen über einen Zusammenschluss geführt worden sind, das Gutachten erstellt habe. Hoffnung setzt Marwig in den Kreistag. „Das Gutachten ist nur eine Empfehlung. Darin wurde zudem nicht beleuchtet, was sich auf der Einnahmenseite ändern könnte.“

Auch die Fraktionen der Tönninger Stadtvertretung geben sich kämpferisch. Jan Diekmann (SPD), zugleich Bürgervorsteher, bedauert ebenfalls die mangelnde Gesprächs- und Informationsbereitschaft des Kreises im Vorfeld. „Ich sehe ihn in der Pflicht für die Zukunft des Standorts zu sorgen.“ Die Fraktionen werden gemeinsam mit der Bürgermeisterin ihr weiteres Vorgehen abstimmen. Friedrich Busch (CDU) erklärte, dass seine Fraktion alles dafür tun werde, dass ein stationäres Angebot erhalten bleibt. Wenn das nicht gehe, müsse zumindest eine Ambulanz für Notfälle, auch nachts und am Wochenende, sowie ein medizinisches Versorgungszentrum vorgehalten werden. Hauke Schmidt (AWT) sprach von einem Unding für Tönning und Eiderstedt. „Das Krankenhaus ist immer sehr gut angenommen worden.“ Er fordert Vorschläge für zusätzliche Angebote in der Klinik, um sie rentabler zu machen. „Denn, wenn ich keine Schokolade in den Laden stelle, wird sie auch nicht gekauft.“ Der SSW wird über seine Stellungnahme morgen beraten.

„Wir werden uns für den Erhalt einsetzen“, kündigte Hans-Jacob Peters, Vorsitzender des Krankenhaus-Fördervereins, an. „Das ist unsere Aufgabe.“ Das Angebot sei unverzichtbar. „Das ist wieder ein herber Schlag für Tönning“, sagte Carl-Rüdiger Westensee, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe (HGV). „Es ist doch die Frage, ob man nicht noch eine Möglichkeit findet, das stationäre Angebot zu erhalten.“ Er sieht die mangelnde Rentabilität auch ein wenig als hausgemacht. „Schließlich ist ja ein Stockwerk aufgelöst worden.“ Vor 25 Jahren hatte die Klinik noch 60 Betten. Westensee fürchtet nicht nur um die Arbeitsplätze, sondern auch um die Wirtschaftskraft, die ein Krankenhaus bedeutet. „Wir sind alle gefordert, eine Lösung zu finden.“ Die Tönninger Ärztin Frauke Mehret bedauert, dass wieder ein Dienstleistungsangebot für Eiderstedt verloren geht. Die Patienten seien immer sehr zufrieden gewesen. Sie könnte sich vorstellen, dass im Haus eine Geriatrie oder eine Palliativ-Station eingerichtet werde. „Das brauchen wir auf Eiderstedt.“ Der Bedarf für Chirurgie und Gynäkologie sei auch da.

 

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erstellt am 05.Nov.2015 | 11:15 Uhr

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