zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

31. August 2016 | 18:02 Uhr

Küstenschutz im Klimawandel : Nicht zu nah am Wasser bauen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei einer Ingenieurs-Fachtagung in Husum stand der Küstenschutz im Klimawandel im Mittelpunkt. Es ging auch im Klima-Profile für Deiche und Verbotsbereiche für das Bauen in Küstennähe.

Als Nicht-Fachmann brachte Husums Bürgervorsteher die Sache psychologisch auf den Punkt. „Früher hatten wir Angst vor der Natur, dann um die Natur und heute um die Natur und den Menschen“, erklärte Peter Empen im Nordsee-Congress-Centrum in Husum. Dort begrüßte er rund 150 Ingenieure und Naturwissenschaftler, die im Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) organisiert sind und zu ihrem 4. „Küstentag“ nach Nordfriesland gereist waren. „Küstenschutz im Klimawandel“ war die Tagung überschrieben, die der Vorsitzende des BWK-Landesverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg, Wolfgang Meier, moderierte. Da einem Ingenieur „nichts zu schwör“ ist, zeigte sich Peter Empen überzeugt, dass es den Experten auch in Zukunft gelingen wird, den Ansprüchen von Meeres-, Naturschutz und Tourismus gerecht zu werden.

Dass es schon eine Herausforderung ist, „nur“ Natur- und Küstenschutz in Einklang zu bringen, machte Dr. Johannes Oelerich klar. Er leitet den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) Schleswig-Holstein mit Sitz in Husum. Oelerich machte am Beispiel des Landesschutz-Deiches im Alten Koog auf Nordstrand klar, wie groß allein der Planungsaufwand durch das Zusammenspiel verschiedenster Beteiligter aus beiden Bereichen ist.

Auf der Halbinsel wird zwischen Norderhafen und Strucklahnungshörn das Bollwerk auf etwa 2,5 Kilometern um 90 Zentimeter – der „Klima-Zuschlag“ beträgt 50 Zentimeter – auf 8,70 Meter erhöht (wir berichteten). Das Besondere ist ein „Klima-Profil“ inklusive einer „Reserve“ für die nächsten Generationen, die dann ohne ein aufwendiges Bauantragsverfahren – sollte der Meeresspiegel stärker als bisher prognostiziert ansteigen – eine „Kappe“ aufsetzen dürfen. Deshalb ist der Deich als gleichmäßig ansteigendes Bollwerk mit einer Neigung von 1:10 zur Seeseite hin und einer von 2,50 auf 5 Meter verbreiterten Deichkrone konzipiert. Der LKN-Direktor unterstrich allgemein: „Wir holen keinen Sand mehr aus dem Watt.“ Dies bedeutet zusätzliche Arbeit, da neue Entnahmeplätze gefunden werden müssen – dazu kommt der Transport.

Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt aus dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ist mitverantwortlich für 433 Kilometer Landesschutzdeiche; 93 Kilometer sollen laut Generalplan „Küstenschutz“ von 2012 verstärkt werden, davon 56 Kilometer an der Nordseeküste. Der Plan wird alle zehn Jahre fortgeschrieben. Ergänzend gibt es unter anderem spezielle Fachpläne für Sylt, Föhr, Amrum und die Ostseeküste.

Dass höhere Deiche nur eine Maßnahme sein können, machte Wienholdt mit Verweis auf den Weltklima-Bericht deutlich: Danach wird erwartet, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 auf 28 bis 98 Zentimeter ansteigt. Bei der Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinie der Europäischen Union geht es schon jetzt um die Frage, wo in Zukunft gebaut werden darf. Wienholdt weiter: „Was machen wir mit der zweiten Deichlinie? Wir erhalten sie (zuständig sind die Wasser- und Bodenverbände), denn sie grenzen die Überflutungsräume ab.“ Es gibt laut Wienholdt Berechnungen, in welcher Zeit ein Koog mit Wasser voll gelaufen ist und wie lange es dauert, bis evakuiert sein kann. Die Zeiten, in denen möglichst nah am Wasser gebaut wird, müssen nach seiner Ansicht aus Sicherheitsgründen vorbei sein. „Dies wird gern ignoriert – besonders an der Ostseeküste.“ Per Gesetz, so kündigte der Ministeriums-Fachmann an, sollen die Verbotsbereiche für das Bauen in Küstennähe von 50 auf 100 bis 150 Meter Abstand vorgeschrieben werden. Zudem müssten „Vorbehaltsgebiete für den Küstenschutz“ erweitert und in den Regionalplänen festgelegt werden, erklärte Dietmar Wienholdt. Dies gelte auch für den Binnenbereich – dort würden zum Beispiel Ställe in nicht geeigneten Gebieten errichtet. Denn auch das Binnenland, wo das Wasser nach Starkregen oft nicht mehr abfließen kann, bereitet Probleme und ist laut Wienholdt ein wichtiges Thema und damit die Frage: „Wie bringen wir die Niederungen in die Zukunft?“

Und dann wäre da noch das Watt: Durch größere Priele und die Verlagerung der Außensände wird das Weltnaturerbe kleiner – und es besteht die Gefahr, dass es durch den Klimawandel „ertrinkt“. An einer „Strategie für das Wattenmeer 2100“ wird gearbeitet, erklärte Johannes Oelerich. Danach soll das erste Projekt – ein morphodynamisches Wattenmeer-Modell – in drei Jahren vorliegen.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen