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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:47 Uhr

Folk-Baltica-Auftakt in Husum : Premieren-Publikum im Sturm erobert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Folk-Baltica-Ensemble eröffnet im Husumer Nordsee-Congress-Centrum die neue Spielzeit und reißt das Publikum zu Jubelstürmen hin. Auch das Stockholm-Lisboa-Project sorgt mit Leadsängerin Rita Martins für Furore.

Es ist ein Heimspiel – nicht nur für Juliana Thun, die vor neun Jahren in Husum ihr Abitur gemacht hat, sondern auch für die 50 jungen Musikerinnen und Musiker von diesseits und jenseits „dieser merkwürdigen Grenze“ (Harald Haugaard), die Deutschland von Dänemark trennt. Musik kennt solche Grenzen nicht und stiftet an diesem Abend ein Gemeinschaftsgefühl, das nicht nur der Geschäftsführerin und dem künstlerischen Leiter des Folk-Baltica-Festivals „Hoffnung“ macht. Ein Gefühl, das umso eindringlicher ist, als der Abend mit einem schwedisch-portugiesischen Quartett zu Ende geht, das die Herzen des deutsch-dänischen Publikums im Sturm erobert. Doch der Reihe nach.

Auf dem Parkplatz des Husumer Nordsee-Congress-Centrums (NCC), das zum ersten Mal Schauplatz eines Folk-Baltica-Konzertes ist, geht es zu wie im kleinen Grenzverkehr. Viele der „50 jungen Talente“ des Ensembles, die aus Schleswig-Holstein und Dänemark stammen, haben einige ihrer Fans – Eltern, Geschwister und Großeltern – gleich mitgebracht. Doch der Funke spränge auch ohne familiäre Unterstützung über. Unter Leitung von Harald Haugaard präsentieren die 14- bis 24-jährigen Streicher und Bläser einen bunten Strauß aus regionalem Liedgut in zeitgenössischem Gewand. Die meisten Arrangements hat Haugaard selbst geschrieben und zudem noch einige Eigenkompositionen wie „Port Orford“ beigesteuert.

Schon der Auftakt mit „Vesterland“, aber mehr noch „Reventlow nr 85/Before the Storm“ (ursprünglich aus dem Jahr 1799) lässt die wunderbare Kombination aus tiefer Ernsthaftigkeit und jugendlicher Spielfreude erkennen, die den Klang dieses Orchesters so einzigartig macht. Der Husumer Folkmusiker Manuel Knortz (Dragseth) hat einmal gesagt: Volksmusik sei alles – außer Volksmusik. Wie recht er hat, wird an diesem Abend physisch spürbar. Da reihen sich irische an schwedische und dänische an deutsche Traditionals, als habe es diese „merkwürdigen Grenzen“ tatsächlich nie gegeben. In „Königskinder“, das Haugaard nach einem Stück von Alan Klitgaard neu arrangiert hat, besingen Antonie Riemer und Justine Boesen im deutsch-dänischen Duett die tragische Geschichte zweier Königskinder, die nicht zueinander finden können, weil das Wasser zwischen ihnen so tief ist. Und nicht zuletzt dank des modernen Arrangements, an dessen Ende elektrisierend eine sinfonische Zeituhr tickt, demonstriert das Stück, welche zeitlose Kraft von diesen alten Liedern bis heute ausgeht. Völlig zu recht werden Haugaard und seine jungen Musiker mit tosendem Beifall in die Pause entlassen.

Danach gehört die Bühne dem Stockholm-Lisboa-Project, das trotz halbstündiger Pause nahtlos an den ersten Teil anzuknüpfen vermag. Simon Stålspets (nordische Mandorla) und Alice Andersson (Saxofone, vor allem Bass-Saxofon!; beide aus Schweden) sowie Sérgio Crisostomo (Geige) und Leadsängerin Rita Martins (beide aus Portugal) kreuzen die portugiesische Gesangstradition Fado mit traditioneller schwedischer Volksmusik. Vier Vollblut-Musiker, deren Herzstück jedoch Sängerin Rita ist. Mit einer Stimme, die mal an Alexandra, mal an die junge Edith Piaf erinnert, verzaubert sie das Publikum mit gleichermaßen reifem wie federleichtem Gesang und verleiht den oft traurigen Inhalten des Fado eine genauso eindringliche Stimme wie jenem saftigen Walzer, den Simon zur Hochzeit seiner Schwester geschrieben hat. Mehr als einmal wird an diesem Abend ein „Fenster“ aufgestoßen. Und so heißt auch das aktuelle Album der vier: Janela. Einen Schlusspunkt mit Gänsehaut-Charakter setzen Folk-Baltica-Ensemble und Stockholm-Lisboa-Project dann gemeinsam: mit „Dat du mien leevsten büst“. Und fast scheint es für einen Augenblick tatsächlich keine Grenzen mehr zu geben, in dieser – wie Haugaard es nennt – „verrückten Zeit“.

Am Freitag, 28. April, 20 Uhr, trifft die Sängerin von Kalüün und Hauskünstlerin des Festivals, Keike Faltings, mit ihrem Trio im Speicher Husum, Hafenstraße 17, auf die aus Oberammergau stammende Formation Kofelgschroa.

 

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erstellt am 25.Apr.2016 | 13:00 Uhr

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