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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 01:35 Uhr

Nordfriesland : „Klinikum vor erfolgreicher Zukunft“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei einem öffentlichen Diskussionsabend in Niebüll versprüht der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, Christian von der Becke, Optimismus.

Krankenhäuser haben einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Dabei unterliegen sie aber auch wirtschaftlichen Zwängen und ehernen Marktgesetzen. Wie dem von Angebot und Nachfrage. Womit man bei der viel zitierten Abstimmung mit den Füßen ist, die am Ende des Tages stets über Wohl und Wehe eines Klinik-Standortes entscheidet. Wer nicht dauerhaft im immer defizitäreren Bereich operieren und damit todsicher den Kollaps herbeiführen will, muss seine Strategie also dieser normativen Kraft des Faktischen anpassen.

Im Klinikum Nordfriesland, zu dem (noch) die Häuser in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk auf Föhr mit insgesamt (noch) 429 Betten gehören, ist dieser Prozess im vollen Gange. Nachdem der Kreistag die Schließung des Eiderstedter Standortes zum 30. Juni 2017 angeordnet hat, gilt es nun, für die danach verbleibenden zwei Festlands-Kliniken die bestmögliche Struktur zu finden – oder am Ende gar einem komplexen Neubau an zentraler Stelle den Weg zu bereiten.

„Leistungen an einem Krankenhaus konzentrieren, bevor man zwei kleine Standorte hat, und die Notfallversorgung in der Region weiter sicherstellen“, heißt in diesem Stadium die Parole – ausgegeben am Mittwochabend in der Mensa der Niebüller Friedrich-Paulsen-Schule vom Chef persönlich. Als „bundesweit notwendige strategische Maßnahme“, bezeichnete Christian von der Becke, der seit Anfang Juni die Geschäftsführung der wirtschaftlich angeschlagenen Klinikum Nordfriesland gGmbH innehat, diesen Schritt. Zur Kenntnis genommen haben dies 200 Gäste, die der Einladung der SPD zu einer Diskussion über die Klinikums-Zukunft gefolgt waren. Neben von der Becke auf dem Podium vier Sozialdemokraten: Landes-Chef Ralf Stegner, der moderierende Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen, Kreistagsfraktions-Vorsitzender Thomas Nissen und Niebülls Ortsvereins-Chef Hendrik Schwind-Hansen.

„Wir haben in den letzten vier bis sieben Monaten eine sehr positive Entwicklung nehmen können und auf jeden Fall eine erfolgreiche Zukunft vor uns“, sagte von der Becke. So seien in Husum zum Beispiel mittlerweile schon Kapazitäten ausgeschöpft, so dass man wieder damit beginnen könne, Operationen nach Niebüll zurückzuverlagern. „Wir kommen dem Ziel, auch in der Fläche gleiche medizinische Standards zu bieten, immer näher.“

Viel hängt davon ab, welche neuen Vorgaben für Sicherstellungszuschläge der Gemeinsame Bundesausschuss derzeit ausarbeitet. Da gehe es, so von der Becke, etwa um Entfernung, Erreichbarkeit und Qualität – also Vorhaltung von Apparatur und Personal: „Ich habe die Befürchtung, dass der Zuschlag auch für Föhr auf der Kippe steht.“ Die neuen Richtlinien seien bis Ende des Jahres zu erwarten und spätestens bis März müsse klar sein, „ob wir mit Sicherstellungszuschlägen arbeiten können oder neu nachdenken müssen“, erklärte Kreispolitiker Nissen dazu.

Illgens Frage, was das Land tun könne, um die Krankenhaus-Landschaft in der Fläche zu stärken, beantwortete Stegner mit Willensbekundungen: „Unsere Aufgabe ist es, in die Infrastruktur und damit auch in die moderne Krankenhaus-Form zu investieren.“ Im Übrigen seien viele Dinge – wie etwa eine solidarisch paritätisch finanzierte Bürgerversicherung, für die die SPD kämpfe – über politische Rahmenbedingungen zu regeln. „Wir werden uns dafür mit vielen mächtigen Gegnern anlegen.“ Das Konzept der Zukunft sei die Telemedizin, so Stegner weiter: „Wenn der begleitende Arzt unterwegs gleich feststellen kann, wie und wo der Patient am besten versorgt wird, spart das wertvolle Zeit – und auch Kosten.“

Eine gewisse Zeit, um dem Klinikum Nordfriesland ein zukunftsfähiges Konzept zu verpassen, ist auch Peter Ewaldsen gewillt, den Verantwortlichen einzuräumen. „Wenn die Veränderungen allerdings dazu führen, dass Niebüll am Ende nur noch ein Krankenhaus-Portal ist, bitte ich darum, uns vorher Bescheid zu sagen“, wandte sich Südtonderns Amtsvorsteher direkt an von der Becke: „Denn das wollen wir nicht!“

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erstellt am 30.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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