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Aufbruchstimmung : Ohne weiße Schokolade geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Extremsportlerin Freya Hoffmeister steht kurz vor dem Aufbruch zu ihrer Nordamerika-Umrundung: Am 9. März fliegt die Paddlerin nach Seattle. Und gut zwei Wochen später beginnt sie dann mit ihrer ersten Etappe.

„Nein“, sagt Freya Hoffmeister. Das Prinzip sei zwar gut, „aber ich habe ohnehin nur das Notwendigste an Bord“. Das „Prinzip“ stammt von einem Mann, der – wie sie – Grenzerfahrungen suchte, die höchsten Berge bestiegen hat und zu Fuß bis an den Nordpol gelaufen ist: Reinhold Messner. Wenn der gebürtige Südtiroler die Ausrüstung für seine Expeditionen zusammenstellte, bildete er vor seinem inneren Auge immer drei Haufen und fragte sich: Was wäre wünschenswert, was ist erforderlich und was unverzichtbar?

Die Husumerin, die mit ihrem Seekajak nach Australien und Südamerika nun auch Nordamerika umrunden will, fängt gleich mit der letzten Kategorie an, nimmt nur mit, was ihr auf See und an Land absolut notwendig erscheint. „Vielleicht bis auf ein Nagellack-Fläschen“, räumt Hoffmeister schmunzelnd ein –   „und den Kindle natürlich.“ Denn sechs oder mehr Monate ohne Bücher die kanadisch-amerikanische Westküste entlang zu paddeln – das ginge auch der Extremsportlerin zu weit. Am liebsten liest sie übrigens Biografien und historische Liebesromane oder die Abenteuer-Bücher von Friedrich Gerstäcker (1816 bis 1872), der am selben Tag wie sie geboren wurde. „Aber die habe ich leider alle schon durch.“

Am 9. März, also am kommenden Donnerstag, kurz nach 6 Uhr geht es los – auf den sprichwörtlich verschlungenen Pfaden, die das internationale Flugwesen von heute widerspiegeln: von Kopenhagen über Frankfurt nach Seattle. Dort wird sie bei einem Freund unterkommen und die nächsten zwei Wochen bleiben, bevor es dann richtig ernst wird. Eines der fünf Boote, die sie sich eigens für ihre Extremtouren hat bauen lassen, gelangt ebenfalls auf dem Luftweg in die USA; die anderen und der größte Teil der Ausrüstung werden im Container verschifft. Am Donnerstag wird Hoffmeister ihr Haus also „quasi mit Handgepäck“ verlassen können.

Auf die eigentliche Expedition habe sie sich „peinlich wenig vorbereitet“, gesteht die 52-Jährige Kauffrau. Dafür hatte sie zu viel mit ihren beiden Geschäften um die Ohren. „Die müssen ja weiterlaufen, wenn ich weg bin“, sagt sie. Und das macht sich auch nicht mal eben nebenher.

Aber die Frau ist reich an Paddel-Erfahrungen – und so eine Reise, die sich über 50.000 Kilometer und zehn Jahre erstrecken wird, „plant man nicht in einem Rutsch“. Ob sie bei der ersten Etappe, zu der Hoffmeister am 25. März aufbricht, die Inside Passage, also die Wasserstraße zwischen dem kanadischen Festland und Vancouver-Island, nehmen wird oder „außen rum fährt, weil da weniger los ist“, will die Paddlerin vor Ort entscheiden.

Wann und wo sie mit ihrem Boot, das voll beladen bis zu 100 Kilogramm auf die Waage bringt, Zwischenstopps einlegen wird, hängt davon ab, wo die nächste Siedlung ist, wann die Lebensmittelvorräte zur Neige gehen oder Batterien aufgeladen werden müssen. „Strecke machen“ hat für Freya Hoffmeister jedenfalls keine Priorität. 1000 Kilometer pro Monat – inklusive Pausen – seien völlig okay. Allerdings will sie auf der ersten Etappe wenigstens bis nach Anchorage im US-Bundesstaat Alaska kommen.

Sorge bereitet der gebürtigen Heikendorferin noch immer die Gefahr durch Bären. „Aufdringliche Menschen verscheuche ich mit Charme und Eleganz“, sagt sie. Aber ob das auch Grizzly- und Schwarzbären beeindruckt? Egal. Bärenspray will sie sich erst in Kanada kaufen, und eine Waffe kommt ihr nicht ins Boot. Unversehens gerät Hoffmeister ins Schmunzeln. Da sei noch etwas, worauf sie auf keinen verzichten wolle, sagt sie und gesteht, das es sich dabei um weiße Schokolade handelt. „Die esse ich zur Not auch geschmolzen. Aber gar keine Schokolade – no, das geht nicht.“

 

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erstellt am 03.Mär.2017 | 15:00 Uhr

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