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Husumer Nachrichten

27. August 2016 | 10:08 Uhr

Einkaufszentrum und Denkmalschutz : Mehr Husum wagen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Haus in der Husumer Großstraße 19 darf nach dem Denkmalschutzgesetz nicht abgerissen werden. Damit müssen wahrscheinlich Entwürfe für ein geplantes Einkaufszentrum überarbeitet werden.

Für das geplante Husumer Einkaufszentrum, das hauptsächlich auf dem Gelände des ehemaligen Hertie-Kaufhauses entstehen soll, wird nach bisherigen Plänen auch das historische Gebäude „Großstraße 19“ benötigt – konkret: der Grund und Boden, auf dem es steht. Nach Vorstellungen der Investoren – einer ist Eigentümer des Gebäudes – soll das Haus abgerissen werden. Dr. Nils Meyer, Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege, erläutert, warum das nicht geht.

 

Liegt bereits ein Antrag auf Abriss des Hauses Großstraße 19 vor?

Ein solcher Antrag liegt der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Nordfriesland nicht vor.

 

Aufgrund welcher Kriterien steht dieses Gebäude unter Schutz – es soll sich um einen Ensembleschutz handeln?

Die Großstraße 19 ist Bestandteil einer denkmalgeschützten Mehrheit baulicher Anlagen – der Reihe der Bürgerhäuser Großstraße 19 bis 27 – und damit eines denkmalgeschützten Ensembles. Diese geschlossene historische Baureihe zeigt anschaulich die Entwicklung des ehemaligen Straßenmarktes in der Großstraße vom frühen 17. bis in das 20. Jahrhundert. Die Gebäude stammen aus unterschiedlichen Zeiten und weisen die jeweils zeittypischen Fassadenschmuckformen und Baugliederungen auf. Das Haus Nummer 19 wurde 1907 vom Husumer Baumeister Christian Struve erbaut, prägt mit seiner reduziert historischen Fassade das Stadtbild Husums und ist anschaulich überliefertes Zeugnis für den Ausbau der Stadt um 1900.

 

Unter welchen Umständen wäre es dennoch möglich, dieses historische Gebäude abzureißen?

Da das Gebäude unter Schutz steht, hat seine Erhaltung grundsätzlich Priorität. Allerdings ist laut Paragraf 11 des Denkmalschutzgesetzes von Schleswig-Holstein bei allen Maßnahmen auf die berechtigten Belange der Verpflichteten Rücksicht zu nehmen. Zu den berechtigten Belangen können zum Beispiel wirtschaftliche Aspekte gehören. Das würde jedoch im Fall der Großstraße 19 voraussetzen, dass der künftige Erhalt des Gebäudes im üblichen Rahmen nachweisbar unwirtschaftlich wäre. Dies ist nicht der Fall.

 

Sind von Denkmalschutz-Seite nicht doch bauliche Kompromisse möglich – würde es beispielsweise nicht genügen, nur die Fassade zu erhalten?

Wie gesagt: Der Erhalt des Gebäudes hat Vorrang. In der Praxis der Denkmalpflege wird allerdings in so einem Fall der denkmalgerechte bauliche Umgang gesucht. Wesentlich bei der Großstraße sind die städtebauliche Erscheinung, die Kubatur (das Volumen eines Bauwerks – Anmerkung der Redaktion), die Fassade, das Dach. Im Inneren sind Anpassungen möglich, die eine Einbeziehung in das Shopping-Center ermöglichen würden.

 

Ist eine Einbeziehung eine komplizierte Aufgabe für einen Architekten?

Nein, nicht kompliziert. Ich würde sagen: Das ist anspruchsvoll, aber auf jeden Fall lösbar. Ein entsprechend im Umgang mit denkmalgeschützter Substanz geschulter Architekt kann hier architektonisch Funken sprühen. Die geschickte Einbeziehung der Großstraße 19 in das Husumer Shopping-Center würde dem gesamten Projekt sogar ein unverwechselbares Gesicht geben – mehr Husum sozusagen.

 

Wäre eine Klage des Eigentümers gegen den Denkmalschutz möglich?

Verwaltungsrechtlich besteht eine Klagemöglichkeit, jedoch kein vorgeschaltetes Widerspruchsverfahren mit aufschiebender Wirkung (ipsa-lege-Prinzip). Geklagt werden kann, sowohl gegen die Eintragung als solche, als auch gegen Versagungen beziehungsweise Genehmigungen von der praktischen Denkmalpflege. Es gibt dort keine Fristen, die Klage kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen.

 

Wie viele Häuser standen vor dem neuen Denkmalschutzgesetz für Schleswig-Holstein von 2014 unter Schutz – und wie viele sind es heute? Welche besonderen Gebäude gehören dazu?

In der gesamten Großstraße in Husum standen bisher vier Objekte mit Eintragung in das Denkmalbuch unter Schutz: die Nummern 18, 27, 30 und 32. Nach aktuellem Stand ist die sogenannte Mehrheit baulicher Anlagen (die Nummern 19 bis 27) hinzugekommen, die das bereits vorhandene Denkmal Nummer 27, das Alte Rathaus, einschließt und zudem aus weiteren vier Objekten besteht: den Nummern 21, 23, 25 und 27 sowie der Nummer 19. Herausragende Häuser sind sicherlich die Alte Apotheke in der Großstraße 21 sowie das Alte Rathaus in der Großstraße 27.

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erstellt am 24.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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