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Tourismus-Konzept für Friedrichstadt : Mehr Gäste fürs Holländerstädtchen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Experte Kai Ziesemer aus Kiel beschreibt Ist-Zustand und stellt Strategie für Tourismus-Konzept vor. Unter anderem sollte die Stadt über weitere Events nachdenken.

Um Visionen für ein Tourismuskonzept der Stadt Friedrichstadt ging es in der Wirtschafts- und Tourismusausschuss-Sitzung im Rathaussaal. Die nächsten anderthalb Stunden referierte Kai Ziesemer vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa aus Kiel, das von der Stadt den Auftrag für ein neues Konzept erhalten hat. Es soll aus drei Modulen bestehen: Masterplan mit einer Potenzialanalyse, Umsetzungsplan und Implementierung.

Zunächst präsentierte Ziesemer einige Zahlen, die die gegenwärtige Situation beschreiben. Demnach sind fast 80 Prozent der Besucher Tagestouristen, Camping und Zweitwohnungen machen zehn Prozent aus. Innerhalb von zwölf Jahren haben die Übernachtungen jährlich um 5000 zugenommen. Im Durchschnitt geben Urlauber in Friedrichstadt 80 Euro pro Tag aus, Tagestouristen bringen dagegen nur 40 Euro. Von den Übernachtungsgästen nutzen 77 Prozent die Gastronomie, 72 Prozent die Einkaufsmöglichkeiten inklusive Lebensmitteleinkauf (in den anderen Nordseedestinationen sind es 93 Prozent), 63 Prozent Shopping, 62 Prozent regionale Spezialitäten, 58 Prozent Ausflugsmöglichkeiten, 49 Prozent benötigen Internet, 43 Prozent nutzen Kulturangebote und 46 Prozent kontaktieren die Tourismuszentrale, wie Ziesemer erklärte. Die Wiederkehrbereitschaft nach Friedrichstadt liege deutlich unter dem Durchschnitt in Schleswig-Holstein. Es müsse also etwas für die Steigerung der Erlebnisqualität getan werden. Denn mehr Gäste bedeute auch einen Anreiz für Investitionen. So falle Friedrichstadt im Moment aus dem gesamten Fernrohr der Hotellerie raus. Auch dem Leerstand in der Innenstadt müsse entgegengewirkt werden. Positiv sei dagegen die gute Erreichbarkeit der Stadt mit Auto und Bahn.

Um sich als interessante Destination zu etablieren, schlug Ziesemer vor, am holländischen Flair zu arbeiten. „Wirklich holländisch sind der Marktplatz, die Fassaden und die Grachten – und dann hört es schon auf.“ Außerdem könne Friedrichstadt die umgebende Natur für das Marketing nutzen: „Die Stadt im Land – damit könnte man werben“, so Ziesemer. Er riet auch dazu, Familienurlaub in Friedrichstadt zu vermarkten, nach dem Motto „Ich bringe die Kinder zu Bett und erlebe die Stadt. ‚Klettern über die Grachten‘ oder ‚Spätsaunen‘, das wäre etwas.“

Events wären eine sehr gute Möglichkeit, Gäste in die Stadt zu holen. In welchen Dimensionen gedacht werden muss, machte Ziesemer mit folgenden Zahlen deutlich: Demnach bräuchte Friedrichstadt für eine Million Euro mehr Umsatz pro Jahr zusätzlich 12  .000 Übernachtungen oder 25.000 Tagesgäste. Im Übernachtungstourismus sei das nicht zu realisieren – aber bei 25.000 Tagesgästen im Jahr schon. Events seien aus eigener Kraft zu schaffen. Sie können auch mit Partnern vermarktet werden. Ziesemer sprach von vier zusätzlichen Veranstaltungen, er dachte dabei an Märkte

Zuruf von Stadtrat Günter Tietgen: „Das ist ein guter Masterplan.“ Dickes Lob auch von Stadtrat Björn Jensen: „Sie haben alles, was hier in der Stadt so da ist, gebündelt.“ Tourismus-Chefin Anke Stecher wandte ein: „Es geht nicht darum, hier holländische Attraktionen 1:1 umzusetzen, sondern unseren eigenen Weg zu finden.“ Und Ernst-Otto Huß gab zu bedenken „Die gesamte Sportschifffahrt fährt am Wochenende an Friedrichstadt vorbei. Es muss sich im Hafen etwas tun.“ Das Gremium sprach sich einstimmig für das Konzept aus. Die Steuerungsgruppe bilden Bürgermeister Eggert Vogt, die Ausschussvorsitzende Elke Kempkes, Stadtmanagerin Annika Müller, Tourismus-Chefin Anke Stecher, Sandra Rohde vom Amt Nordsee-Treene sowie Heike Willhöft, Gesche Hagen und Christiane von Lübke.

Ferner wies Anke Stecher auf folgenden Termin hin: Am 5. April, 19 Uhr, gibt es im Rathaus ein Treffen zur Planung der 400-Jahr-Feier der Stadt. Interessierte Bürger können mitmachen.

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