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Husumer Nachrichten

29. Mai 2016 | 21:11 Uhr

Warft-Verstärkung : Millionen-Programm für die Halligen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Damit die nordfriesischen Halligen auch bei steigendem Meeresspiegel bewohnbar bleiben, sollen 32 Warften verstärkt werden. Die Landesregierung veranschlagt dafür eine Summe von bis zu 30 Millionen Euro.

Als der Sturm gestern über die Nordsee und das Wattenmeer fegte, kam die gute Nachricht aus Kiel: Angesichts des fortschreitenden Klimawandels will die Landesregierung Nordfrieslands Halligen nachhaltig sichern, damit diese auch bei steigendem Meeresspiegel noch bewohnbar bleiben. Dafür hat sie ein Programm zur Verstärkung und Entwicklung der Warften beschlossen. Auch auf den ständig bewohnten Halligen Langeneß, Oland, Hooge, Gröde und Nordstrandischmoor wurde die Ankündigung des Landes gestern durchweg positiv aufgenommen.

„Die Halliglandschaft ist weltweit einmalig und unersetzbarer Teil des schleswig-holsteinischen Kulturerbes. Ohne Besiedlung droht sie verloren zu gehen“, erklärte Robert Habeck anlässlich der Kabinetts-Entscheidung. „Die Menschen auf den Halligen brauchen bei Sturmfluten Sicherheit. Deshalb müssen wir die Warften verstärken“, so der Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Für die Verstärkung von 32 bewohnten Warften rechnet das Land nach eigenen Angaben mit jährlichen Kosten von etwa einer Million Euro. Insgesamt dürften sich die Kosten auf 25 bis 30 Millionen Euro belaufen. Die Mittel sollen aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz bestritten werden, wo der Bund 70 und das Land 30 Prozent finanziert.

„Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Landesregierung“, erklärte Matthias Piepgras auf Anfrage. Der Hooger Bürgermeister und Vorsitzende der Biosphäre Halligen verwies dabei auf die jahrelange gute Zusammenarbeit in der vom Land initiierten Arbeitsgemeinschaft Halligen 2050. Diese habe viele Perspektiven aufgezeigt – „klar ist aber auch, dass es ohne ein neues Aufwarftungsprogramm nicht gehen wird“. Dass nun die Erkenntnisse der Halligbewohner mit einbezogen werden, sei „richtig klasse“.

Auch Manfred Uekermann, Vorsitzender der Insel- und Halligkonferenz, begrüßte die Entscheidung als „uneingeschränkt positiv“. Er lobte ebenfalls die gute Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Landes. „Wir freuen uns darüber, dass die Halligen im Fokus stehen.“

Für einzelne Warften gibt es schon konkrete Überlegungen der Halliggemeinden für eine Anpassung und Erweiterung des Gebäudebestandes. Diese Projekte sollen laut Habeck vordringlich umgesetzt werden. Die Warften und ihre Gebäude sollen in erster Linie für die dauerhaft auf den Halligen lebende Bevölkerung gesichert werden. „Das Land stellt sich seiner Verantwortung“, betonte der Minister.

Für die Bewohner der Halligen sollen gleichzeitig Entwicklungsperspektiven eröffnet werden, so dass dem Bevölkerungsschwund auf den Halligen entgegengewirkt wird. Dazu gehört auch, bauplanungsrechtliche Instrumente zu entwickeln, damit Gebäude auf den Halligen nicht nur noch als Zweit- und Ferienwohnsitze genutzt werden. Ein Trend zur Veräußerung von Gebäuden ist auf einzelnen Halligen bereits festzustellen. Um dem zu begegnen, sollen die Halliggemeinden gemeinsam mit dem Kreis Nordfriesland als unterer Bauaufsicht sowie mit Unterstützung des Landes Pilotprojekte starten, die den Küstenschutz und die Ortsentwicklung einbeziehen.

„Der Klimawandel und seine Folgen stellen uns vor große Herausforderungen. Mit dem Warftverstärkungs- und Entwicklungsprogramm und der Strategie Wattenmeer 2100 verfügt Schleswig-Holstein über ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept zur Klimaanpassung in diesem ökologisch sensiblen Raum“, betonte Minister Habeck gestern in Kiel.

Das Warftverstärkungs- und Entwicklungsprogramm für die Halligen knüpft an die am 30. Juni 2015 vom Kabinett verabschiedete Strategie für das Wattenmeer 2100 an. Ergänzend dazu ist das Warftverstärkungsprogramm konkret auf den Erhalt und die Entwicklung der Halligen als Siedlungs- und Wirtschaftsraum ausgerichtet.

Die exponierte Lage im Wattenmeer ohne ausreichenden Deichschutz führt dazu, dass die Halligbevölkerung den Sturmfluten in besonderer Weise ausgesetzt ist. Beim Orkantief Xaver im Dezember 2013 stand auf mehreren Warften das Wasser kurz vor den Häusern. Die vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Husum vorgenommene Sicherheitsüberprüfung der Halligwarften hat ergeben, dass bereits bei den heutigen Sturmflut-Bedingungen für die meisten untersuchten Warften Defizite im Hochwasserschutz bestehen. Bei stärker steigendem Meeresspiegel werde das Gefahrenpotenzial durch Sturmfluten weiter zunehmen und die Sicherheit der Halligbevölkerung abnehmen.

Die Ergebnisse der Sicherheitsüberprüfung decken sich in hohem Maße mit den Erkenntnissen der Halligbewohner. Da die Halligen bei Sturmfluten im schlimmsten Fall nicht evakuiert werden können, setzt die Landesregierung auf eine „nachhaltige Verstärkung der Warftkörper als zentrale Voraussetzung für ein sicheres Wohnen und Wirtschaften auf den Halligen“. Und: „Die nachfolgende Anpassung des Gebäudebestandes ist Bedingung für Förderung der Warftverstärkungen“, heißt es dazu.

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erstellt am 03.Feb.2016 | 07:30 Uhr

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