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Husumer Nachrichten

25. September 2016 | 02:17 Uhr

Guitar Heroes Festival : Musik satt, doch das Publikum fehlte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Konzerte des Guitar Heroes Festivals in Joldelund waren diesmal nicht sehr gut besucht, obwohl dort Top-Musiker aufspielten. Die Gigs fanden diesmal in einer fast schon familiären Atmosphäre statt

Für ihn spielen die weltbesten Musiker – und das in seinem Heimatdorf Joldelund. Abermals holte Bäckermeister Gerd Lorenzen das „Guitar Heroes Festival“ in zehnter Auflage in seine Scheune „Gerd`s Juke Joint“. Die Besten der Besten Gitarren-Legenden und Meister in Sachen Musik gaben sich an drei Tagen die Klinke in die Hand. Was diesmal fehlte, war das sonst zahlreich erschienene Publikum – es war ein familiärer Rahmen, um mit den Stars Auge in Auge abzufeiern.

Die ließen sich immer wieder zu Höchstleistungen anfeuern. Immer war der Platz direkt vor der Bühne der begehrteste. Die Stimmungswogen schwappten immer wieder über. Kein Wunder, denn ein musikalischer Höhepunkt inmitten des urigen Ambientes jagte den nächsten. Mit weiblicher Präsenz startete das Event am Freitag. Die 21-jährige Ausnahmegitarristin Yasi Hofer aus Ulm heizte mit ihrer Band ein. Zuweilen meditativ und filigran war ihr Spiel. Mit ihrer souligen Stimme und eigenen Songs zog sie die Zuhörer in den Bann. Eindringlich, virtuos und gefühlvoll spielte sie auch Stücke ihrer Vorbilder Steve Vai und Joe Satriani. Scheinbar selbstverständlich ließ sie noch so verschachtelte Akkorde ineinander verschmelzen. Schon als 14-Jährige stand sie auf der Bühne. Mit 15 begann sie über eine Begabtenprüfung mit dem Musikstudium. Nach drei Semestern hatte sie schon ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston / USA. Mit bekannten Größen, wie Savoy Brown, UFO, Chris Thompson oder Neil Young teilte sie bereits die Bühne.

Ein weiteres junges Talent, der 25-jährige Eric Steckel enterte mit seiner Band temperamentvoll die Bühne. Atemberaubend schnell jagte er von Akkord zu Akkord und ließ sie sauber und mit viel Improvisationskunst erklingen. Übrigens, kein geringerer als John Mayall hatte ihn bereits mit 13 Jahren auf Skandinavien-Tour mitgenommen. Die Musiker der Gruppe „P.P.Tough“ begleiteten die Gäste mit einer Mischung aus Groove und Blues in den frühen Sonnabendmorgen.

Der zweite Abend wurde eingeläutet von Richie Arndt und den Musikern seiner Band „The Bluenatics“. So als hätte er den Blues mit der Muttermilch eingesogen, brachte er ihn rüber. Der „Big City Blues“ ging in die Vollen. Schlagzeuger Frank Boesfleisch trieb ihn druckvoll voran. Bass-Man Jens-Ulrich Handreka zog mit. Er überraschte mit einem beeindruckenden Solo.

Dass Finnen sehr temperamentvoll sein können, bewies der Gitarrist Ben Granfelt mit harter Rock-Gangart. Er bestach durch weiträumige Improvisationen und seine markante Stimme. Mit seiner Band bildete er eine stimmige Einheit. Schon bei den legendären „Leningrad Cowboys“ und bei „Wishbone Ash“ hatte er für Akzente gesorgt. Die finnische Blues-Gitarristin Erja Lyytinnen sorgte schließlich mit ihren Band für den fulminanten Abschluss. Ständig suchte die Powerfrau den direkten Kontakt zum Publikum. Bei den balladenartigen oder rasanten Improvisationen, wie beispielsweise „Hand in Hand“ von ihrem Vorbild Elmore James, holte sie alles heraus, was nur ging. „Ihr seid ein tolles Publikum“, rief die eindeutig als „Gitarristin der Herzen“ durchgehende Meisterin ihren Zuhörern zu. Überraschend holte sie Landsmann Granfelt noch einmal auf die Bühne. Andächtig und staunend lauschte mancher der gemeinsamen Improvisationskunst. Gitarren und Musiker schienen zu verschmelzen. . „Das war der Hammer. Das müssen Gitarren-Götter sein“, kommentierte Jan Dethlefsen aus Flensburg. „Das ist verrückt, dass solche Weltstars nach Joldelund kommen.“

Der zweite Tag hatte bereits nachmittags begonnen. Die Akteure des Flensburger Musiker-Stammtisches hatten drei Nachwuchsbands organisiert, dabei „Flatlander`s Bluesexperience“, „Karmakarakter“ und „Fallin Gravity“. Mit akkustischen Blues-Klängen und einem eindrucksvollen Reisebericht mit Fotos von seiner Tour durch die USA auf den Spuren der Musik beendete Richie Arndt gestern das Festival-Spektakel.

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