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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 11:57 Uhr

Nordish-Gaming-Convention 2016 : Lan-Party in Husum: Eine große Spielerfamilie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Knapp 600 PC-Spieler feiern in Husum bis Sonntag die größte Lan-Party im Norden. Wir haben sie besucht.

Husum | „Wir spielen Spiele, die in den Medien nicht gut ankommen“, sagt der 26-jährige Marius aus Schleswig über seine Leidenschaft. Er spielt mit seinem Clan namens „Mopedtür“ die Egoshooter Counterstrike und Battlefield und tritt mit seinen Freunden gegen andere Teams an. Immer wieder stehen solche Spiele in der Kritik, sie seien gewaltverherrlichend und brächten Menschen dazu, Amok zu laufen. Marius und sein Team halten das für falsch. Hier sehe das fast jeder so.

Der Clan „Mopedtür“ ist auf der NGC dabei. Marius (26), Jan (31), Timo (26), Finn (21) und Nico (24, von links) spielen Egoshooter wie Counter Strike.
Der Clan „Mopedtür“ ist auf der NGC dabei. Marius (26), Jan (31), Timo (26), Finn (21) und Nico (24, von links) spielen Egoshooter wie Counter Strike. Foto: Gerrit Hencke

Noch bis Sonntag zocken sie gemeinsam auf der Nordish-Gaming-Convention (NGC), der größten Lan-Party in Norddeutschland, die in Husum bereits zum dritten Mal stattfindet. Während draußen die Sonne scheint, herrscht in den Hallen des Nordsee-Congress-Centrums (NCC) weitgehend Dunkelheit. Sie ist in gedämpftes, orangefarbenes Licht getaucht, knapp 600 Gamer sitzen hier an ihren teils optisch aufgemotzten Computern. 2014 waren es 200, im vergangenen Jahr schon 400 Teilnehmer – und das fast ohne Werbung.

In der Halle steht Martin Freese. Der 27-jährige Veranstaltungskaufmann und sein Team organisieren die NGC im dritten Jahr. Dieses Jahr ist die Lan-Party überverkauft, es mussten zusätzlich Plätze geschaffen werden. Spielplätze gibt es in drei Kategorien von 40 bis 100 Euro. Im Standard-Bereich müssen sich zwei Spieler einen 1,70-Meter-Tisch teilen. Mit dem Superior-Ticket hat man einen 1,20 Meter breiten Tisch für sich allein und eine noch schnellere Netzwerkverbindung. Als VIP sitzt man im Obergeschoss auf der Galerie. 250  000 Euro kostet die Netzwerk-Infrastruktur, die von der US-Firma „Brocade“ gestellt wurde. Am Ende rechnet Freese allein mit 6000 Euro Stromkosten.

Für Maarit aus Hamburg ist es die erste große Netzwerk-Party.
Für Maarit aus Hamburg ist es die erste große Netzwerk-Party. Foto: Gerrit Hencke
 

An den meisten Plätzen sitzen Männer. Nur rund fünf Prozent der Spieler auf der NGC seien Frauen, schätzt Freese, Tendenz allerdings steigend. Eine davon ist Maarit. Die 28-Jährige aus Hamburg ist mit ihrem Freund gekommen. Ihren ersten Computer bekam sie mit zehn Jahren. Seither spielt sie und mag vor allem Rollenspiele. Eine große Lan-Party stand bereits länger auf ihrer To-do-Liste. Immer war da die Frage: „Wer ist eigentlich dieser Lan und warum macht der so viele Partys?“ Im Superior-Bereich hat sie den aufgeräumtesten Schreibtisch. Um sie herum: Männer, Chips und Cola. „Das stört mich nicht, ich habe ohnehin mehr männliche Freunde.“ Die Atmosphäre sei daher entspannt. Sie sei allerdings die einzige hier, die sich Gemüse schnibbeln würde. Cola und Tiefkühlpizza gibt es bei der 28-Jährigen nicht – zu ungesund. Sie ist zum Spaß dabei.

Andere wollen auf der NGC Preise gewinnen. „In den Hauptturnieren spielen Gamer aus Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland um Sach- und Geldpreise. Im Counterstrike-Turnier werden 3000 Euro für die ersten drei Plätze ausgeschüttet. „Das ist in Deutschland mit das höchste Preisgeld“, sagt Freese. Hierzulande werde E-Sport noch immer etwas belächelt. „In Skandinavien oder den USA ist man da schon weiter.“ Dort verdienen einige Spieler ihren Lebensunterhalt mit dem Gaming. Freese hat das Potenzial des E-Sport erkannt und hofft auf weitere Sponsoren.

Claus steckt viel Geld in seinen Computer mit LED-Beleuchtung.
Claus steckt viel Geld in seinen Computer mit LED-Beleuchtung. Foto: Gerrit Hencke
 

Zum zweiten Mal dabei ist auch Claus (35) aus Rendsburg. Er spielt Battlefield-Turniere und war auf vielen Lan-Partys im Norden. Hier treffe man Freunde und lerne neue Leute kennen. Kühlbox, Feldbett und sein Highend-Rechner: Mehr braucht er nicht. In seinem PC stecken mehr als 1800 Euro. Diskussionen um Egoshooter findet Claus ebenfalls unsinnig. „99 Prozent können zwischen Wirklichkeit und Realität unterscheiden. Der Rest ist krank.“ Die Spiele seien jedenfalls nicht schuld daran, wenn jemand durchdrehe. Auf der NGC treffen sich die 99 Prozent. Eine große Spielerfamilie. Eben einfach Menschen, mit Spaß am Spielen.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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