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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 04:17 Uhr

Modellbahnzauber Friedrichstadt : Miniaturland auf 300 Quadratmetern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit zehn Jahren gibt es den Modellbahnzauber. Auf einem Kilometer Strecke sind zeitgleich bis zu 20 Züge unterwegs.

„Sicher hat uns so mancher für verrückt erklärt, als wir vor zehn Jahren mit unserer Modellbahn-Anlage an den Start gegangen sind“, räumt Sönke Röckendorf ein, der schon als Kind vom Modellbau fasziniert war. Früh wusste er, dass es eines Tages mehr als nur ein Hobby sein würde. Im Moment ist es ein Mittelding: In der Woche geht für ihn die Arbeit im eigenen Malereibetrieb vor. Doch am Wochenende verbringt er jede freie Minute im „Modellbahnzauber“, kurz „Mobazaz“, in Friedrichstadt.

Schleswig-Holsteins größte Schauanlage für große und kleine Lokführer ist in der Saison täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet, ab November nur noch am Wochenende. Doch auch in der Winterpause ist die Halle nicht verwaist: Ab Januar stehen umfangreiche Wartungsarbeiten und die große Grundreinigung an, so dass im April alles wieder glänzt. „Ich bin schon jeden Tag im Zauber“, sagt Ehefrau Sybille. Morgens backt sie Kuchen für das Café, dann geht es für eine Weile ins Büro der Malerei und ab 11 Uhr kümmert sie sich um die Gäste.

Eröffnet wurde die Touristenattraktion im April 2006. Nach den Ideen von Röckendorf und von Fachleuten konzipiert, nehmen die von Bahnhöfen, Schienen und Straßen durchzogenen Landschaften etwa ein Drittel der 300 Quadratmeter großen Halle ein. „Alles selber zu bauen, das war in der kurzen Zeit, die wir uns gesetzt hatten, nicht möglich“, erinnert sich der Betreiber. Wohl aber stellte er alle Gebäude selbst her. Mit Lupe, Pinzette, Fingerspitzengefühl und viel Hingabe feilten Sönke und Sybille Röckendorf lange an den oft winzig-kleinen Details.

Diese Leidenschaft ist auch nach zehn Jahren ungebrochen. Nach wie vor opfern sie jede freie Minute, um neue Szenen zu kreieren. „Ich möchte auf keinen Fall nachahmen, was andere Anlagen haben, sondern eigene Ideen verwirklichen“, sagt der Tüftler, der aus einer Silvesternacht in Berlin die Idee für eine Lasershow mitbrachte. Das gehört nun ebenso zum Programm wie Gewitter und ein Feuerwerk. Für diese Wow-Effekte wird es in der Halle in regelmäßigen Abständen Nacht. Freimütig gibt Röckendorf zu, dass er auch bei diesen technischen Raffinessen auf die Hilfe von Spezialisten aus seinem Netzwerk zurückgriff. „Ich bin der typische Anwender“, sagt er – froh darüber, dass seitdem alles gut funktioniert. Wo ein PC-Absturz früher eine Riesenkatastrophe war, ist das System heute doppelt gesichert: Während der instabile Systemteil hochfährt, lässt der andere die Züge weiter fahren. So merkt der Besucher kaum etwas von den (seltenen) technischen Pannen.

Das ausgeklügelte Steuersystem bedient ein fest angestellter Techniker. Unter seinen wachsamen Augen schickt der Computer abwechselnd 15 bis 20 Züge auf die gut einen Kilometer lange Strecke. Der Rest der insgesamt 84 Bahnen wartet derweil in einem der vielen Schattenbahnhöfe unterhalb der Anlage. „Dieses Konzept hat sich bewährt, der Verschleiß bei den Zügen liegt mittlerweile bei Null“, freut sich Röckendorf, der an den Wochenenden gerne selbst den Fahrdienst übernimmt und die Fragen der Besucher beantwortet. Er hofft, eines Tages 100 Züge im Einsatz zu haben. „Ich fahre in der Jetztzeit“, sagt er. Heißt, dass hauptsächlich aktuelle Zugmodelle in Betrieb sind: „Vor allem Kinder halten immer zuerst nach den modernen ICE-Zügen Ausschau. Ihre Großväter hingegen freuen sich, wenn auch mal ältere Modelle als Museumsbahn oder Nostalgiezug unterwegs sind“, so seine Erfahrung.

Die Stammgäste merken sofort, wenn an der Anlage etwas verändert oder erneuert wurde, und auch die Augen des Chefs fangen an zu leuchten, wenn eine neue Lok zum ersten Mal auf Reisen geht – oder Waggons mit besonderem Design, wie etwa der mit dem Graffiti „Sönke & Sybille“ oder dem gemeinsamem Motto „Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum“.

Für die Zukunft haben sie konkrete Pläne: Wenn das Bistro nach draußen in den Bahnwaggon verlegt wird, soll in der Halle ein neues Modul für Überraschungen sorgen. Und sobald Sohn Marten soweit ist, die Malerei zu übernehmen, will sich Sönke Röckendorf nur noch seinem „Zauber“ widmen. „Das war von Anfang so geplant: Ich wollte neben der Firma ein zweites Standbein schaffen und zugleich fürs Alter vorsorgen“, sagt er. Der Erfolg gibt ihm Recht: Von Ostern bis Oktober ist die Modellbahnanlage fest in der Hand der Besucher aus Nah und Fern, die oft stundenlang in der Halle verweilen und sich scheinbar kaum sattsehen können.

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