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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Neues ÖPNV-Konzept : Mit Rufbussen in den letzten Winkel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreis Nordfriesland trifft Vorbereitungen für den Öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft. Angedacht ist ein System mit Rufbussen. Das könnte Mehrkosten in Millionenhöhe verursachen.

Der Kreis Nordfriesland feilt weiter am Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Zukunft. Ziel sind spürbare Angebotsverbesserungen in der Fläche. Allerdings dürften damit nach jetzigem Stand auch deutliche Mehrkosten in Millionenhöhe verbunden sein. Wichtige Weichen dafür stellten die Mitglieder dreier Kreis-Ausschüsse in einer gemeinsamen, nicht-öffentlichen Sitzung im Husumer Kreishaus. Hintergrund sind die anstehenden Ausschreibungen für nordfriesische ÖPNV-Teilnetze, die im Sommer 2018 bzw. 2019 neu vergeben werden sollen.

Das jetzt anvisierte Modell sattelt nach Informationen unserer Zeitung auf dem „Integrierten Mobilitätskonzept“ auf, das der Bund für den Kreis Nordfriesland finanziert hatte. Grob skizziert, sieht das künftige ÖPNV-Modell drei Netz-Ebenen vor: Das Kernnetz bilden die überregionalen Anbindungen der zentralen Orte via Bahn und Schnellbus zwischen Niebüll und Flensburg (Ebene 1) sowie der Versorgungszentren auf Basis der heutigen Regionalbus-Linien und des Schnellbusses zwischen Husum und Flensburg (Ebene 2).

Den Clou des neuen Systems, dessen Rückgrat nach wie vor der Linienverkehr in der Schülerbeförderung bildet, ist auf der dritten Netzebene ein Rufbus-System für die peripheren Orte im Kreisgebiet, die keine direkte Anbindung an das Kernnetz haben. Dazu hat der vom Kreis beauftragte Gutachter, Christian Reuter von der PTV Transport Consult, Nordfriesland in Rufbus-Bedienungsgebiete für verschiedene vorgeschlagene ländliche Kooperationsräume unterteilt. Dieses Modell orientiert sich am erfolgreichen ÖPNV-Angebotskonzept im Altmarkkreis Salzwedel im Nordwesten von Sachsen-Anhalt, das die PTV-Group ebenfalls erarbeitet hatte.

Nachdem verschiedene – unterschiedlich teure Modelle – durchgespielt worden waren, favorisiert die Kreispolitik für die anstehende Ausschreibung der Festlands-Netze Nord, Mitte und Süd von der deutsch-dänischen Grenze bis nach Eiderstedt folgende Eckpunkte für die Neustrukturierung des ÖPNV: Ins Auge gefasst ist ein für Nutzer attraktiver Angebots-Zeitraum werktags von 5 bis 21 Uhr sowie an Wochenenden und feiertags von 8 bis 21 Uhr für alle Netz-Ebenen. Auf der ersten wird mit den Bahnlinien, die nicht in die Zuständigkeit des Kreises fallen, für die Zukunft von einem Ein-Stundentakt ausgegangen, auf der zweiten von einem Zwei-Stundentakt. Soweit es keine anderen Angebote gibt, soll die Fläche in der dritten Netzebene künftig über die Rufbusse erschlossen werden, so dass sich im Schnitt ebenfalls ein Zwei-Stundentakt ergibt.

Zwar wird an Details noch gefeilt, dennoch geht die Kreisverwaltung intern davon aus, dass das ÖPNV-Angebot durch die Einführung des Rufbus-Systems „deutlich aufgewertet wird und damit auch höhere Zuschüsse des Kreises verbunden sind“. Zurzeit wendet der Kreis Nordfriesland insgesamt knapp sieben Millionen Euro jährlich für den Öffentlichen Personennahverkehr auf. Dem stehen lediglich Erträge in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro gegenüber, die sich im Wesentlichen aus ÖPNV-Kommunalisierungsmitteln des Landes speisen. Unbestätigten Informationen zufolge könnte die ÖPNV-Neuplanung zusätzliche Kosten von zwei Millionen Euro verursachen.

Unbeantwortet ist die Frage, ob der Kreis diese Summe angesichts zusätzlicher Steuereinnahmen allein schultern könnte oder aber die Gemeinden um Mithilfe gebeten werden. Diese sind – im Zuge des Verzichts auf eine erneute Elternbeteiligung – via Kreisumlage ohnehin schon an den Kosten der Schülerbeförderung beteiligt.

Vom Kreis selbst sind zurzeit keine Informationen zur anstehenden Ausschreibung von ÖPNV-Leistungen ab 2018 zu erhalten. Bestätigt wird lediglich, dass der Finanz- und Bauausschuss, der Wirtschaftsausschuss und der Hauptausschuss in der besagten gemeinsamen Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen Empfehlungsbeschluss für den Kreistag gefasst haben. Dieser werde die Eckpunkte der Ausschreibung festlegen, wie die Netzebenen, die Bedienungshäufigkeit und die Art der Verkehrsmittel. Da der Auftrag EU-weit auszuschreiben ist, dürften vor der offiziellen Bekanntmachung „keine Details an die Öffentlichkeit gelangen“, hieß es gestern auf Anfrage.

Unterdessen fordern die politischen Gremien des Kreises in einer einstimmig verabschiedeten Resolution, dass sich das Land Schleswig-Holstein an der Finanzierung eines landesweiten Bus-Grundnetzes beteiligt und die Arbeit der Aufgabenträger im ÖPNV unterstützt. Dafür soll das Land – jährlich dynamisiert – zusätzliche Regionalisierungsmittel ausgeben, die es vom Bund erhält. Der Kreis geht davon aus, dass dem Land nach der Neuordnung der Mittelverteilung auf Bundesebene jährlich durchschnittlich 30 Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen werden.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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