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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Nordstrandischmoor : Nessie bringt den Strom zur Hallig

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein neues 20.000-Volt-Kabel wurde nach Nordstrandischmoor verlegt, das alte am Lorendamm war in die Jahre gekommen. 2,15 Millionen Euro hat das Projekt gekostet.

Wie ein motorisiertes Seeungeheuer mag Nessie den Badenden und Wattwanderern am Deich von Lüttmoorsiel vorgekommen sein: 18 Meter lang, 10 Meter breit, mit Raupenketten unter dem Bauch und einer überdimensionalen Kabeltrommel auf dem Rücken wurde die Maschine in der vergangenen Woche vor der Hallig Nordstrandischmoor im Watt platziert. Mit der Ebbe gesellte sich von einem Schiff kommend ein Bagger zu Nessie und buddelte zu ihren Füßen ein tiefes Loch ins Watt. Wenig später war es schon wieder zu, der Bagger kehrte zum Schiff zurück.

Von Land aus war kaum zu erkennen, was da unten vor sich gegangen war – doch fachkundige Menschen in neonfarbigen Westen gaben bereitwillig Auskunft: „Wir verlegen ein neues 20.000-Volt-Seekabel hinüber zur Hallig“, so die Antwort des Teams auf die neugierigen Fragen der Zuschauer.

Was so simpel klang, war technisch und organisatorisch eine echte Herausforderung: „Es ist das erste Mal, dass die Schleswig-Holstein Netz AG auf diese Weise im Wattenmeer Kabel verlegt“, zeigte sich Projektleiter Karsten Reimer stolz auf das 2,15 Millionen Euro teure Vorhaben. Gegenüber der traditionellen Verlegeweise sei das hier angewandte, raupengesteuerte Verfahren geradezu revolutionär: „Das Besondere daran ist, dass das Seekabel über die Spule der Raupe geladen wird. Wir brauchen also keine zusätzlichen Fahrzeuge mehr, für den Transport und das Abrollen des Kabels.“ So habe man den Eingriff ins Weltnaturerbe Wattenmeer auf ein Minimum reduzieren können. Dazu trugen auch die eingebauten Schwimmkörper bei, die für starken Auftrieb sorgten, sobald Nessie 60 Zentimeter Wasser unter dem Kiel hatte. Doch auch auf dem Trockenen hielt sie sich wacker: „Durch die extrem breiten Antriebsketten fällt ihre Bodenbelastung pro Quadratzentimeter sogar geringer aus, als bei einem durchs Watt spazierenden Erwachsenen“, erklärte Reimer. Und das konnte sogar der Laie sehen: Wo die eigenen Gummistiefel zentimetertiefe Spuren im Watt hinterließen, blieb der Boden unter der Raupe erstaunlich glatt und fest.

Vor dem Transport durch das Watt zur Hallig, war das fast 12.000 Kilo schweren Seekabels im ersten Schritt unter dem Deichfuß hindurch in 1,70 Meter Tiefe auf Kurs gebracht worden: erst ein Stück geradeaus und dann in einem leichten Bogen auf die nördliche Halligseite zu. Dafür mussten lediglich zwei kleine Löcher gebuddelt werden: eines auf der Landseite neben dem Imbiss, das andere im Watt. Dort rüttelte Nessie mit ihrem mächtigen Vibrations-Pflugschwert das Kabel tief in den schlickigen Boden hinein. Mit 1214 PS unter der Haube machte sie sich am Freitagabend gegen 20 Uhr langsam auf den 4,3 Kilometer langen Weg. Und obwohl sie dabei abhängig von Wind, Wetter und Wellengang war, schaffte sie es in der vorgesehenen Zeit. Am Sonntagabend hatte sie ihr Ziel erreicht.

Sehr zur Freude der 23 Halligbewohner: Für sie endet damit eine Zeit der Unsicherheit. Denn eines der beiden Seekabel, mit der die SH Netz die Stromversorgung auf der Hallig bisher sicherte, war in die Jahre gekommen. 1975 unmittelbar am Lorendamm verlegt, hatte es zuletzt zunehmend Verschleißerscheinungen gezeigt. Daher war vor drei Jahren alles Erforderliche in die Wege geleitet worden, um das Kabel zu erneuern und es bei dieser Gelegenheit ein Stück vom Damm entfernt zu platzieren. Der Grund leuchtet ein: Bei Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten steht künftig mehr Platz zur Verfügung, auch können so Schäden am Damm besser vermieden werden.

Das neue Kabel wird auf beiden Seiten an die Ortsnetzstationen angeschlossen. Sie transformieren die Spannung auf jene 400 Volt-Niederspannung, mit der das Hallignetz betrieben wird. Die offizielle Inbetriebnahme ist für Anfang August geplant. Wenn alles reibungslos läuft, wird die alte Leitung in etwa zwei Monaten stillgelegt, bleibt aber an Ort und Stelle.

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