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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

Premiere bei Eiderstedter Kultursaison : Poetry Slam ist keine Frage des Alters

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Eiderstedter Kultursaison veranstaltet einen wortgewaltigen Abend mit Moderator Björn Högsdal in Tetenbüll.

Der Parkplatz des Theatriums in Tetenbüll war voll, auch am Straßenrand standen Autos. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Eine besondere Veranstaltung der Eiderstedter Kultursaison hatte die Menschen angelockt: Zum ersten Mal wurde hier Poetry Slam geboten. Dabei tragen die Teilnehmer eigene Texte vor. Vor der ersten Reihe auf dem Boden saßen sogar weitere Zuhörer. Die Macher der Kultursaison hatten für diesen Abend einen der bekanntesten Slamer Norddeutschlands als Moderator gewonnen. „Björn Högsdal hat sich nicht gescheut, heute Abend nach Tetenbüll in die Pampa zu kommen“, stellte Kurt Riggert, zweiter Vorsitzender des Vereins Kultursaison, den Kieler vor.

Högsdal brachte das Publikum mit kleinen Texten und Witzen gleich in Schwung. Er ließ eine siebenköpfige Publikums-Jury bestimmen, die für jeden folgenden Vortrag Punkte von eins bis zehn verteilen musste. „Eins bedeutet, der Text ist so schrecklich, er wäre besser nie geschrieben worden“, erklärte Högsdal zum Amüsement der Anwesenden. „Zehn heißt: das Werk haut euch einfach um, berührt euch.“

Das Publikum stieg ein, wurde langsam warm. Die 20-jährige Lena Iwersen eröffnete die Vorrunde. Die Anwesenden lauschten ihren Worten über Liebe, Trauer und Sehnsucht. Es folgten fünf weitere Slamer. Von den sechs zogen vier ins Halbfinale ein. „Poetry Slam ist kein bestimmtes Genre – es ist ein Ort für verschiedene Stile und Texte“, erklärte Björn Högsdal. „Poetry Slam lebt von der Vielfalt .“ Die Vortragenden waren Männer wie Frauen, im Alter zwischen 20 und 70 Jahren. Sie trugen Lyrik vor, die sich reimte, aber auch Geschichten, witzige oder nachdenkliche Texte. Sie handelten von Liebe, Sehnsucht, Toleranz, aber auch von Fahrradtouren, Feiertagen, Wetter und sogar Hinrichtungen. Einer der Slamer war der 70-jährige Carsten Martin Johannsen. Er schreibt seit Jahren Gedichte und hat wie die Anderen im Poetry Slam eine Bühne gefunden, seine Texte vorzutragen. „Oft werden sie erst dann vollständig, wenn man sie vorträgt“, sagt die 24-jährige Mona Harry, die mit ihrem Liebesgedicht an den Norden bekannt wurde.

Vieles hängt vom Publikum ab. „Man kann nicht zu viel, nur zu wenig klatschen“, ermunterte Högsdal die Zuhörer. „Die Energie, die ihr nach vorne gebt, kommt vom Slamer wieder zurück.“ Wenn dieser aber spürt, dass die Texte oder Witze nicht ankommen, wird er unruhig. „Man wird plötzlich schneller – will es hinter sich bringen“, sagt Mona Harry. Das Publikum in der Stadt und auf dem Dorf unterscheidet sich. „Im ländlichen Bereich ist es meistens älter“, hat die 24-Jährige beobachtet. „Aber auch begeisterungsfähiger. Die Leute freuen sich, dass man auswendig vortragen kann und interessieren sich mehr für komplexere Texte.“

So auch in Tetenbüll. Im Finale standen sich schließlich Mona Harry und Lena Iwersen gegenüber. Die beiden jungen Frauen setzten auf Ernstes. Iwersen sprach über Toleranz und andere Themen, die zum Nachdenken anregen, während Harry mit ihrer blühenden Sprache ein Lächeln auf die Lippen der Zuhörer zauberte: „Land zwischen den Meeren, vor dem sich sogar die Bäume verneigen, Du bist der wahre Grund, warum Kompassnadeln nach Norden zeigen.“

Die etwa 140 Zuhörer waren begeistert. In der Pause und nach der Veranstaltung wurden die Slamer mit Lob und Dank überhäuft. Am Ende blieb ein Unentschieden. Dass es keinen Sieger gab, war aber egal. Die Texte hatten die Gäste berührt.

Die Eiderstedter Kultursaison läuft noch bis zum 4. September. Weitere Veranstaltungen und Radtouren unter www.eiderstedter-kultursaison.de.

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