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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 17:33 Uhr

Betrug per Telefon : Lottogewinn – aber nur gegen Gebühr

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Telefon-Betrüger lassen sich immer raffiniertere Methoden einfallen, um ihre Opfer zu schädigen. Husums Ordnungshüter raten zur Wachsamkeit und dazu, lieber einmal mehr die Polizei anzurufen.

Einbruchsdiebstähle hielten die Husumer Polizei über Monate in Atem. Jetzt ist es auf diesem Gebiet etwas ruhiger geworden (wir berichteten). Das bedeutet aber nicht, dass die Kriminalpolizei weniger zu tun hätte. Im Gegenteil. Tatsächlich hat die Zahl bestimmter Betrugsdelikte zuletzt spürbar zugenommen. „Dieser Täterkreis macht sich die Unsicherheit oder Unwissenheit seiner Opfer zunutze, um ihnen Geld abzuluchsen“, sagt der Leiter der Kriminalpolizeistelle Husum, Sven Knies, und warnt vor vorschnellen Entscheidungen.

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung gibt sich ein Mann als Microsoft-Berater aus und erklärt, dass der Rechner des Angerufenen von einem Virus befallen sei. „Leider lassen sich manche Menschen von solchen Nachrichten überrumpeln und erlauben dem vermeintlichen Software-Experten, auf den Rechner zuzugreifen“, sagt Knies. Oder schlimmer noch: Sie zahlen zum Teil beträchtliche Summen, damit der Virus beseitigt wird. „Das Geld landet dann auf Konten, die wir nicht zurückverfolgen können, und ist weg.“ Oft sprächen die mutmaßlichen Software-Berater Englisch oder nur gebrochen Deutsch, so Knies. Dennoch zögen sich die „Beratungsgespräche“ zuweilen über Stunden und Tage hin. Ist das Kind dann in den Brunnen gefallen, berichten manche Geschädigte, die Anrufer hätten einen außerordentlich professionellen Eindruck gemacht. Und professionell sind sie wohl tatsächlich, aber eben keine Microsoft-Berater.

Unter Betrügern beliebt ist auch diese Methode: Dem Opfer wird per Telefon ein Lottogewinn vorgetäuscht. Um diesen entgegennehmen zu können, müsse allerdings eine Gebühr gezahlt werden. „Das ist natürlich Unsinn“, sagt der Kripo-Mann. Und manchmal seien die Angerufenen so schlau, „bei der Polizei nachzufragen, bevor sie Geld in die Hand nehmen – aber selbst dann ist es nicht immer leicht, sie davon zu überzeugen, dass sie es mit Betrügern zu tun haben“. Erstaunlich ist auch, dass die Geschädigten häufig nicht einmal an einem Lotteriespiel teilgenommen haben. Auch seien es nicht nur ältere Leute, die Tätern wie diesen auf den Leim gingen, sondern auch solche, „die – wie das so schön heißt – mitten im Leben stehen“. Die Aussicht auf einen Lottogewinn sei einfach zu verlockend. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich sehr hoch ist“, fährt Knies fort, denn vielen Menschen sei es peinlich, auf diese Weise ausgenommen zu werden.

Eine weitere aus Täter-Sicht sehr erfolgreiche Betrugsmethode ist das sogenannte Call-ID-Spoofing. Dabei wird den Opfern auf dem Telefon-Display eine offizielle Nummer vorgetäuscht. „Das reicht von der Staatsanwaltschaft über das Bundeskriminalamt bis zur Notrufnummer der Polizei“, sagt Knies. Danach versuchen die Täter den Geschädigten Geldzahlungen zu entlocken, weil angeblich ein Ermittlungsverfahren gegen sie läuft. In solchen Fällen rät die Polizei, auf keinen Fall die Rückruftaste zu betätigen, sondern die örtliche Polizeidienststelle beziehungsweise gleich die Nummer 110 anzurufen.

Auch die sogenannte Enkeltrick-Methode ist unter Betrügern nach wie vor beliebt. Und in jüngster Zeit bieten reisende Handwerker ihre Dienste an, um die Arbeit erst gar nicht anzutreten oder solchen Pfusch zu hinterlassen, dass dessen Beseitigung die Besitzer oft mehr Geld kostet als sie durch das vermeintlich günstige Angebot der fahrenden Truppe eingespart haben.

Insgesamt ist festzustellen, „dass diese Delikte tendenziell zunehmen und die Täter immer professioneller werden“, sagt Knies. Außerdem sei es schwer, ihnen das Handwerk zu legen, weil die Hintermänner oft im Ausland säßen. „Umso wichtiger ist es, dass die Bürger wachsam bleiben und sich nicht übertölpeln lassen. Besser einmal mehr die Polizei anrufen als einmal zu wenig“, rät Knies.

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erstellt am 24.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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