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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 04:15 Uhr

30 Jahre Nationalpark : Mit Minister auf Ochsentour im Watt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum 30-jährigen Bestehen des Nationalparks ging Umweltminister Robert Habeck mit Gefolge im nordfriesischen Wattenmeer auf große Wanderschaft.

„Das ist nichts für Warmduscher“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck anerkennend und blickt über die vor ihm liegende Schlickwüste. Rund 30 Journalisten, Umwelt- und Küstenschützer haben sich zum 30-jährigen Bestehen des Nationalparks Wattenmeer eine große Wanderung durch die sandgraue Küsten-Wildnis vorgenommen. Über 16 Stunden geht es erst von Dagebüll auf die Hallig Langeneß. Dann mit dem Schiff nach Amrum, hier mit dem Fahrrad über die Insel und schließlich wieder zu Fuß durch das Watt bis nach Föhr, von wo die Wanderer erst kurz vor Mitternacht wieder mit der Fähre nach Dagebüll geschifft werden. Eine solche Ochsentour ist nicht alltäglich: „Diese große Runde geht man maximal ein, zwei Mal im Jahr“, sagt Wattführerin Anne Segebade. „Die Gezeiten lassen das bei Tageslicht nur im Sommer zu.“

Die durch den Puls von Ebbe und Flut geprägte Landschaft ist mit einer Fläche von 4400 Quadratkilometern der größte Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien. Vor 30 Jahren – am 22. Juli 1985 – stimmten die Abgeordneten des Landtages für den Status als Nationalpark und setzten sich damit auch gegen Widerstand von der Westküste durch. „Das Vorhaben galt dort bei vielen als wirtschaftsfeindlich“, erinnert sich der heutige Leiter der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen. Heute hat sich das geschützte Gebiet, das erst vor rund 8000 Jahren aus dem Meer wuchs, zu einem Touristenmagneten und Wirtschaftsmotor entwickelt: Der begehbare Meeresgrund lockt jährlich mehr als zwei Millionen Besucher und etwa 16 Millionen Tagesgäste an.

In erster Linie dient der Nationalpark aber immer noch dem Naturschutz. Als einfacher Wattwanderer könnte man allerdings annehmen, dass der Nationalpark eigens zum Schutz der gleichnamigen Würmer errichtet wurde. Unzählige gehäufte Sandwirbel bedecken den Wattboden und weisen die Schlicklandschaft als Herrschaftsgebiet des Wattwurms aus. Etwa zehn Milliarden Exemplare der scheuen Tiere soll es im Nationalpark geben, schätzen Experten. Daneben ist der Naturraum die Heimat von Kegelrobben und Seehunden.

Insbesondere sind es aber Vögel, die das reichliche Nahrungsangebot mit Algen, Muscheln und Wattwürmern anzieht. Millionen Zugvögel nutzen den Nationalpark regelmäßig als sicheren Hafen, um sich auf ihrem Weg in ihre afrikanischen Winterquartiere zu stärken. So auch der Knutt, dessen gesamter Bestand alljährlich auf Durchreise im Wattenmeer ist. Durch die gefiederten Vielflieger bekommt der Naturschutz im Nationalpark eine globale Perspektive: „Die Vögel verbinden weltweit die Ökosysteme und müssen daher auf der ganzen Vogelfluglinie geschützt werden“, weiß Martin Stock von der Nationalparkverwaltung. In der Region leben etwa 3200 Tierarten.

Unter Natur- und Küstenschützern gilt der Nationalpark als Erfolgsprojekt – doch die Idylle ist bedroht. Warum, das erklärt der Leiter des Landesbetriebs für Küstenschutz und Nationalpark, Johannes Oelerich, den Wattwanderern auf Amrum: „Wenn wir ein Szenario betrachten, in dem der Mensch weitermacht wie bisher, dann wird es bis zum Jahr 2100 eine Klimaerwärmung von vier Grad Celsius geben.“ Der Klimawandel könnte dann dafür sorgen, dass 75 Prozent des Wattenmeeres für immer in den Fluten versinken.

Um den Nationalpark vor dem Ertrinken zu retten, soll das Wattenmeer mit Sandvorspülungen wachsen. Dazu hat die Küstenkoalition bereits ein Maßnahmenpaket mit den Titel „Strategie Wattenmeer 2100“ abgesegnet. „Das Wattenmeer ist ein Energiepuffer vor der Küstenlinie und sorgt damit auch für natürlichen Küstenschutz“, sagt Umweltminister Robert Habeck. Mit dem Eingriff möchte man nicht nur ein von Menschen geschaffenes Problem reparieren, sondern auch Geld für harte Küstenschutzanlagen sparen.

Als die etwa 30 Wattwanderer am Abend die Insel Föhr erreichen, beginnt sich das Watt bereits wieder mit Wasser zu füllen. Während ihre Fußspuren langsam im Meer verschwinden und das Gefühl in die Zehen zurückkehrt, bleibt die Erkenntnis, dass das Watt wirklich ein wilder Lebensraum ist. Nichts für Warmduscher eben.  

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erstellt am 18.Jul.2015 | 16:00 Uhr

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