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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Besondere Führung : Lyrisch am Watt entlang

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf Nordstrand können Einheimische und Urlauber eine Wattführung der besonderen Art genießen.

Nur noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang. Am Strand von Fuhlehörn auf der Halbinsel Nordstrand tummeln sich besonders viele Menschen. „Was die wohl vorhaben?“, fragen sich einige Gäste: Mitten durch die aufgereihten Strandkörbe hindurch schreitet eine Gruppe von der Deichkrone im Gänsemarsch herunter in Richtung Strand. Sie haben ihre Hände auf die Schulter des Vordermannes gelegt. Ihnen voran geht die 18-jährigen Katharina Heuser von der Schutzstation Wattenmeer auf Nordstrand. Außer ihr haben alle ihre Augen geschlossen.

Des Rätsels Lösung: Hier beginnt eine lyrische Wanderung in den Sonnenuntergang. Mit der beschriebenen Wahrnehmungsübung für die Sinne beginnt jede von ihnen. Auf dem weichen, warmen Sand angekommen, dürfen alle ihre Augen öffnen. „Was haben Sie gefühlt und wahrgenommen?“, möchte Heuser wissen. „Einen leichten Wind, lachende Menschen, viele Geräusche, Stimmen“, beschreibt Katrin Wagner aus Frankenthal in Hessen ihr persönliches Erlebnis. „Ich habe Vogelstimmen gehört und, ich glaube, zwei verschiedene Gräser gefühlt. Der Rasen war weich, aber da war auch etwas, was sich härter anfühlte“, erklärt Maria Ulrich aus Velbert. „Ja, das Andelgras ragt heraus, hat härtere Stengel und ist ein salztragendes Süßgraß“, erläutert die Ehrenamtlerin.

Normalerweise, berichtet sie weiter, sei es zu dieser Zeit still und man höre nur die Vögel. „Wir werden jetzt langsam den Weg weg von der Strandzone weitergehen, dabei den Sonnenuntergang genießen, lyrische Gedichte hören und ich werde Ihnen einiges über Vogelzug, Deichschutz oder Rungholt erzählen“, fährt Heuser fort. Aus Darmstadt sei sie gerade mit dem Abitur in der Tasche vor drei Wochen auf das Eiland gekommen. Bevor sie im kommenden Jahr ein Studium aufnehme, wolle sie sich zunächst selbst finden und neue Eindrücke sammeln. „Ich kann jetzt schon sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Die Arbeit macht mir Spaß und ich bin hier direkt im Nationalpark Wattenmeer, dem schönsten Fleck der Erde“, schwärmt sie.

„Ist das Müll“, will der neunjährige Jan Wagner aus Berlin von ihr wissen. Das schwammähnliche Etwas hat er gerade unter dem Treibsel gefunden. „Das ist Parafin. Es wird häufig angeschwemmt und ist gefährlich für die Tiere“, klärt die FÖJ-lerin auf. Nach so viel Input ist es Zeit für einen Moment der Stille und ein Gedicht. Was könnte da besser passen als Storms „Meeresstrand“. „…und Dämmerung bricht herein; über die feuchten Watten spiegelt der Abendschein“ – genau das erleben gerade die Teilnehmer der besonderen Veranstaltung. Soeben ist die Sonne im Meer versunken. Es wird Zeit, umzukehren, diesmal im Gänsemarsch auf der Deichkrone.

An der Badestelle angekommen, zeigt sich nur noch ein rötlicher Schimmer am Abendhimmel. Mit von Lilienchrons Gedicht „Trutz Blanke Hans“ spannt die Ehrenamtlerin den Bogen zum untergegangenen Rungholt-Gebiet.

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt. Wo vor über einer Stunde noch pralles Badeleben geherrscht hat, ist jetzt Natur pur zu erleben: Vogelstimmen mischen sich unter das Geräusch sich erhebender Vögelschwärme, und es riecht nach Watt. „Es war ein toller Abschluss des Tages“, findet der 72-jährige Friedrich Franke aus dem Hessischen. Dafür habe er sein ursprüngliches Vorhaben – das Bad in der Nordsee – gern sausen lassen.

Die nächste lyrische Wanderung startet am kommenden Donnerstag (1. September) ab 19 Uhr von der Deichkrone Badestelle Fuhlehörn. Weitere Veranstaltungen und Infos unter: www.schutzstation-wattenmeer.de oder 04842/519.












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