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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 08:52 Uhr

Sicherheit auf SEe : Kommando voraus – aber gemeinsam

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die geplante Umstrukturierung und Abschaffung regionaler Einsatzgruppen für Brandbekämpfung auf See bereitet Nordseeschützern Sorge. Sie verlangen, dass die Politik mit ins Boot geholt wird.

Die vom Havariekommando geplante Umstrukturierung, in deren Zuge an mehreren Standorten an Nord- und Ostsee Sonder-Einsatz-Gruppen für die Bekämpfung von Schiffsbränden abgeschafft werden sollen, bereitet der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) Kopfzerbrechen. Der Vorsitzende der SDN, Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, hat zwar Verständnis für eine regelmäßige Überprüfung von Strukturen und Einsatzkonzepten – es komme allerdings darauf an, wer welches Fazit daraus zieht und umsetzt.

Das Havariekommando will die vorhandenen, für Großschadenslagen auf See ausgebildeten Feuerwehren und Rettungsdienste reduzieren. Stattdessen soll es zukünftig weniger für Spezialaufgaben qualifizierte Einsatzkräfte geben, die früher und schneller eingreifen können. „Diese als Umstrukturierung verharmloste Änderung von Zuständigkeiten gefährdet nicht nur die Verfügbarkeit ausreichender Kräfte bei Schiffsbränden oder bei einem Massenanfall von Verletzten – wie beispielsweise bei einer Fähren-Havarie“, gibt Harrsen zu bedenken. Das bedeutet, dass das Havariekommando nicht mehr nur die Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräften koordiniert, sondern für sich selbst eigene Zuständigkeiten schafft, um bei Schiffsunfällen Spezialisten zum Unfallort zu bringen.

Die Nordseeschützer erinnern daran, dass ein Grund für die Havarie des Holzfrachters „Pallas“, der 1998 brennend auf Amrum zutrieb und dort strandete, die unterschiedlichen Zuständigkeiten des Bundes und der Küstenländer waren. Das habe seinerzeit ein einheitliches und koordiniertes Vorgehen der Einsatzkräfte erschwert. Als Konsequenz hatten Bund und Küstenländer damals ein gemeinsames Unfallmanagement eingerichtet, um sich für komplizierte Schadenslagen auf Nord- und Ostsee zu wappnen: das Havariekommando. „Und dessen Auftrag“, so Harrsen, „ist gesetzlich festgelegt und soll auch so bleiben“.

Das Havariekommando hat die gesamte Einsatzleitung inne. Es wurde von Bund und Ländern mit erheblichen Haushaltsmitteln ausgestattet, Einsatzkräfte an der gesamten Küste wurden für die Bekämpfung von Schiffsbränden und die Versorgung von Verletzten auf See qualifiziert und mit Spezialgerät ausgerüstet. Wenn nun das Verkehrsministerium plane, diese Struktur zu ändern, müsse das von den politischen Gremien in Bund und Ländern zunächst beraten und beschlossen werden, betont der SDN-Vorsitzende. Der Versuch der Verwaltung, so grundlegende Änderungen über einen Beschluss des „Kuratoriums Maritime Notfallvorsorge“ zu beschließen – und das ohne Beteiligung von Öffentlichkeit und Politik –, sei durch die Vereinbarung nicht abgedeckt.

Rechtsgrundlage für die Einrichtung und das Handeln des Havariekommandos ist – zumindest in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – ein vom Landtag beschlossenes Gesetz. „Und das kann nicht von Verwaltungsbeamten in einem Kuratorium so massiv verändert werden“, sind die Nordseeschützer überzeugt. Für den verkehrsbezogenen Brandschutz ist ausschließlich die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) zuständig. Sie unterstützt bei Schiffsbränden die Bord-Feuerwehr – alle Seeleute sind nach internationalen Standards dafür ausgebildet – mit den Feuerlösch-Kapazitäten der Mehrzweckschiffe und Notschlepper. „Wenn der Bundesverkehrsminister Schiffsbrandbekämpfungs-Spezialisten braucht, muss die WSV sie bekommen und nicht das Havariekommando“, stellt Harrsen fest. Die Bundesregierung dürfe diese Verantwortung nicht auf eine gemeinsame Koordinierungseinrichtung verlagern, um die Küstenländer an diesen Bundes-Kosten zu beteiligen.

Kritisch bewertet die SDN auch die Aussagen des Havariekommandos zum Thema, wie man durch Hubschrauber zu schnellen Lagebildern auf Nord- und Ostsee kommt. Dafür empfiehlt die SDN dem Ministerium eine Kontaktaufnahme mit der Gesellschaft für Flugziel-Darstellung, die eine Staffel gut ausgerüsteter, schneller Flugzeuge in Hohn bei Rendsburg betreibt. Diese „fliegenden Augen“ können präzise und schnell Lagebilder liefern. Die Schutzgemeinschaft empfiehlt Bund und Ländern, nach mehr als zehn Jahren endlich zu klären, welche Ressourcen zurzeit an den deutschen Küsten bei Behörden und Unternehmen vorhanden sind und in ein modernes Küstensicherheits-System eingebunden werden können – ohne dass dafür gut eingespielte Einsatzkräfte geschwächt werden.

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