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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 08:08 Uhr

Sommerpausen-Plauderei : „Man muss einfach für die Sache arbeiten“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Grüne Themen und kommunale Politik: Frank Hofeditz, Grünen-Fraktionsvorsitzender in Husum, in der Sommerpausen-Plauderei.

Sommerpausen-Plauderei: In unserer Interview-Serie spricht heute Frank Hofeditz, Fraktionsvorsitzender der Husumer Grünen über grüne Themen, die Herausforderungen der Kommunalpolitik und warum er noch an die Shopping-Center-Entscheidung denkt.

Sie sind Mitte der 1990er Jahre bei den Grünen eingetreten. Gab es einen besonderen Anlass?

Das war eher ein fließender Prozess. Ich bin immer schon Grünen-Wähler gewesen und komme aus der Natur- und Umweltbewegung. Irgendwann war klar, dass ich im Norden bleiben werde, da wollte ich mich für unseren schönen Lebensraum in Nordfriesland engagieren.

Sie sind der Chef einer eher kleinen Fraktion. Ist das manchmal frustrierend?

Nein, gar nicht. Meine Erfahrung ist, dass viele Grünen-Themen auch bei den großen Fraktionen Gehör finden und dass wir es nicht schwer haben, unsere Ideen zu vermitteln. Viele Entscheidungen in Husum werden ja auch mittlerweile einstimmig gefasst, der Konsens ist relativ groß. Von daher ist es kein Nachteil, wenn ich Teil einer kleinen Fraktion bin.

Es gibt ja in Husum einige politische Baustellen, die sich seit Jahren nicht abarbeiten lassen. Haben Sie eine im Kopf, die sie besonders nervt?

Den Bahnübergang zum Dockkoog. Und damit verbunden die Probleme von Radfahrern und Fußgängern, gut von der Kleikuhle zur Badestelle zu kommen.

Aber auf dieser Baustelle soll sich doch nun etwas tun, zumindest gibt es jetzt eine Einigung mit der Bahn.

Ich hoffe es. Wer mit der Bahn verhandelt, hört man, braucht einen ganz langen Atem. Und das sogenannte Paulsen-Grundstück an der Poggenburgstaße ist natürlich auch so eine Baustelle. Die Politik hat über den B-Plan grob festgelegt, was sie sich dort vorstellen kann. Unter anderem Mietwohnungsbau mit einem gehörigen Anteil Sozialwohnungen. Der Eigentümer hat auch schon einiges geklärt, es gab ja auf dem Grundstück eine eher verworrene Eigentumslage. Das hat sich etwas aufgelöst, so dass der Eigentümer nun handlungsfähiger ist. Er hat auch schon den einen oder anderen Planungsansatz präsentiert. Von Seiten des Bauamts und der Politik haben diese Ideen aber noch nicht zu lauten Hurra-Schreien geführt. Das Thema müssen wir nach der Sommerpause im Umwelt- und Planungsausschuss dringend wieder aufgreifen.

Auf welche Erfolge der Husumer Grünen sind Sie besonders stolz?

Uns Grünen ist ja besonders wichtig, die Bürger mitzunehmen. Deshalb würde ich als Antwort die Bürgerwerkstatt zur Entwicklung des Dockkoogs nennen. Wir haben in Husum eine sehr engagierte Bürgerschaft. Bürgerbeteiligung muss man immer wieder einfordern, und dieser Weg ist vielleicht der anstrengendere, aber am Ende lohnt er sich.

In der Shopping-Center-Debatte waren Sie derjenige, der sehr deutlich gesagt hat, dass die Bürger Ihrer Meinung nach nicht genug mitgenommen werden.

Ja, das ging uns zu schnell. Doch die Mehrheit hat das anders gesehen, deshalb wurde noch vor der Sommerpause darüber abgestimmt.

Ärgert Sie das?

Ärgern ist zu viel gesagt.

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste, was auf die Husumer Politik im Herbst zukommt?

Wir müssen uns um die Wohnraumsituation kümmern. Gerade, wenn es um Sozialwohnungen oder schlicht günstige Wohnungen geht, haben wir weiterhin einen großen Nachholbedarf. Diesen Markt müssen wir weiter bedienen, auch damit es nicht zu einer Konfrontation zwischen sozial schwachen Gruppen kommt. Außerdem muss das Fahrrad- und Mobilitätskonzept weiter umgesetzt werden – das sind für uns Grüne natürlich wichtige Themen. Ein Erfolg des Fahrradkonzeptes ist es, dass der Radstreifen an der Berliner Straße angelegt worden ist. Es wäre wünschenswert, dass das auch in der Matthias-Claudius-Straße geschieht.    Für den öffentlichen Personennahverkehr erarbeiten wir gerade die Ausschreibungs-Modalitäten für 2017. Künftig wollen wir einen halbstündig fahrenden Busverkehr anbieten, verbunden mit ganz anderer Linienführung und zentralem Umsteigepunkt in der Stadt. Das wird für die Stadt eine Ecke teurer werden als bisher. Aber dafür bekommen wir auch einen echten Qualitätssprung.

Meinen Sie, dass man so auch wirklich mehr Menschen dazu bewegen kann, den Bus zu benutzen?

Ja. Dafür muss man das Busfahren aber attraktiv machen.

Sie machen auf mich einen ganz zufriedenen Eindruck damit, wie es in Husum in der Kommunalpolitik läuft.

Der Eindruck mag stimmen. Man muss sehr viel Geduld mitbringen, wenn man in der Kommunalpolitik aktiv sein will, und Sitzfleisch braucht man sowieso. Man darf auch viele Dinge nicht persönlich an sich ran lassen, sondern muss einfach für die Sache arbeiten. Dann kann ich eigentlich immer Gesprächsebenen finden – trotz unterschiedlicher politischer Ansichten.

Gibt es eine politische Entscheidung, die Sie getroffen haben, an der Sie aber im Nachhinein zweifeln?

Der Umgang mit der Villa Fabelhaft. Die haben wir Grüne auch zum Abriss freigegeben. Darüber haben wir vorher sehr lange in der Fraktion diskutiert. Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust: Ich persönlich bin der Auffassung, es ist ehrlicher, das ganze Gebäude abzureißen, als dort nur eine Schaufassade stehen zu lassen. Ich kann aber auch sehr gut die anderen verstehen, die sagen: Erhaltet doch die Fassade, integriert sie ins neue Shopping-Center.    Man muss einfach sagen: Wir haben für die Einstimmigkeit beim Shopping-Center auch etwas geopfert.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 14:00 Uhr

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