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Husumer Nachrichten

28. September 2016 | 13:58 Uhr

Bauern unter Druck : Landwirte im Hamsterrad

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Beim Kreisbauerntag war Referent Rolf Brauch zu Gast – und der packte auch sensible Themen wie Hofübergabe und Gewalt in Betrieben an.

Keine kostendeckenden Preise und unverhältnismäßige Bürokratie belasten viele Betriebe in der Landwirtschaft. „Zwischen den betrieblichen Anforderungen und den familiären Aufgaben geraten viele bäuerliche Familien unter die Räder“, betonte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt, Melf Melfsen, beim diesjährigen Kreisbauerntag in der Koogshalle in den Reußenkögen.

Viele Betriebe glichen einem Hamsterrad. „Nicht die Kühe, sondern die Landwirte sind inzwischen zu Marathonläufern geworden“, so Melfsen in seiner Begrüßung. Stress und Erschöpfung seien in den meisten Betrieben an der Tagesordnung. Inzwischen seien 17 Prozent der bäuerlichen Betriebe vorzeitig aufgegeben worden, rechnete der Vorsitzende vor. Doch wie kann man ökologisch wirtschaften und gleichzeitig die Lebensqualität in den bäuerlichen Familienbetrieben erhalten?

Auch wenn der Referent des Abends kein Patentrezept präsentieren konnte, lauschten rund 150 Zuhörer gebannt seinen Worten – denn Diplom-Agrar-Ingenieur Rolf Brauch von der evangelischen Landeskirche Baden hatte ein ganzes Feuerwerk von Ratschlägen im Gepäck. Früher galten die bäuerlichen Ehen in Deutschland als die stabilsten, so Brauch. Er erinnerte daran, dass damals leben und arbeiten als sinnstiftende Maßnahme verstanden worden seien. Diese Einstellung sei jedoch in vielen Betrieben verloren gegangen. „Wir benötigen aber Halt in unserem Leben, und den bekommen wir nicht durch Hektar oder Geld“, stellte der Referent klar. Als praktizierender Seelsorger sei er immer wieder mit Gewalt in bäuerlichen Betrieben konfrontiert worden. „Und die nimmt immer mehr zu“, berichtete er. Und damit appellierte er an seine Zuhörer, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Sich helfen zu lassen macht nicht hilflos“, so Brauch.

Weiter nahm er den Landwirt als Unternehmer unter die Lupe. „Als Unternehmer müssen Sie ihre eigenen Ziele kennen und dürfen neben der ökonomischen Bewirtschaftung die Lebensqualität nicht aus den Augen verlieren.“ Aber auch das schwierige und sensible Thema Betriebsaufgabe packte der Gastredner an. Um jeden Preis ökonomisch wachsen – das habe schon so manchem Betrieb das Genick gebrochen. „Wenn Du keine Perspektive für deinen Betrieb mehr siehst, dann habe den Mut, Dich geordnet zurück zu ziehen“, machte er deutlich.

Und mit seinen Thesen forderte er seine Zuhörer heraus. So könne Scheitern die richtige Antwort auf das Leben sein und die Chance zu einem anderen Neuanfang bedeuten. In diesem Zusammenhang ging er auch auf eine mögliche Hofübergabe ein, womit er so manchem Landwirt eine schwer zu schluckende Kröte mit auf den Weg gab. „Hofübergabe ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Beziehung“, lautete sein Credo. Dabei nahm er insbesondere die jüngere Generation ins Visier seiner Überlegungen. Wer den Hof seiner Eltern übernehme, müsse sie nicht kopieren. In diesem Zusammenhang nahm er die Eltern ins Gebet. „Die Hofübergabe sollte ein Geschenk in die Freiheit sein“, stellte er unmissverständlich klar. In gegenseitigen Respekt und Anerkennung sollte diese über die Bühne gehen.

Weiter ging der Referent auf die Paarbeziehung und die Familie ein. Die Familie sei die Kraftquelle des Lebens. Und auch hier in der Paarbeziehung und der Betriebsführung müsse die Frage nach dem Halt des Lebens geklärt sein. Und damit forderte er seine Zuhörer auf, die Paarbeziehung öffentlich deutlicher zu machen und zu pflegen. „Und dazu gehört unabdingbar die Bereitschaft zur Versöhnung und zum Verzeihen.“ Und dies würde sich auch auf die Führung des Betriebes auswirken. Am Ende seines Vortages ging Brauch auf die Nachbarschaftspflege ein. „Hier heißt es, Ellenbogen einziehen und die Hände reichen.“ Auch dies gehöre zu einem effizienten und erfolgreichen Betriebsführung.

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