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Husumer Nachrichten

26. Februar 2017 | 04:46 Uhr

Höchstspannungstrasse : Mehrheit wünscht sich Erdkabel

vom

Bürgerdialog in Friedrichstadt. Extra-Veranstaltung zum Thema Hochspannung-Gleichstrom-Übertragung geplant.

Friedrichstadt | Nach den vorangegangenen Bürgerdialogabenden zum Thema Höchstspannungstrasse an der Westküste, hätte eigentlich klar sein müssen, dass auch zur Friedrichstädter Veranstaltung im Hotel Aquarium viele Interessenten kommen werden. Doch noch zehn Minuten nach Beginn durch Moderator Dr. Peter Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe, wurden Stühle in den Saal hineingetragen und jeder freie Raum genutzt, während gleichzeitig Fragen gesammelt wurden, um sie dann im Block zu beantworten.

Nach fast dreistündiger Diskussion ein für alle Teilnehmer doch etwas überraschendes Ergebnis. Denn obwohl sich die Landesregierung nach Überzeugung der rund 170 Teilnehmer vehement gegen Erdkabel ausspricht, soll es nun so schnell wie möglich genau zu diesem Thema eine Sonderveranstaltung geben. Der Vertreter des Kieler Ministeriums für Energiewende, Tobias Goldschmidt, blieb mehrfach, wie auch die Vertreter des niederländischen Staatsunternehmens Tennet, die Antwort darauf schuldig, ob es ein unabhängiges Gutachten zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) gibt. Denn genau diese Form, im Prinzip ein einfaches Erdkabel, wünschten sich die Besucher der Veranstaltung. Deutlich wurde mehrfach formuliert. "Wir wollen keine der Trassen, wir wollen keine Technik des vergangenen Jahrhunderts, wir wollen eine zukunftsweisende Technik." Und an den Ministeriumsvertreter gewandt hieß es unter anderem: "Sie wollen Dampflokomotiven einsetzen, obwohl es längst den ICE gibt."

Da sich die Diskussion nach kurzer Zeit weniger um die eigentlichen Trassenvorschläge, sondern fast ausschließlich um die Möglichkeit von Erdkabeln drehte, wurde schließlich vereinbart, dass so schnell wie möglich eine Infoveranstaltung dazu stattfinden soll. Daran sollen unter anderem ein HGÜ-Experte der Universität Hannover und Vertreter der Kieler Fachhochschule teilnehmen, die diese Technik befürworten und für machbar halten.

Goldschmidt und die Tennet-Vertreter versuchten dennoch mehrfach zu erklären, dass die HGÜ-Technik nur zum Einsatz kommen könne, wenn es darum gehe, Strom von A nach B zu transportieren. Die Westküstentrasse hingegen solle den durch die verschiedenen Windparks produzierten Strom aufsammeln. Dafür sei HGÜ nicht geeignet. Und wenn, dann müssten nach Angaben von Tennet fünf bis sechs Konverterstationen gebaut werden, die jeweils eine Fläche von rund zehn Hektar Platz benötigen würden. Und dies sei denkbar schwer umzusetzen. Dem widersprach ein Teilnehmer, denn auf der Hannovermesse sei vor 14 Tagen ein HGÜ-Schalter vorgestellt worden, der sogar 600 KV-Schaltungen erledigen könne. Und dies Gerät sei von einem renommierten schwedischen Unternehmen entwickelt worden. Somit sei das Einspeisen und Schalten nicht mehr das Probleme. Ein Tennet-Vertreter bestätigte dies, betonte aber, dass diese Technik noch in der experimentellen Phase stehe. Auf die Frage, warum denn so schnell eine Trasse gebaut werden solle, hieß es lediglich, dass der Windstrom auch abgeführt werden müsse.

Der Friedrichstädter Umweltausschuss-Vorsitzende Ernst-Otto Huß stellte gleich zu Beginn des Bürgerdialogs klar, das seiner Auffassung nach die östliche Trasse (3/3) für die Stadt keine Probleme bringe, gleichwohl sprach er sich dagegen aus, die vorhandene 110 KV-Leitung mit der neuen 380 KV-Leitung zu kombinieren. "Wir wollen keinen Leitungsvorhang in der Landschaft", drückte er es aus. Lauter Protest der anderen Versammlungsteilnehmer, die zumindest eine Kombination der beiden Trassen für sinnvoll erachteten, schließlich könne es nicht angehen, dass die Landschaft von zwei Stromtrassen durchschnitten werde.

Ob denn andere Elektrosmog-Grenzwerte auf dem Lande als in den Städten gelten, wollte ein Teilnehmer wissen. Goldschmidt stellte klar, das es nur einen Grenzwert gebe. Allerdings hagelte es Kritik, dass die geplante 380-KV-Leitung eher an Einzelgebäuden, denn an Häusergruppen vorbeilaufen soll. Dies sei doch ein Beleg dafür, dass der Einzelne nichts zähle. Und als ein Diskutant davon berichtete, dass er sich Sorgen um seine Frau mache, die einen Herzschrittmacher trage, forderte die Versammlung, dass jeder Bewohner der Region auch in Zukunft unbesorgt Gäste mit Schrittmachern empfangen können müsse, ohne vorher abzuklären, ob durch den Eletrosmog eine Gefahr bestehe oder nicht.

Der nächste Bürgerdialog zum Trassenverlauf an der Westküste beginnt heute um 18 Uhr in der Stadthalle in Tönning.

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erstellt am 24.Apr.2013 | 08:13 Uhr

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