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Bauerntag in Husum : Mehr Transparenz auf Bauernhöfen gefordert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Lebhafte Diskussion zum Thema Tierwohl beim Kreisbauerntag: „Mörderischer Wettbewerb“ in den Supermärkten. Landwirte sehen Handel und Konsumenten in der Pflicht.

Falschaussagen, Halbwahrheiten, Drangsalierung, Stolperfallen und Skrupellosigkeit – die Begrüßung Hans Friedrichsens war gespickt mit deftigen Vokabeln. Diese richteten sich vornehmlich an einen Ehrengast: Dr. Robert Habeck. Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister gehörte zu den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion zu der der Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt ins Nordsee-Congress-Centrum eingeladen hatte.

Habeck zeigte sich unbeeindruckt von Friedrichsens Ausflug in die Bundespolitik und Knickpflege. Denn schließlich stand ein anderes Thema im Mittelpunkt des Kreisbauerntags: das Tierwohl. Ob dies in der Landwirtschaft zum Wagnis werde und wohin Politik, Medien und Gesellschaft die Landwirte steuern – darüber sollten fünf weitere Ehrengäste mit ihm diskutieren.

Neben Habeck standen Prof. Dr. Urban Hellmuth von der Fachhochschule Kiel, Propst Jürgen Jessen-Thiesen vom Kirchenkreis Nordfriesland, Geschäftsführer Stefan Johnigk von Provieh – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung, sh:z-Chefredakteur Dr. Helge Matthiesen sowie Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes auf dem Podium. Wenngleich die Männer auch nicht immer derselben Ansicht waren, so war ihnen allen bewusst, dass sich in den vergangenen Jahren viel Positives in Bezug auf das Tierwohl getan habe.

„Unsere Tierhaltung war nie besser“, sagte Bauernpräsident Schwarz zu Beginn der Diskussion. Allerdings gab er unumwunden zu, dass weiterhin Verbesserungen möglich seien. „Wir haben nichts zu verstecken, deshalb ran an die Transparenz“, gab er seine Berufskollegen mit auf den Weg. Dies könne auch über die Medien erfolgen. „Die Landwirtschaft muss sich in der Debatte um ihre Produktionsmethoden aber stellen, sonst verliert sie den öffentlichen Rückhalt“, lautete eine These von Helge Matthiesen. Deshalb forderte der sh:z-Chefredakteur die Bauern auf, sämtliche Register ihrer Betriebe zu ziehen, denn das Interesse an der Landwirtschaft sei riesengroß, bekannte er. Von wegen schlechte Stimmung in den Medien. „Es gibt mehr Menschen, die der Landwirtschaft wohlgesonnen sind, als Sie glauben.“

Das bestätigte auch Stefan Johnigk. Sein Verein bietet den Landwirten eine Art „Übersetzungshilfe“ zwischen Erzeugern und Verbrauchern an, um bessere Standards auf den Höfen, gute Bedingungen für die Tiere und faire Preise für die Landwirte durchzusetzen. „Je näher Sie den Bürger an den Stall heranlassen, desto mehr Verständnis wird er haben“, betonte der Pro-Vieh-Geschäftsführer. Deshalb sollten sich Tierschützer und Tierhalter gegenseitig auch nicht als Gegner empfinden. Aufklärung sei wichtig. Bauernpräsident Schwarz gab zu, dass sich sein Berufsstand in den vergangenen Jahren zu sehr um die Produktion gekümmert habe. Dabei sei vergessen worden, die Verbraucher mitzunehmen.

Umfragen würden zeigen, dass mehr 80 als Prozent der Bürger auf vernünftig erzeugtes Fleisch Wert legen – und auch bereit wären, dafür mehr Geld zu bezahlen. „Das aber machen sie nicht“, berief sich Johnigk auf eine andere Statistik. Der Preis entscheidet – beim Erzeuger und auch beim Verbraucher. Dafür sei aber letztlich der Handel verantwortlich, so der Pro-Vieh-Geschäftsführer. Auch der Bauernpräsident machte den „mörderischen Wettbewerb“ in den Lebensmittelmärkten als Buhmann aus. Allerdings: „Tierwohl kostet etwas“, so Jürgen Jessen-Thiesen. Und genau das müssten die Landwirte thematisieren, denn „auch der Konsument ist in der Pflicht“.

Das sah Habeck ebenso. Der Minister machte eine Industriekultur aus, die den Landwirt umzingelt habe. „Viel produzieren zu einen günstigen Preis“, sei leider viel zu oft die Antwort der Landwirte. Denen müsse es aber in erster Linie darum gehen, die Höherwertigkeit ihrer Produkte in den Vordergrund zu stellen, so der Grünen-Politiker. „Es kann nicht sein, dass Hähnchenfleisch günstiger ist als Katzenfutter“, machte Johnigk deutlich, und Urban Hellmuth forderte die Landwirte auf, nicht zu Weltmarktpreisen zu produzieren. „Das ist die falsche Antwort“, so der Kursleiter des Studienfachs Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Kiel. Dennoch sei die Landwirtschaft auf einem guten Weg, so Hellmuth.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 12:15 Uhr

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