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Mildstedt : Nistbaum gefällt – Seeadlerhorst zerstört

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gerade hatte sich ein Seeadlerpärchen in der nordfriesischen Südermarsch angesiedelt, da wurde ihr Nistbaum abgesägt. Der WWF hat 3000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgelobt, die Gemeinde gibt 500 Euro.

Mildstedt | Ende der 1960er Jahre gehörte er zu den seltensten Tieren in Schleswig-Holstein, der Seeadler. Der deutsche Wappenvogel war nicht nur erbarmungslos gejagt worden, sondern durch das Pflanzenschutzmittel DDT waren sein Eier so brüchig geworden, dass es kaum noch zu erfolgreichen Bruten kam. Mittlerweile hat sich die Situation geändert, doch selten ist der mächtige Greifvogel immer noch. Im ganzen Land zwischen den Meeren gibt es 95 Paare. Und eines wollte sich jetzt in der Südermarsch ansiedeln. Hoch auf einer Pappel hat es einen Horst gebaut. Doch das Ergebnis der so genannten Herbstbalz, die bei Adlern der Paarbindung dient, wurde mutwillig zerstört. Ein bislang noch Unbekannter hat am Wochenende, 29. und 30 November, die hohe Pappel, die sehr unzugänglich in einem kleinen Wäldchen liegt, laienhaft abgesägt. Das Adlernest wurde beim Umsturz des Baumes zerstört. Bei allem Ärger über diese Tat, ist Umweltpolizist Andreas Kruse dennoch froh, dass der Baumfäller nicht zu Schaden gekommen ist, denn entgegen dem gesägten Keil fiel die mächtige Pappel in die andere Richtung.

„Damit ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz ein Straftatbestand erfüllt“, stellt Kruse fest. Sorge bereiten ihm und Volker Latendorf von der Projektgruppe Seeadlerschutz, dass seither nur noch ein Tier gesichtet wird. Der zweite Greifvogel ist verschwunden. Ob er illegal abgeschossen worden ist, weiß niemand. Latendorf hofft, dass er wieder auftauchen wird, denn nach der Herbstbalz und dem Bau des Horstes, komme es schon mal vor, dass die Adler zwischenzeitlich eigene Wege fliegen.

Das Motiv für die Straftat liegt noch im Dunkel, denn anders als in Angeln, wo Anfang des Jahres ein Horstbaum abgesägt worden ist, plant niemand in unmittelbarer Nähe einen Windpark, der wegen eines Adlervorkommens aber wahrscheinlich keine Genehmigung erhält. Und der Adlerexperte sagt auch, dass das Absägen nichts bringe, denn in Angeln beispielsweise habe das Paar nur knapp 150 Meter entfernt eine neues Nest gebaut. Auch in der Südermarsch könnte es zu einem erneuten Bau kommen, selbst wenn ein Tier tot sein sollte. Vermutlich, sagen Kruse und Latendorf übereinstimmend, sei der Horst zerstört worden, weil der Adler als Konkurrent gesehen werde, da er auch Jagd auf Niederwild mache.

Der Seeadler, der eine Spannweite von bis zu 2,44 Metern erreichen kann, ernährt sich während der Brutzeit vor allem von Fischen und Wasservögeln, auch Aas wird gern genommen, lebende Säuger spielen meist nur eine untergeordnete Rolle. Fische werden häufig selbst erbeutet, Seeadler fressen jedoch auch tote und halb verweste Fische. In Schleswig-Holstein bilden Fische 73 Prozent und Wasservögel 24 Prozent der Beute. Die übrigen drei Prozent sind Säuger, vor allem Kaninchen und Feldhasen. Die am häufigsten erbeuteten Wasservögel sind Blässhuhn 56, Graugans zehn und Stockente sechs Prozent.

Der WWF hat für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgelobt. Auch die Gemeinde Südermarsch ist an der Ergreifung interessiert. Aus ihrem Etat hat sie weitere 500 Euro Belohnung zur Verfügung gestellt. Latendorf übrigens glaubt nicht, dass es sich um einen Schafzüchter handeln könnte, der sich um seine Lämmer sorgt. Denn denen, so sagt er, sei bekannt, dass die Seeadler zwar gern tote Lämmer fressen, aber ganz selten lebende Tiere töten. Ein Auge auf das Geschehen in der Südermarsch will künftig Jens Hartwig werfen, der auch als Wolfsbetreuer tätig ist.

 

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erstellt am 11.Dez.2015 | 17:40 Uhr

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