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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

"Viel zu viel Bürokratie" : Lütjenholms Jugendfeuerwehrwart gibt auf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Mein Zeitaufwand für die dazugehörigen Aufgaben ist inzwischen zwei- bis dreimal so hoch wie zu der Zeit, als ich das Amt übernommen habe“, sagt Björn Ingwersen. Nach 16 Jahren gibt er seinen Posten auf.

Die Arbeit in der vor 25 Jahren gegründeten Jugendfeuerwehr (JF) Lütjenholm ist seit 2003 eng mit dem Namen Björn Ingwersen verbunden. Zahlreiche Jungen und Mädchen aus Lütjenholm, Högel, Goldebek, Goldelund, Joldelund und Kolkerheide haben bei ihm in den vergangenen 13 Jahren gelernt, was angehende Feuerwehrleute für ihren späteren Einsatz wissen müssen. Derzeit zählt die JF 24 Mitglieder im Alter zwischen zehn und 17 Jahren. Sie treffen sich jeden Freitagabend von 18.30 bis 20.30 Uhr am Feuerwehrhaus in Lütjenholm.

Neben den Pflichtdiensten in Theorie und Praxis steht bei ihnen die Kameradschaft an erster Stelle. Sie wird bei Spiel und Sport gepflegt, bei gemeinsamen Unternehmungen, Ausflügen und Zeltlagern. Sobald die Jugendlichen 15 oder 16 Jahre alt sind, beginnt für sie langsam der Ernst des Lebens, denn dann starten sie mit den Vorbereitungen auf die Leistungsspange – ihre erste Prüfung auf dem Weg zum aktiven Feuerwehrdienst. Wie wichtig diese Ausbildung ist, weiß keiner besser als Lütjenholms Wehrführer Erich Scholz, der die Jugendfeuerwehr vor 25 Jahren mitgegründet hat: „Alle Freiwilligen Feuerwehren profitieren davon. Bei den meisten stammt mehr als ein Drittel der aktiven Kameraden aus den eigenen Reihen“, sagt er.

Auch deshalb hatte Björn Ingwersen, der selbst in der Jugendfeuerwehr groß geworden ist, bisher immer sehr viel Spaß an seiner Arbeit als Jugendwart. Und das, obwohl die Anforderungen an diesen Posten von Jahr zu Jahr spürbar gestiegen sind. „Mein Zeitaufwand für die dazugehörigen Aufgaben ist inzwischen zwei- bis dreimal so hoch wie zu der Zeit, als ich das Amt übernommen habe“, sagt er. Vor allem die bürokratischen Hürden empfindet der 40-Jährige zunehmend als Belastung und auch als Einschränkung seiner Befugnisse. Die Paragrafenflut in ständig wachsenden Vorschriften, immer komplexer werdende Formulare, Dokumente und Anträge sowie die Verwaltung der einzelnen Etats raubten ihm zunehmend die Zeit. Zeit, die er viel lieber in die praktische Arbeit mit den Jugendlichen stecken würde. „Nachdem ich zuletzt meinen Sommerurlaub komplett damit verbracht habe, den Papierkram abzuarbeiten, ist mir klar geworden, dass das alles zusammen ehrenamtlich nicht mehr zu schaffen ist.“

Und so zog der Goldebeker, der dort zudem das Amt des stellvertretenden Wehrführers inne hat, nun die Reißleine: „Als Jugendfeuerwehrwart stehe ich künftig nicht mehr zur Verfügung“, verkündete er in Bredstedt im Rahmen der Wehrführerdienstversammlung. Dieser Entschluss kam nicht von jetzt auf gleich, mehrfach schon hatte er in den letzten drei bis vier Jahren diesen Schritt angekündigt. Den Rest gab ihm schließlich die aktuelle Diskussion um die Kameradschaftskassen: „Das, was da an zusätzlichem Verwaltungsaufwand auch auf die Jugendwehren zukommt, sprengt meines Erachtens endgültig den im Ehrenamt noch machbaren Rahmen“, sagt er.

Leif Petersen, ebenfalls stellvertretender Wehrführer in Joldelund, kann diese Argumentation gut nachvollziehen. Er selbst ist seit 15 Jahren als Betreuer dabei und hat die Entwicklung an der Seite von Björn Ingwersen live miterlebt. „Ich wollte eigentlich auch schon aufhören“, gesteht der dreifache Familienvater, doch „weil es mit der Jugendarbeit für unsere Feuerwehr irgendwie weitergehen muss“, hat sich der 36-Jährige schließlich bereit erklärt, den Posten zu übernehmen. Gewählt wird er für sechs Jahre. „Ich muss aber erstmal sehen, ob das zu schaffen ist“, sagt er.

„Die Jugendfeuerwehren hier in Nordfriesland machen einen tollen Job“, betont Björn Ingwersen, der sich bei allen Kameraden, aber auch bei den Einwohnern und Unternehmen der Gemeinde für die jahrelange Unterstützung bedanken möchte. „Björn selbst verdient aber auch ein dickes Dankeschön“, meint Leif Petersen: „Ohne ihn wären wir niemals so weit gekommen“, sagt er und verweist beispielhaft auf den Anhänger für den Zelttransport, um den sich sein Vorgänger bemüht hatte und der für die praktische Arbeit längst unverzichtbar ist. Petersen: „Ich will gerne versuchen, dieses hohe Niveau zu halten – trotz aller zu erwartenden Schwierigkeiten.“ Erich Scholz hat ihm seine tatkräftige Unterstützung zugesagt. Auch er sieht die bürokratischen Hürden kritisch: „Die Arbeit droht in zu viel Papierkrieg zu versinken.“

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