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Husumer Nachrichten

23. März 2017 | 17:20 Uhr

Krankenhausplan für Nordfriesland : Land schiebt Klinikbetten nach Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Krankenhausplan 2017 des Landes trägt ersten Struktur-Veränderungen in Nordfriesland Rechnung: Für die Klinik Tönning steht die Zahl der Planbetten auf Null.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch in Eiderstedt. Viele wünschen sich inständig, dass die zum Jahreswechsel anstehende Schließung der Klinik in Tönning vielleicht doch noch abgewendet werden kann. Genährt wird diese Hoffnung auch durch das von den Syltern Lars Schmidt und Lasse Lorenzen sowie Markus Herpich von Föhr angestoßene Bürgerbegehren zur medizinischen Grundversorgung in Nordfriesland. Doch während die drei Initiatoren nun schon seit rund zehn Wochen auf eine Kostenschätzung des Kreises Nordfriesland für das Innenministerium warten (siehe unten), damit Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt werden können, hat das Land das kleine Krankenhaus in der Eiderstadt schon nicht mehr wirklich auf dem Zettel.

In der Übersicht über die im Krankenhausplan 2017 des Landes Schleswig-Holstein aufgenommenen Häuser taucht die Klinik, deren Aus der nordfriesische Kreistag im März beschlossen hatte, zwar noch auf. Aber die Zahl der sogenannten Planbetten ist von 34 für 2016 auf Null im kommenden Jahr gesetzt.

Und im detaillierten Krankenhaus-Planungsblatt für den Zeitraum bis 2022 heißt es bereits heute: „Die Klinik Tönning wurde zum 31. Dezember 2016 geschlossen.“ In ihren Vorbereitungen für das Bürgerbegehren haben sich die drei Insulaner schon auf dieses Problem eingestellt: In einer Fragestellung zielen sie darauf ab, den Standort Tönning „als Krankenhaus der Regelversorgung“ zu erhalten oder aber wiederzueröffnen.

Als solches firmiert weiterhin die Husumer Klinik des öffentlich-rechtlichen Konzerns Klinikum Nordfriesland. Für sie weist das Land künftig 277 statt bisher 242 vollstationäre Betten aus – plus 16 Tagesklinik-Plätze statt bisher zwölf im Bereich der Geriatrie. Die theoretisch für die Klinik Tönning errechneten Betten in 2017 sind damit Husum zugeschlagen worden. Gleiches gilt für jene sechs der bisherigen Fachabteilung „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ in der Klinik Niebüll.

Auch dieses Krankenhaus rangiert in der Versorgungsstufe „Regelversorgung“. Dort werden seitens des Landes von Januar an 126 vollstationäre Betten (bisher 111) ausgewiesen – weniger in der Chirurgie, aber deutlich mehr in den Bereichen Innere Medizin sowie Geriatrie. Hinzu kommen zwölf Tagesklinik-Plätze. Unter der Rubrik „Bemerkungen und Planungsempfehlungen“ heißt es dezidiert: „Endgültige Schließung der Fachabteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe zum 31. Dezember 2016.“ De facto ist diese – wegen Personalmangels – ohnehin bereits vollzogen.

Nachdem die Geburtsstation auf Föhr schon vor längerer Zeit geschlossen worden war, sind für die Inselklinik Föhr-Amrum als Haus mit „begrenzter Regelversorgung“ auch nach dem Jahreswechsel 18 vollstationäre Betten ausgewiesen. Für das Wyker Krankenhaus fließt also wohl weiterhin ein Sicherstellungszuschlag der Kassen in Höhe von rund zwei Millionen Euro. Zurzeit ist angesichts neuer Vorgaben auf Bundesebene allerdings nicht endgültig geklärt, ob künftig auch das Niebüller Haus auf diese Weise gestützt werden kann.

Bürgerbegehren: Initiatoren mahnen Kreis zur Eile an

„Lasst uns Nordfriesen endlich darüber entscheiden, ob wir für unsere Kliniken Geld in die Hand nehmen wollen, und zwar ohne weiter Verzögerungen!“ Diesen eindringlichen Appell richtet der Sylter Lasse Lorenzen unterdessen an den Kreis Nordfriesland. Gemeinsam mit Lars Schmidt, ebenfalls Sylt,  und Markus Herpich von Föhr hat er das Bürgerbegehren „Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland“ initiiert.  Zurzeit kommt das Trio aber nicht weiter, weil seit zehn Wochen die gesetzlich geforderte Kostenschätzung des Kreises Nordfriesland fehlt, damit Unterschriften gesammelt und der Bürgerentscheid eingeleitet werden kann.  „Es ist höchste Eile geboten“, so Lorenzen. „Tönning soll dichtgemacht werden, obwohl der Widerstand massiv ist. Alle wissen, dass allein von dort genug Unterschriften für einen Bürgerentscheid  zusammenkommen.“

Dabei verweisen die drei Insulaner   darauf, dass der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, Christian von der Becke, bereits  am 19. Oktober  in einer Veranstaltung der Initiative „Inselgeburt auf Föhr“ den Kostenrahmen als Folge eines erfolgreichen Bürgerentscheides skizziert hatte. Davon ausgehend rechnet die Initiative „Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland“ mit jährlichen Kosten von insgesamt 6,5 Millionen Euro, um das Defizit des Klinikbetriebs abzudecken, sowie einer Million Euro pro Jahr für die Hebammen-Versorgung. Hinzu kommt eine einmalige Investition in Höhe von 18,5 Millionen Euro für einen Klinik-Neubau  auf Sylt.

„Es gibt eine große Bereitschaft in der Bevölkerung und bei unseren Gästen, auch einen Beitrag zu leisten“, sagt der Föhrer Markus Herpich.  „Denn alle wollen wieder Kinder vor Ort bekommen und vor allem Sicherheit für die werdenden Mütter. Auch für die Notfallversorgung gibt es Unterstützung, wie die Klinik-Fördervereine beweisen.“ Und Lars Schmidt bekundet seinen Unmut: „Mich ärgert die Haltung von Landrat und führenden Kreis-Politikern: Wie kann SPD-Fraktionschef und Klinikums-Aufsichtsratsmitglied Thomas Nissen in einer öffentlichen Veranstaltung Zahlen äußern, die sich mit den Schätzungen des Klinikums-Geschäftsführers decken, die aber angeblich privat sein sollen?“ Wenn dann der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Uekermann einen Zeitplan zur Entscheidung über die Klinikstruktur präsentiere und dabei das Bürgerbegehren wie auch das Engagement der örtlichen Bürgerinitiativen komplett ignoriere, sei das ein Schlag ins Gesicht der Menschen. Bürgerbeteiligung leide unter einem solchen Verhalten. „Eine echte Gefahr für unsere Demokratie“, so Schmidt.

 „Da wir auch rechnen können, machen wir dem Landrat einen Einigungsvorschlag“, sagt Lasse Lorenzen:  „Die Klinik Tönning bleibt bis zum 30. Juni 2017 erhalten und der Kreis übernimmt unsere Kostenschätzung oder liefert eine eigene bis zum 16. Dezember 2016.“ Natürlich werde es Geld kosten, die Klinik Tönning über den Jahreswechsel hinaus offen zu halten. Ein guter Manager wie Christian von der Becke werde das aber  auch personell  hinbekommen, sofern er einen Auftrag von Politik und Verwaltung erhält.  „Man muss es nur wollen.“

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