zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Nordfriesland und Flensburg : Nord-Kliniken wollen kooperieren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Klinikum Nordfriesland und die Diako Flensburg wollen ein neues Klinik-Bündnis schmieden. Bis Ende des Jahres soll ein abgestimmtes medizinisches Versorgungskonzept erarbeitet sein.

Flensburg | Die Kliniken im hohen Norden Schleswig-Holsteins wollen künftig eng zusammenarbeiten. Nach ersten Sondierungsgesprächen bereiten das Klinikum Nordfriesland und die Diakonissenanstalt Flensburg eine Kooperation vor. Dabei sollen alle Optionen geprüft werden, ohne die etablierten Unternehmens-Marken Diako und Klinikum NF aufzugeben. „Beide Verhandlungspartner können sich vorstellen, die Krankenhaus-Versorgung für die Region künftig gemeinsam sicherzustellen“, hieß es dazu auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Kreishaus in Husum. Die Details sollen allerdings erst bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Kreishaus vorgestellt werden.

Damit geht das Ringen um eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Krankenhaus-Versorgung in Nordfriesland in eine neue Runde. Vor 13 Jahren war zunächst versucht worden, für die vier Kreiskrankenhäuser in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk einen starken Partner ins Boot zu holen. Seinerzeit hatte jedoch der erste erfolgreiche Bürgerentscheid Schleswig-Holsteins auf Kreisebene die Teilprivatisierungs-Pläne von CDU und SPD zu Fall gebracht. Fast 40.000 Nordfriesen sprachen sich damals dafür aus, die Häuser in kommunaler Hand zu behalten.

Als zwei Jahre später die bindende Wirkung des Bürgerentscheids auslief, wurde dann eine gemeinnützige Gesellschaft als Betriebsform aus der Taufe gehoben. Wachsender wirtschaftlicher Druck führte schließlich vor drei Jahren zu Fusionsverhandlungen mit dem Westküstenklinikum in Heide. Diese wurden jedoch ein Dreivierteljahr später ergebnislos abgebrochen.

Mit der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt zu Flensburg ist nun ein erfahrener und renommierter Partner in spe gefunden, der unter anderem auch die Fachkliniken Nordfriesland in Breklum betreibt. Die Weichen für entsprechende Kooperations-Verhandlungen hat der nordfriesische Kreistag in nicht-öffentlicher Sitzung einstimmig gestellt. Zunächst soll es nun eine umfassende Bestandsanalyse der Angebote und ihrer wirtschaftlichen Bewertung geben. Münden wird der Prozess in ein gemeinsames medizinisches Versorgungskonzept, das Anfang 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

Voraussichtlich im Herbst muss der Konzept-Entwurf zunächst in den Gremien der Diako und des Klinikums Nordfriesland – der Kreistag fungiert als Gesellschafterversammlung – abschließend bewertet werden. Die Zeit bis dahin bedeutet freilich keinen Stillstand. Denn eben erst hat der nordfriesische Kreistag eine Kapitalerhöhung um 4,5 Millionen Euro sowie eine Bürgschaft in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro zur Finanzierung notwendiger Investitionen, vor allem in der Husumer Klinik, beschlossen. „Die Nordfriesen machen ihre Hausaufgaben selbst“, sagte Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen kürzlich in diesem Zusammenhang.

Die Probleme bleiben allerdings: Kleinere Krankenhäuser in ländlichen Regionen können immer schwieriger wirtschaftlich arbeiten. Dieser Trend wird sich durch den demografischen Wandel noch verschärfen. Zudem zahlen die Krankenkassen in Schleswig-Holstein den Kliniken geringere Basisfallwerte als in anderen Bundesländern, und Mittel des Landes im Zuge der Investitionsförderung fließen nicht in ausreichendem Maße.

Mit gleich vier Standorten in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk ist das Klinikum Nordfriesland von dieser nicht hausgemachten Misere besonders hart betroffen. Schon im Beteiligungsbericht des Kreises Nordfriesland für 2013 hieß es deshalb: „Das Klinikum Nordfriesland zehrt durch die seit Jahren bestehenden Betriebsergebnis-Verluste nicht nur immer mehr sein Eigenkapital auf, sondern diese Entwicklung greift auch mehr und mehr seine Liquidität an.“ Zuletzt schrieb die gemeinnützige Gesellschaft nach Informationen unserer Zeitung etwa 1,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr. Das Eigenkapital schmolz in den vergangenen zehn Jahren um rund zehn auf zuletzt noch 15 Millionen Euro. Eine dramatische Entwicklung, die nach Einschätzung von Insidern über lang oder kurz „zu einer Gefährdung des Unternehmens führt“.

Das Klinikum wird also zwangsweise medizinische Angebote, Abläufe und auch sogenannte Sekundärdienste wie Labor oder Sterilisation weiter optimieren und zudem auch modernisieren müssen. Denn die anstehende Bundes-Reform zur Struktur der Krankenhaus-Versorgung setzt verstärkt auf Qualitätsmerkmale. Der Fokus liegt in Nordfriesland vor allem auch auf den Standorten Tönning und Niebüll, wo die Finanzierung erbrachter Leistungen laut Beteiligungsbericht „nicht auskömmlich“ ist. Für Niebüll wird von den Kassen denn auch ein zusätzlicher Sicherstellungs-Zuschlag gefordert, analog zum Brunsbütteler Haus des Heider Westküstenklinikums. Denn selbst der Landesrechnungshof hatte die Niebüller Klinik – neben den Häusern in Flensburg und Husum – als unabdingbar für die Grund- und Regelversorgung eingestuft.

Wenn das Klinikum NF und die Diako Flensburg jetzt prüfen, ob sich ein Klinik-Bündnis schmieden lässt, hoffen beide Verhandlungspartner auf Synergieeffekte. Ein schlüssiges gemeinsames Versorgungskonzept mit adäquaten hochwertigen medizinischen Leistungen und Angeboten könnte überdies helfen, auch in Zukunft im schärfer werdenden Wettbewerb mit anderen Klinik-Verbünden im Norden der Republik zu bestehen. „Es hat noch nicht jeder verinnerlicht, was die Stunde geschlagen hat“, formulierte unlängst Kreispräsident Heinz Maurus. Er stand einer nordfriesischen Arbeitsgruppe vor, die Handlungsempfehlungen für das Klinikum erarbeitet hat. Seine Mahnung: „Wir dürfen uns die Welt nicht schöner reden, als sie ist. Wir müssen über Kreisgrenzen hinausschauen, ansonsten werden wir im Wettbewerb nicht bestehen können.“

zur Startseite

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen