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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:47 Uhr

Neue Windkraft-Planung : Kreis Nordfriesland verhängt Veränderungssperre

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Angesichts des neuen Windkraft-Regionalplans greift der Kreis jetzt zu einem ungewöhnlichen Mittel, um das einzigartige Landschaftsbild Nordfrieslands zu bewahren.

Um das einzigartige Landschaftsbild Nordfrieslands zu bewahren, greift der Kreis jetzt zu einem ungewöhnlichen Mittel: Damit im Zuge der neuen Regionalplanung des Landes nicht noch weitere große Areale mit neuen Windkraftanlagen zugebaut werden, soll eine Veränderungssperre greifen. Dazu will der Landrat in seiner Funktion als Untere Naturschutzbehörde ein Verfahren in Gang setzen mit dem Ziel, neue Landschaftsschutzgebiete auszuweisen. Dieses soll schon vom Sommer an greifen und weiträumige Festlands-Regionen für zunächst zwei Jahre sicherstellen. Das kündigten Dieter Harrsen und der zuständige Fachbereichsleiter in der Kreisverwaltung, Burkhard Jansen, gestern in einem Gespräch im Husumer Kreishaus an.

Konkret betroffen sind vier Gebiete, die in dem alten, vom Oberverwaltungsgericht Schleswig gekippten Regionalplan als sogenannte Charakteristische Landschaftsräume von der Windenergie-Nutzung ausgenommen waren. Dabei handelt es sich um die Wiedingharde und den Gotteskoog, die Geest- und Marschlandschaften der Soholmer Au und der Arlau sowie die Eider-Treene-Sorge-Region.

„Einziger Schutzzweck ist und bleibt der Erhalt des Landschaftsbildes“, betont Landrat Harrsen mit Blick auf die angepeilte Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten. „Mit dem alleinigen Verbotstatbestand der Windkraft-Nutzung“, verdeutlicht Burkhard Jansen. Denn eines ist beiden bewusst: Werden prägende Landschaftsräume Nordfrieslands auch noch mit Windkraftanlagen zugestellt, könnte es mit der breiten Akzeptanz in der Bevölkerung für diese Form der Energienutzung schnell vorbei sein. Gerade diese aber war ein zentraler Erfolg der aufwendigen Arbeiten an einem Kreiskonzept, das schließlich in den alten Regionalplan eingeflossen war . „Nordfriesland ist eine Region, die durch ihre Weiträumigkeit und Fernwirkung besticht“, betonte Burkhard Jansen. „Deshalb halten wir an den Charakteristischen Landschaftsräumen fest.“

Ohnehin sieht Harrsen für den Kreis Nordfriesland vor allem insofern Handlungsbedarf, als dass es darum gehe, vom ursprünglichen Konzept des Kreises möglichst viel in der Neuauflage des Regionalplanes durchzusetzen. So strebt der Kreis eine Alternativlösung für bestehende Anlagen an, die laut laufender Landesplanung unter schärfere Abstandsregelungen fallen. Damit würden diese künftig voraussichtlich außerhalb möglicher Windkraft-Vorrangflächen liegen und dann nur noch Bestandsschutz genießen. Dies soll selbst für Standorte gelten, die in der Vergangenheit nie umstritten waren.

Während das Land den Betreibern dieser Altanlagen ein Repowering im Verhältnis zwei zu eins an anderen Standorten ermöglichen will, plädieren Jansen und Harrsen statt starrer Abstände für eine flexiblere Vorgehensweise. Zuletzt galt ein Abstandspuffer von 300 Metern zu Einzelhäusern, 500 zu dörflichen sowie 1000 Meter zu städtischen Siedlungen. Künftig sollen es nach Vorstellung des Landes generell 400 bzw. 800 Meter sein. Wenn es nach dem Kreis Nordfriesland geht, könnte jeweils ein Abstand von 250 Metern als „hartes Tabukriterium“ gelten, um Flächen zu ermitteln, auf denen die Windneergie-Nutzung ausgeschlossen ist. Die verbleibende Distanz zu den neuen Abstandsregelungen wären dann nurmehr ein „weiches Tabukriterium“. Das heißt, in jedem Einzelfall – also auch beim Repowering bestehender Altanlagen außerhalb künftiger Vorrangflächen – könnte standortbezogen mit anderen Belangen abgewogen werden, ob eine Windkraft-Nutzung zulässig ist oder nicht. „Dann brauchen wir das gesamte Modell des Landes nicht“, glauben Harrsen und Jansen. Und, so der Landrat: Wenn weniger Altanlagen im Zuge des Repowering auf anderen Flächen umsiedeln müssen, gebe es auch keine „Verschwendung von Ressourcen“, die zwangsläufig entsteht, wenn bereits vorhandene Leitungen, Wege und Umspannwerke künftig nicht mehr genutzt werden.

Burkhard Jansen ging gestern im Übrigen auch davon aus, dass das Alternativ-Modell des Kreises die Kieler Windkraft-Ziele mit zwei Prozent der Landesfläche nicht gefährden würde. „Wir begrenzen nur und steuern. Das wird nicht dazu führen, dass das Land nicht ausreichend Flächen hat.“ Nach dem Energiewende-Minister Robert Habeck sich dafür ausgesprochen hatte, den Windkraft-Zubau in Schleswig-Holstein zu entschleunigen, will Landrat Harrsen den Kreis-Vorschlag auch als Chance begriffen wissen, „ein Stück Geschwindigkeit herauszunehmen“.

 

Politik entscheidet

Drei Fliegen mit einer Klappe: Hauptausschuss, Wirtschaftsausschuss sowie Umwelt- und Energieausschuss des Kreises lassen sich am Dienstag, 7. Juni, im Husumer Kreishaus (Marktstraße 6) von der Landesplanung über den Sachstand zur Teilfortschreibung Wind der Regionalpläne II informieren. Referent in der gemeinsamen öffentlichen Sitzung, die ab 14 Uhr im großen Sitzungssaal stattfindet, ist der Chef der Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller.  Anschließend kommt es zur Aussprache und Beratung. Gegebenenfalls wird ein Beschluss darüber gefasst, welche politische Haltung der Kreis NF in dieser Sache einnimmt.

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