zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

28. August 2016 | 18:36 Uhr

Aalkreih live im Husumer Speicher : „Musik naa unse Dünken“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Mitglieder von Aalkreih haben bislang vor allem in Punk- und Hardcorebands gespielt. Gemeinsam machen sie Folk-Rock mit plattdeutschen Texten – am Sonnabend, 20. Februar, live im Husumer Speicher.

Nach der ersten Probe wollte Gerri Christiansen am liebsten gleich alles wieder hinwerfen. „Wir konnten einfach überhaupt nicht diese Art von Musik machen“, sagt er. Fast alle der fünf Bandmitglieder waren bis dahin musikalisch jahrelang eher in der lauteren Ecke zu Hause, hatten vor allem in Punk- und Hardcorebands – aber auch in Bluesrock- und Metalbands gespielt. Jetzt sollte es unter dem Namen Aalkreih aber mehr in Richtung Folk und Country gehen – und das mit plattdeutschen Texten.

„Als wir die Idee für die Band hatten, habe ich voreilig gesagt, dass ich singen würde“, erzählt Christiansen. Allerdings unter der Bedingung, dass es dann nordfriesisches Platt ist – der Muttersprache des Musikers. In Bohmstedt aufgewachsen, lernte er erst in der Grundschule, richtig Hochdeutsch zu sprechen. Seine vorherigen Versuche, Lieder in dieser Sprache in anderen Bands unterzubringen, waren oft gescheitert. Dabei hat er mit seiner Familie und alten Freunden aus der Heimat schon immer nur Platt gesprochen, erzählt er.

„Die Sprache passt perfekt zu dieser Art Musik“, sagt er über Aalkreih – was übrigens das plattdeutsche Wort für Kormoran ist. „Vor allem das Trockene und die Sprachmelodie.“ Was auf Deutsch schnell pathetisch oder schmalzig klingen könnte, funktioniere so einwandfrei. Und so heißt es „Und ik glööf, du weetst dat schon, ik kann nix mehr för di doon“ anstatt: „Und ich glaube, du weißt das schon, ich kann nichts mehr für dich tun“. „Die Sprache ist tatsächlich sehr bildhaft“, sagt auch Cnud „Cuddel“ Jensen, der Lap-Steel- und Resonator-Gitarre bei Aalkreih spielt. „Ich glaube nicht, dass ich mitgemacht hätte, wenn die Texte nicht auf Plattdeutsch gewesen wären.“

Mit dem Singen selbst will es auf Anhieb allerdings noch nicht so wirklich klappen. „Das klang wie Katzenmusik, was wir da gemacht haben“, sagt Gerri Christiansen rückblickend auf die erste Bandprobe. Als Sänger der Hardcore-Band Hallo Kwitten, bei der auch Peter Carstens von Turbostaat trommelt, ist es Christiansen bis dahin eher gewohnt, zu schreien – und weniger zu singen. Auch Jörg „Schorsch“ Otto schafft es kaum, so leise zu spielen, dass neben seinem Schlagzeug auch noch die anderen Instrumente zu hören sind. Um Abhilfe zu schaffen, ersetzt er seine Sticks durch Geschirrspül-Bürsten, die anderen Bandmitglieder tauschen ihre Instrumente durch, um auszuprobieren, was am besten funktioniert – und Gerri Christiansen bekommt von seiner Freundin einen Gutschein für Gesangsunterricht geschenkt.

Es vergehen einige Monate bis zur nächsten Bandprobe. Doch die fünf Musiker wollen ihr Projekt nicht so einfach aufgeben. „Ich habe damals gesagt, wenn ein anderer singen will, ist das auch okay“, erzählt Christiansen. „Ich hätte auch ausschließlich Gitarre gespielt.“ Doch letztlich bleibt er es, der die Texte für Aalkreih schreibt – und singt. Persönliche und melancholische Lieder, die auch problemlos zu Punkbands gepasst hätten. Dazu kommen Cover des Hot Water Music-Songs „Trusty Chords“ (mit einem neuen Text aus Christiansens Feder) oder von Turbostaats „Am Ende einer Reise“ – bei Aalkreih „Ant Ende vun son Reise“.

Im Frühjahr 2013 spielen sie dann ihr erstes Konzert, als Vorgruppe der US-Amerikaner von Arliss Nancy. Ein Großteil der Zuschauer will allerdings viel lieber sehen, wie die ruhigen Töne der Punks von Aalkreih klingen. „Vor Konzerten bin ich immer aufgeregt. Aber da hatte ich echt die Hosen voll“, sagt Christiansen. Doch das Konzert wird ein Erfolg. Gunner Records, das Label von Arliss Nancy, nimmt auch Aalkreih unter Vertrag, und veröffentlicht schon im selben Jahr die ersten fünf Titel auf der Demo-EP „Eensom.“

Von da an geht es bergauf. Die EP verkauft sich besser, als alle bisherigen Platten der Bandmitglieder. Sie geben Interviews, spielen im Radio, bekommen Konzertanfragen aus allen Teilen der Republik und bringen im September 2015 ihre erste Langspielplatte „Wat Schasst Mooken“ raus. Und auch die Konzerte werden abwechslungsreicher. Auftritte in dunklen Punk-Clubs stehen zwar weiterhin auf dem Programm, doch jetzt gibt es auch Konzerte bei der NDR Welle Nord, bei plattdeutschen Nachmittagen oder beim Neujahrsempfang des Amtes Eggebek. „Da merkt man erst mal, wie viele unterschiedliche Leute unsere Musik gut finden“, freut sich Christiansen. Und so viel sich durch die neue Band auch geändert hat – bei Aalkreih selbst bleibt eines unverändert, verspricht er: die Sprache. „Hochdeutsch zu singen finde ich echt unangenehm.“

Am Sonnabend, 20. Februar, spielen Aalkreih im Husumer Speicher, Hafenstraße 17. Im Vorprogramm steht Knipp Gumbo (ehemals Mimmis) mit plattdeutschem Rockabilly auf der Bühne. Einlass ist ab 20.30 Uhr.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Feb.2016 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert