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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Mit Rahmen gut im Geschäft : Neues Leben für alte Stallfenster

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anja Gehrckens aus Goldelund hat sich mit einer ganz eigenen Geschäftsidee selbstständig gemacht: Sie verkauft alte Fensterrahmen.

Für alte Stallfenster hatte Anja Gehrckens aus Goldelund schon immer ein Faible. Besonders die formschönen Sprossenfenster mit den Rund- oder Segmentbögen haben es ihr angetan. Schon vor Jahren verspürte sie unbändige Lust, solche Fenster so aufzubereiten, dass sie richtig schön antik aussehen. Um sie dann zu verkaufen. Und genau das macht die 51-Jährige heute. „Es ist ein Traumjob, von dem ich inzwischen sogar leben kann“, sagt die zierliche Blondine, während sie Spezialhandschuhe überstreift und mit geübtem Schwung eines der bis zu 70 Kilo schweren Fenster auf eine Tonne wuchtet. Der Behälter nimmt praktischerweise gleich die Glassplitter auf, die herabrieseln, wenn sie die Scheiben aus dem Rahmen stößt. Mit Hammer und Schraubenzieher werden dann ganz vorsichtig aus den Ecken und von den Rändern die letzten Kitt- oder Zementreste entfernt. Im letzten Arbeitsschritt kommt die Drahtbürste zum Einsatz. Sie verleiht den Fenstern den gewünschten Shabby-Chic. „Früher habe ich die Rahmen auch lackiert angeboten oder mit Spiegelscheiben versehen, doch am besten laufen sie so“, sagt Anja Gehrckens, die unter dem Namen anjaantik einen ebay-Shop betreibt.

In der großen Scheune lagern bis zu 900 Rahmen: „Mein Traumziel sind 1000“, sagt sie. Doch das wird schwer, denn die restaurierten Relikte sind äußerst begehrt und verlassen ihren Hof genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Viele, viele Kilometer ist die Goldelunderin schon gefahren, um die Fenster aus Ställen zu holen, in denen sie nicht mehr gebraucht werden. Und genauso weite Wege legen die fertigen Schmuckstücke später zurück, denn die Anfragen kommen aus ganz Europa und teilweise sogar weit darüber hinaus.

Spannend sind für Anja Gehrckens immer auch die Geschichten hinter den Fenstern. „Neulich hat sich jemand daraus eine Duschabtrennung fürs Bad gebaut“, erzählt sie und berichtet von teils recht skurrilen Verwendungszwecken: als Geschenk zur Hochzeit oder zum Jubiläum, für den Bau von Gewächshäusern oder Carports, als Ersatz für Bilderrahmen, frei stehend auf einer Gartenmauer oder auch in der Küche. Begehrt sind diese Fenster vor allem bei Architekten und Gartengestaltern. Ein Antiquitätenhändler aus Tokio ist ihr noch gut im Gedächtnis, der eines Tages auftauchte und ein Musterfenster mitnahm. Nicht ohne ihr das Versprechen abzunehmen, solche Fenster an keinen anderen Japaner mehr zu verkaufen – und weitere, große Geschäfte in Aussicht zu stellen.

Von diesem Erfolg hätte die Nordfriesin vor fünfeinhalb Jahren nie zu träumen gewagt. Als sie Anfang 2010 beim Arbeitsamt mit ihrer Geschäftsidee vorstellig wurde, schüttelte man dort ungläubig den Kopf und schickte sie nach Niebüll zu einem Existenzgründerseminar. Wider Erwarten stieß sie beim Kursleiter auf großes Interesse. Mit seiner Empfehlung in der Hand ging sie zum Arbeitsamt und tatsächlich gewährte man ihr einen Existenzgründungszuschuss. „Davon kaufte ich mir die ersten 50 Fenster und legte los“, erzählt Anja Gehrckens, die vom ersten Tag an sehr gut zu tun hatte.

Für die Zukunft hat sie bereits eine ergänzende Geschäftsidee, die sich um alte Zaunelemente aus Eisen dreht. „Wer welche abzugeben hat, darf sich gerne bei mir melden“, sagt sie und will bis dahin jeden Moment genießen, „wenn wieder einmal eines meiner Fenster ein schönes Zuhause bekommt.“ Weitere Info unter anjaantik@yahoo.de.



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