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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Wohlfühl-Serie : Kneippen im Niebüller Paradies

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Serie „Die Entschleuniger“ geht es heute um die Niebüllerin Ilona Hahn-Nissen, die in einer grünen Oase Kneipp-Behandlungen anbietet.

Sie sorgen dafür, dass Urlauber Nordfriesland noch intensiver erleben können: In der Sommerserie „Die Entschleuniger“ stellen wir Menschen aus der Region vor, die Gästen und Einheimischen dabei helfen, mal wirklich runterzukommen.

Ein schmaler Sandweg führt vom Parkplatz durch ein kleines Waldstück zur Wehle. Das Gewässer ist umgeben von Bäumen und Wiese. Ein Holzhaus spendet Schatten, ein Steg führt ins Wasser und draußen schwimmt ein Floß.

„Das ist unser Paradies“, sagt Ilona Hahn-Nissen. Die Vorsitzende des Kneipp-Verein Südtondern bietet montags und donnerstags ab 8.15 Uhr Frühgymnastik und Wassertreten an der Wehle in Niebüll an.  „Sport und Bewegung fördern das Ausschütten von Endorphinen. Die Laune bessert sich und der Körper bekommt durch die vertiefte Atmung mehr Sauerstoff“, erklärt die Niebüllerin. Zumindest in der Niebüller Gruppe scheint das Konzept aufzugehen: So befindet sich in der Frühgymnastik-Gruppe auch eine 95-Jährige, die regelmäßig teilnimmt und vorher noch eine Runde in der Wehle schwimmt.

„Nach Sebastian Kneipp gibt es fünf Elemente: Wasser, Bewegung, Heilpflanzen, Ernährung und Ordnung“, erklärt Hahn-Nissen das Gesundheitskonzept des Vereins. Wasser und Bewegung spielen bei der Frühgymnastik eine große Rolle. „Erst Power und anschließend Entspannung.“

Die Kneippschen Anwendungen sollen den Teilnehmern helfen, ein Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln – aber auch ihre Schmerzen zu lindern. „Fast alle von uns leiden an einer chronischen Krankheit“, sagt die Heilpraktikerin, die Fibromyalgie (Muskelschmerzen) und eine Rückenerkrankung plagen. Sie hat gelernt, mit ihren Schmerzen umzugehen, ihr half der Kneippsche Ansatz. „Heute bin ich nicht mehr auf Schmerztabletten angewiesen.“

Im Niebüller Natur-Paradies stehen die Teilnehmer der Frühgymnastik breitbeinig in einem Kreis auf der Wiese. Die Arme sind zum Himmel gestreckt. „Beugt euch langsam nach vorne bis eure Hände zum Boden zeigen“, gibt Hahn-Nissen Anweisungen. Die Gruppe nimmt die Aufgabe an – jeder versucht es, so gut er kann.

Hahn-Nissen wurde 1956 in Bochum geboren und wohnt heute mit ihrem Mann in Niebüll. Die 59-Jährige machte eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Nach einem Jahr als Sekretärin einer Fahrschule in Flensburg arbeitete sie fünf Jahre als angelernte Arzthelferin. Sie pflegte ihre Schwiegereltern anschließend besuchte sie eine Heilpraktiker-Schule. „Als ich schließlich durchstarten wollte, wurde ich krank“, sagt die fünffache Mutter und siebenfache Großmutter. Den Heilpraktiker-Job hauptberuflich auszuüben wäre zu stressig geworden. „Und Stress ist für Schmerzpatienten schlecht“.  Seit 21 Jahren ist Ilona Hahn-Nissen Mitglied des Kneipp-Vereins Südtondern, der 1990 von der Heilpraktikerin Maria Nissen-Deutschmann gegründet wurde. Erst war die 59-Jährige Schriftführerin, seit elf Jahren ist sie die Vorsitzende.

Und wie kam es zu dem ansehnlichen Kräutergarten? Vor elf Jahren entschied die Jugendherberge in Niebüll, sich einen Kräutergarten zuzulegen. Mit der Hilfe der Stadt und dem Kneipp-Verein entstand ein vielseitiges grünes Paradies. Neben einer Spirale mit Gartenkräutern verfügt das gemeinsame Projekt auch über ein Beet mit beruhigenden Pflanzen. Hahn-Nissen nutzte den Anlass und absolvierte eine Ausbildung zur Kräuterexpertin. Zunächst konzentrierte sie sich auf Masken und Peelings, spezialisierte sich schließlich auf Wellness- und Spa-Therapie.  Neben der Frühgymnastik bietet der Kneipp-Verein auch Workshops mit Kräutern und Heilpflanzen im Kneipp’schen Kräutergarten an. Im August finden jeweils ab 17 Uhr Veranstaltungen mit den Schwerpunkten Tees, Kräutersäckchen oder Kosmetik statt. Im Anschluss ab 19.30 Uhr können Interessierte an einer Gartenführung teilnehmen. Es werden auch Kneippsche Anwendungen wie Knie-Guss oder Wassertreten zum besseren Einschlafen gezeigt.

Die Frühgymnastik-Gruppe ist fertig. Gemeinsam laufen sie zu den Handläufern im Wasser. Dann betreten sie mit storchenartigen Schritten die Wehle. Jeder läuft drei Runden um die Stangen. „Wichtig ist beim Abstreifen des Wassers, das man zum Herzen hin streift“, sagt Ilona Hahn-Nissen als sie aus der Wehle kommt.

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erstellt am 14.Aug.2016 | 17:00 Uhr

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