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Husumer Nachrichten

27. Juli 2016 | 23:05 Uhr

Ostenfeld in Nordfriesland : Mitten im Dorf: Schimmel Shakespeare wurde kaltblütig erschossen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Pferdefreunde und Dorfbewohner sind geschockt: Das Pony wurde brutal getötet. Die Polizei ermittelt.

Ostenfeld | Shakespeare war gesund, ein wenig übergewichtig, denn er war leicht verfressen, liebte das Winterheu, war sehr zutraulich und fühlte sich auf seiner Koppel mit zwei weiteren vierbeinigen Kumpeln in Ostenfeld (Kreis Nordfriesland) sichtlich wohl. Verpächter Klaus-Jens Grage warf immer mal wieder ein Auge auf die Pferde, denn schließlich hielten sie sich hinter seinem Haus auf einer eingezäunten Koppel auf. Doch am Morgen des 3. Januar änderte sich schlagartig alles.

Wie jeden Tag warf Grage einen Blick auf die Weide hinter seinem Reetdachhaus und sah Shakespeare am Boden liegen. „Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt er, „doch als ein paar Minuten später das Pferd immer noch vollkommen ruhig lag, da habe ich genau hingeschaut, das Pferd war tot.“

Sofort verständigte der Verpächter die Ostenfelderin Karina Ruhkieck, die gerade in Süddeutschland war. „Ganz schnell sind wir nach Hause gefahren, denn schließlich war Shakespeare ja quasi ein Familienmitglied.“ Das 16-jährige Deutsche Reitpony wurde sowohl von ihr als auch ihrer zwölfjährigen Tochter geritten. „Wir hatten die Vermutung, dass das Pferd vielleicht einer Kolik erlegen war.“

Um sicherzugehen, auch um Gewissheit zu haben, nichts Falsches gefüttert zu haben, gab die Ostenfelderin eine Sektion des Tieres in Auftrag. Das Ergebnis erschütterte sie und die ganze Familie: Shakespeare war erschossen worden. Mitten im Dorf Ostenfeld war nachts ein Pony brutal getötet worden. Nicht zufällig, sondern ganz bewusst. Die Waffe wurde auf den Mähnenkamm aufgesetzt, sodass das Einschussloch eigentlich kaum zu sehen war. Ein Kleinkalibergeschoss, so das Ergebnis der Untersuchung, hatte durch den Mähnenkamm das Hirn des Tieres zerfetzt. Shakespeare war vermutlich auf der Stelle tot.

Niemand im Ostenfelder Osterende hat zwischen Mitternacht und Morgen am 3. Januar einen Schuss gehört. Das erklärt Klaus Grage damit, dass eine aufgesetzte Waffe kaum knallt.

Karina Ruhkieck ist am Boden zerstört, schließlich war Shakespeare ein Fohlen ihrer Stute, sie hat ihn quasi mit großgezogen. „Wer macht nur so etwas?“ Fragt sie sich, grübelt über das Motiv nach und muss ihre Tochter immer wieder trösten. „Für uns ist Shakespeare viel mehr als einfach nur ein Reittier gewesen, er war auch ein richtiger Freund.“

Erst am vergangenen Donnerstag erhielt die Ostenfelderin vom Tierarzt den Untersuchungsbericht. Vom Inhalt geschockt ging sie am nächsten Tag zur Polizei in Husum und erstattete Anzeige. Allerdings gibt es noch keine heiße Spuren, die zum Täter führen. Jedoch teilte die Behörde am Montag auf Anfrage mit, dass der detaillierte Untersuchungsbericht ihr noch nicht vorliegt. Und selbstverständlich werde der Sache nachgegangen.

Wer erschießt nachts in Ostenfeld ein Pferd? Das fragen sich alle Freunde und Bekannten von Karina Ruhkieck. Ihre beste Freundin, selbst Reiterin, ist ebenfalls geschockt. „Wir Pferdebesitzer können das gar nicht fassen. Man hört ja immer wieder etwas von Pferderippern, aber so etwas bei uns in Ostenfeld?“

Karina Ruhkieck und Klaus Grage sind sich sicher, dass es eine ganz gezielte Aktion gewesen sein muss. „Hier, wo ich wohne, ist es abends stockdunkel. Zudem befindet sich die Koppel hinter meinem Haus. Da muss man Ortskenntnisse haben. Der oder die Täter müssen in der Dunkelheit auf die Weide gegangen sein, um das Tier zu töten.“

Ob es ein gezielter Anschlag auf Shakespeare war, steht nicht fest. Das Pony mit einem Stockmaß von 1,45 Meter, war ein Schimmel und daher natürlich in der Dunkelheit wesentlich besser zu sehen, als seine beiden brauen Weidekumpel. Und die sind seit der heimtückischen Tat ein wenig verstört, berichtet Garge. Seither würden die Tiere nicht mehr sofort kommen, wenn er sich am Zaun zeige.

Wer in der Nacht zum 3. Januar im Ostenfelder Osterende etwas Verdächtiges gesehen oder gehört hat, sollte sich mit der Polizei in Husum unter Telefon 04841/8300 in Verbindung setzen. Klaus Grage ist überzeugt, dass der Täter vermutlich kein Gewehr, sondern eine Kleinkaliberpistole benutzt hat. Vermutlich hat er geschossen, als das Tier den Kopf nach unten hielt.

 

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erstellt am 19.Jan.2016 | 06:30 Uhr

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