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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 15:13 Uhr

Prozess am Amtsgericht Husum : Mann greift Passanten an – 30 Monate Haft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wiederholungstäter rastete wiederholt betrunken aus - und dieses Mal gab es keine Bewährung mehr. Die Richterin verurteilte ihn zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

Erstmals seit Jahrzehnten hat das Amtsgericht Husum für einen Angeklagten im Anschluss an die Urteilsverkündung Untersuchungshaft angeordnet. Wegen Wiederholungsgefahr kam ein 31-Jähriger bis zu einem etwaig anderen Urteil in nächster Instanz nicht wieder auf freien Fuß. Ob der Anwalt des Verurteilten Haftbeschwerde einlegt, war zunächst unklar.

Der vierfache Vater war, wenn er Schnaps getrunken hatte, bereits mehr als ein Dutzend Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hatte jedoch noch nie einen Tag in Strafhaft gesessen. Dieses Mal war er ursprünglich wegen häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung sowie Widerstand und Beleidigung von Polizeibeamten angeklagt. Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte sich reumütig bei allen Betroffenen entschuldigt und zu den heftigen Beleidigungen vor rund eineinhalb Jahren eingeräumt: „Das hört sich nach einem Vokabular an, dessen ich mal mächtig war.“

Überraschend, aber mit Zustimmung aller Verfahrensbeteiligten, war am zweiten Verhandlungstag über eine unvergleichbar schwerere Straftat verhandelt worden, die der Angeklagte erst im Februar dieses Jahres begangen hatte und zu der gerade erst die Anklageschrift fertig geworden war: Stark angetrunken hatte der Mann aus einem Lokal in Husum einen Billardstock mit auf die Straße genommen und damit – ohne den geringsten Anlass – zunächst einem zufällig vorbeikommenden Passanten einen Schlag gegen den Kopf versetzt. Kurz darauf war er nach übereinstimmenden Zeugenaussagen erneut ohne den geringsten Anlass auf eine Gruppe von sechs jungen Leuten vor einem Taxistand zugerannt, hatte erst einem von ihnen zwei Ohrfeigen gegeben, danach eine Bierflasche auf der Straße zertrümmert und mit der abgeschlagenen Flasche auf einen anderen jungen Mann aus der Gruppe eingestochen. Das Opfer erlitt am Hals eine tiefe Schnittwunde, die im Krankenhaus mit 14 Stichen genäht werden musste. Die anderen jungen Leute aus der Gruppe konnten den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

Dieselbe Richterin, die den wortgewandten und nüchtern stets höflichen Angeklagten vor einigen Jahren noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hatte, folgte dieses Mal in vollem Umfang der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Angeklagten zu zweieinhalb Jahren Haft. Voraussichtlich muss der Mann nun auch die eineinhalb Jahre Gefängnis verbüßen, die zuvor zur Bewährung ausgesetzt worden waren. „Der Schnaps ist der kleine Teufel in ihm“, hatte die Mutter des Verurteilten erklärt.

Deutliche Worte richtete die Richterin auch an die Partnerin des Verurteilten. Mehrfach, manchmal auch am selben Tag, hatte die junge Mutter wegen häuslicher Gewalt die Polizei um Hilfe gerufen und mit ihren Kindern bei Nachbarn Schutz gesucht; bei ihrer polizeilichen Vernehmung und vor Gericht jedoch verweigerte sie klare Aussagen. Inzwischen hat das Paar getrennte Wohnungen.

Zum ersten Verhandlungstermin war der Angeklagte nicht erschienen und hatte später in Handschellen von der Polizei vorgeführt werden müssen.

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