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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Bauernpräsident in Niebüll : Landwirtschaft muss sich auch lohnen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz nahm in Niebüll zu Herausforderungen und Chancen seines Berufsstandes Stellung – und dabei kein Blatt vor den Mund.

Überraschend gelassen sieht der Präsident des Landesbauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, die aktuelle Situation in punkto Milchpreis. „Das Problem wird sich von allein lösen“, sagte er als Gastredner einer Rotary-Veranstaltung in der Niebüller Schul-Mensa. Der Bauernpräsident präsentierte sich als kühler Rechner und sachlicher Ökonom, der den Bauern als Unternehmer sieht. Sein Fazit: Der Markt regelt alles, Krisen müssen durchgestanden werden. Dabei las Werner Schwarz Berufskollegen die Leviten: Diese hätten nicht genügend Rücklagen gebildet.

Ansonsten sei alles lösbar: Naturschutz, Tierwohl, Modernisierung und Technisierung. Allerdings wünscht sich der Bauern-Chef weniger Vorschriften, die die Landwirtschaft einengen, und setzt auf das Entgegenkommen der Verbraucher: „Wir haben weltweit die besten Produkte!“ Globale Entwicklungen müssten berücksichtigt werden: Letztlich konkurriere der Hungernde in Afrika mit dem unter Naturschutz stehenden Frosch.

Anwesende Bauern reagierten gelassen, stimmten kein Jammerlied an. Im Gegenteil: „Wir können stolz auf uns sein“, rief Milchbauerin Andrea Heimrath aus Norderhackstedt. „Wir müssen für unsere Produkte werben, uns zeigen!“

Der Präsident entwarf ein großes Panorama der Landwirtschaft, schilderte die Sorgen und Nöte ohne Pathos. Letztlich gehe es darum, „die Wirtschaftlichkeit der Höfe zu arrangieren“. Biogas aus Getreide zu gewinnen, sei daher nicht verwerflich. Schwarz erwähnte das Münsterland als positives Beispiel. „Hier hat man Agrartechnologie, Verarbeitung und Vertrieb auf höchstem Standard entwickelt – der Region geht es gut.“ Es gelte, Potenziale zu wecken: Regionale Produkte seien ein gutes Beispiel. „Den Käse aus Hattstedt finde ich als exklusives Produkt vorn platziert im Berliner Luxuskaufhaus KDW am Tresen.“

Werner Schwarz bedauerte, dass die Bauernschaft in der Öffentlichkeit häufig als Prügelknabe diene. „Wir sollen an allem schuld sein, das macht uns zu schaffen.“ Die Dauer-Vorwürfe bezüglich Pestiziden oder Massentierhaltung nagten am Selbstbewusstein. Bedauerlicherweise blieben Skandal-Themen wie Dioxin-Eier in Erinnerung. „Dabei hätte man 120 Jahre lang täglich hundert Eier essen müssen, um etwas vom Dioxin zu spüren.“ Gleichwohl vermied es Schwarz, Politik oder Verbraucher allzu sehr zu attackieren. Die Ernährung habe jedoch im Vergleich zu anderen Ländern keinen hohen Stellenwert. „Das ist nun mal so: Hier wird gespart, damit man sich ein Auto oder Reisen leisten kann.“

Der Export bleibe auch in Schleswig-Holstein das Einkommensventil. „Wir brauchen allerdings noch mehr Wirtschaftlichkeit!“, betonte Schwarz. „Wir sind gerne Bauern, aber es muss sich auch lohnen.“ Seiner Meinung nach werden die Betriebe und Anbauflächen weiter wachsen – trotz Naturschutzes und den sich daraus ergebenden Einschränkungen. Damit beantwortete er die Fragestellung, ob die Bauern noch gebraucht werden, mit einem klaren „Ja!“. Die klassische Landwirtschaft gebe es nicht mehr, doch die Bauern seien flexibel genug, sich auf die Zukunft einzustellen. Seine Prognose: „Die Chancen für die Landwirtschaft sind gut – und der Milchpreis wird wieder steigen!“ Dazu müssten sich allerdings die Erzeuger mit den Meiereien auseinandersetzen.

In der Diskussion appellierten einzelne Redner an das Verantwortungsbewusstsein der Verbraucher. „Wir entscheiden mit“, sagte ein Besucher, „nichts hält uns davon ab, die hochwertige Milch zu kaufen.“ Genauso sei es bei ökologischen Produkten.

Auf die Frage des Gastgebers, Salem G. Hattab vom Rotary-Club, warum der Export Richtung China stocke, verwies der Bauernpräsident auf Probleme mit der Bürokratie. „Bei uns entscheidet das Kreisveterinäramt mit.“ Da helfe auch eine vom Ministerium eingerichtete Förderstelle derzeit noch wenig. Zudem sei das Einkaufsverhalten Chinas nicht steuer- bzw. vorhersehbar.

Auf die Idee aus dem Publikum, ein Gütesiegel für landwirtschaftliche Produkte einzuführen, reagierte Schwarz positiv. Zudem plädierte er für mehr Offenheit gegenüber den Verbrauchern. „Wir Bauern haben nichts zu verbergen.“ Er selbst habe gute Erfahrungen mit offensiver Ansprache gemacht: Viele Menschen besuchen einen Wanderpfad in seinen Weizenfeldern, in den Ställen sind Webcams installiert, so dass jeder mitverfolgen kann, was dort passiert.

„Jeder geht seinen Weg“, kommentierte ein Biobauer aus Galmsbüll, der von der Milchpreis-Diskussion nicht betroffen ist. „Unsere Milch verkauft sich gut.“

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