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Husumer Nachrichten

01. Oktober 2016 | 14:06 Uhr

Junger Hengst krank : Pferdeherpes: Nach Milstedt jetzt auch in Tönning

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Tönninger Reiterhof Lerchenhof macht man sich Sorgen: Ein junger Hengst ist an Herpes erkrankt. Beim Mildstedter Reit- und Fahrverein mussten nämlich sechs Herpes-Pferde von Tierärzten eingeschläfert werden.

Ein einjähriger Hengst auf dem Tönninger Lerchenhof ist an Pferdeherpes erkrankt. An dieser heimtückischen Krankheit sind allein beim Mildstedter Reit- und Fahrverein sechs Tiere gestorben. Während sich dort langsam die Lage entspannt, sieht es auf dem Tönninger Reiterhof noch anders aus.

Zunächst sieht es aus wie eine harmlose Grippe, doch dann kann die Krankheit tödlich enden. Viele Reiter in Schleswig-Holstein bangen im ihre Pferde.

Der Vorsitzende des Mildstedter Reit- und Fahrvereins, Dieter Friedrichsen, bekommt jeden Tag bessere Laune. Zwar waren sechs Pferde in der Mildstedter Reitanlage so schwer an Herpes erkrankt, dass sie von Veterinären erlöst werden mussten, nun aber, so sagt Friedrichsen, sei das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. „Fast alle Pferde sind an der frischen Luft, nur zwei sind noch im Stall. Aber auch diese beiden dürften Ende der Woche raus kommen, dann sind wir hoffentlich mit der Krankheit durch.“ Mitte April soll die ganze Anlage des Vereins groß gereinigt und desinfiziert werden – und das „normale“ Leben wieder einkehren.

Bei dem einjährigen Hengst auf dem Lerchenhof in Tönning wurde der Erreger Typ 4 gefunden. Typ 1 (EHV-1) und Typ 4 (EHV-4) sind eng verwandte Herpesviren, die Atemwegserkrankungen, Aborte und neurologische Störungen verursachen können. Und genau an diesen neurologischen Störungen hatten die Tiere in Mildstedt so sehr gelitten, dass sie erlöst werden mussten. „Das“, so sagt die Seniorchefin des Lerchenhofes, Ingrid Ammon, sei bei ihrem Jungtier aber nicht der Fall. In der Anlage stehen insgesamt 24 Pferde. Das befallene Hengstfohlen sei auf Anraten des Tierarztes aber nicht isoliert worden, da es durch seine Gitterbox ohnehin kaum direkten Kontakt mit anderen Tieren aufnehmen könne. Isoliert wäre es vermutlich ordentlich gestresst worden.

Seit dem Auftreten des Herpesfalls in Tönning, so sagt Ingrid Ammon, sei auch der Reitbetrieb für fremde Besucher eingestellt worden. Nur die Besitzer der eingestellten Tiere dürfen noch zu ihren Pferden, für all anderen Personen ist die Anlage Lerchenhof quasi gesperrt worden.

Um die Ausbreitung der Krankheit möglichst zu verhindern, „haben wir Bottiche mit Desinfektionsmitteln aufgestellt, durch die jeder Stallbesucher hindurch gehen muss“, beschreibt Ingrid Ammon die auffälligste Vorsichtsmaßnahme. „Bei uns kommen immer wieder Kinder vorbei, die gern reiten wollen. Die müssen wir zurzeit wegschicken“, sagt die Seniorchefin. Da auf dem Lerchenhof auch Ferienwohnungen vermietet werden, diesmal auch an Reiter, ist die Lage besonders ärgerlich. „Wir müssen den Mietern den Umgang mit den Tieren untersagen, damit die Krankheit nicht weitergetragen wird.“

Die Sperrung des Hofes werde voraussichtlich noch mindestens bis Mitte April anhalten, „denn wir wollen ganz sicher gehen.“ Dann allerdings, spätestens Anfang Mai, soll der Betrieb wieder normal weiterlaufen. Dann dürften wieder die Kinder-Ponygruppen und Urlauber das Glück auf dem Rücken der Pferde erleben.

Pferdeherpes ist keine meldepflichtige Krankheit, daher wusste auch Nordfrieslands Kreisveterinär Dr. Dieter Schulze nichts von dem Fall in Tönning. Er hatte allerdings seine Kollegen im Kreisgebiet aufgefordert, ihn über neue Fälle zu informieren. Tückisch an der Krankheit ist, dass nahezu 70 Prozent aller Pferde latent das Virus in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen. In bestimmten Situationen, beispielsweise bei Stress, kann die Krankheit dann ausbrechen. Sie ähnelt einer Erkältung. Allerdings können die genannten Virustypen auch auf das Nervensystem überspringen.

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erstellt am 30.Mär.2016 | 09:00 Uhr

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