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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Personalmangel : Pflicht-Feuerwehr für Friedrichstadt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Boten verteilen in Friedrichstadt Verpflichtungserklärungen an 50 Bürger, die in der Pflichtwehr Dienst verrichten müssen. Der Kreis hat der Freiwilligen Feuerwehr wegen Personalmangels die Anerkennung entzogen.

Vor eineinhalb Jahren schrammte Friedrichstadt noch ganz knapp an einer Pflichtwehr vorbei, nun muss die Stadt eine aufstellen. 50 Bürger der Stadt erhalten per Boten schriftliche Verpflichtungserklärungen. Zuvor hatten Austritte von Aktiven und arbeitsplatzbedingte Wohnortwechsel dazu geführt, dass bei Weitem nicht mehr genügend Feuerwehrleute ihren Dienst in der Freiwilligen Stadtfeuerwehr Friedrichstadt verrichteten. Derzeit hat die Wehr einen Personalbestand von nur 23 Aktiven, 50 müssen es nach den Vorschriften des Landes-Brandschutzgesetzes mindestens sein.

„Deshalb war der Kreis Nordfriesland als Aufsichtsbehörde gezwungen, die Anerkennung der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt zu widerrufen“, erklärt der stellvertretende Landrat Jörg-Friedrich von Sobbe. Ein vorangegangenes Gespräch der Verwaltung mit Kreiswehrführer Christian Albertsen, dem Ordnungsamt des Amtes Nordsee-Treene und Bürgermeister Eggert Vogt, hatte gezeigt, dass es keine andere Lösung gibt.

„Das ist das Letzte, was ich mir als Bürgermeister gewünscht habe. Uns ist der Schritt nicht leicht gefallen, aber es ging nicht anders. Eine Feuerwehr ist wichtig und wird gebraucht. Die Bevölkerung muss sich darauf verlassen können, dass nach dem Notruf schnelle Hilfe kommt“, sagte Vogt. Im November 2014 hatte sich die städtische Wehr viele Aktionen einfallen lassen, um Mitglieder zu gewinnen und schrammte damals knapp an einer Pflichtwehr vorbei. „Unsere Feuerwehr ist dennoch gut ausgestattet. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres gibt es ein neues Einsatzfahrzeug und ein Neubau der Wache ist ebenfalls in Planung“, sagt Vogt.

Nach Paragraf 19 der Gemeindeordnung Schleswig-Holstein ist jeder Bürger verpflichtet, Ehrenämter und ehrenamtliche Tätigkeiten für die Gemeinde zu übernehmen und auszuüben. „Leider ist das vielen Bürgern nicht bewusst. Oft werden Forderungen erhoben, aber die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden, fehlt“, bedauert Ralf Heßmann, der Vorsteher des Amtes Nordsee-Treene.

„Die Friedrichstädter müssen keine Angst haben, alles funktioniert weiter wie bisher. Wer ein Feuer entdeckt, kann, wie üblich, den Notruf 112 wählen“, erklärt Christian Albertsen. Er hat die Nachbarwehren aus Koldenbüttel, Seeth und Drage informiert, sie unterstützen die Pflichtwehr im Einsatzfall.

Ein Problem gibt es jedoch: Die Gleise der Marschenbahn trennen Koldenbüttel und Friedrichstadt. Am Bahnübergang bleiben die Schranken oft bis zu sieben Minuten lang geschlossen – und das bei mehr als 40 Zügen pro Tag. „Es wird sicherlich Fälle geben, in denen die Koldenbüttler an der Schranke warten müssen. Das zeigt deutlich, wie wichtig eine funktionierende Stadtfeuerwehr ist“, unterstreicht der Kreiswehrführer.

Die Neuen müssen zunächst die sogenannte Truppmann-Ausbildung durchlaufen. Die dafür erforderlichen Übungsabende enthalten theoretische und praktische Teile und erstrecken sich über mehrere Wochen. Bis dahin werden die umliegenden Wehren stärker belastet sein. Eggert Vogt hofft, dass die Pflichtwehr nur eine vorübergehende Erscheinung sein wird. Allerdings rechnet er damit, dass sie wohl länger bestehen wird. „Wir waren auch in Burg und haben uns über die dortige Pflichtwehr informiert, sie funktioniert tadellos“, stellt der Bürgermeister fest.

Nach seiner Einschätzung dürfte es in den nächsten Tagen und Wochen viele böse Anrufe und Briefe geben. „Ich befürchte in den sozialen Medien auch einen Shitstorm“, sagt er. Allerdings glaubt er nicht, dass es schnell gelingen wird, genügend Freiwillige für die Feuerwehr zu gewinnen. „Ich rechne doch eher damit, dass die Pflichtwehr einige Jahre bestehen bleibt.“

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erstellt am 21.Apr.2016 | 09:00 Uhr

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