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Husumer Nachrichten

28. März 2017 | 00:20 Uhr

Nordfriesland : „Klinikum nicht an die Wand fahren“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bürger sollen über das Rettungskonzept für das Klinikum Nordfriesland entscheiden. Dafür spricht sich auch die CDU-Basis aus. Das Land wird aufgefordert, eine Geburtshilfe-Konzeption vorzulegen.

Ein Bürgerentscheid über das Konzept der Kreistags-Mehrheit zur Modernisierung und langfristigen Sicherung der Kreis-Kliniken wird immer wahrscheinlicher. Nach den Sozialdemokraten sprach sich am Montagabend auch die CDU-Basis dafür aus, Nordfrieslands Bürgern „die Entscheidung über dieses wichtige Zukunftsthema zu übertragen“. Das Votum des Kreisverbandsausschusses der Christdemokraten in Bredstedt fiel einstimmig aus.

Das Zukunftskonzept mit geplanten Investitionen von 48,5 Millionen Euro an den Klinik-Standorten Niebüll und Husum sei realisierbar, zeigte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Manfred Uekermann, im Bredstedter Sool auf. Die Förderanträge seien schon gestellt und das Land habe seine Bereitschaft signalisiert, das über mehrere Jahre laufende Investitionsprogramm mit umzusetzen. Ähnliches gilt laut Uekermann für die Banken, zumal der Kreis Nordfriesland für das Maßnahmen-Paket in Husum und Niebüll, die Sicherung der Klinik Wyk, eines leistungsfähigen medizinischen Versorgungszentrums in Tönning sowie die Notfallversorgung rund um die Uhr in der Region Eiderstedt selbst insgesamt mehr als 13 Millionen Euro wird aufbringen müssen.

Aber: „So kann das Klinikum Nordfriesland in ruhiges Fahrwasser kommen“, ist sich Uekermann sicher. „Alles andere kann dazu führen, dass unsere gGmbH an die Wand gefahren wird und davon hat dann keiner mehr was“, sagte der Fraktions-Chef mit Blick auf das „Wunschkonzert“ (Uekermann) der drei Initiatoren des geplanten Bürgerbegehrens „Zukunft. Grundversorgung Nordfriesland“.

Um den Dreien, die einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Schleswig gestellt haben, nicht noch in die Hände zu spielen, wird der Kreistag im nächsten Monat womöglich nicht selbst über den Rettungsplan für das Klinikum Nordfriesland abstimmen. „Es könnte passieren, dass wir gar nicht mehr entscheiden können“, sagte Uekermann mit Hinweis auf die Gefahr von Formfehlern im Vorfeld der Gerichtsentscheidung.

Der kreispolitische Fahrplan würde dann so aussehen: Am 30. Januar beraten drei zuständige Kreis-Ausschüsse über Weisungsbeschlüsse an die Gesellschafterversammlung zur Klinikums-Struktur und an den Landrat zur künftigen Notfallversorgung in Eiderstedt. Deren Empfehlung würde dann zwar am 10. Februar im Kreistag beraten, aber nicht beschlossen, sondern stattdessen der für den 7. Mai angepeilte Bürgerentscheid auf den Weg gebracht.

Das parallel angekündigte Bürgerbegehren der drei Insulaner von Sylt und Föhr ist nach Überzeugung der CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Astrid Damerow „in keinster Weise hilfreich“. Es konterkariere das von sechs Kreistags-Fraktionen getragenen Zukunftskonzept für eine qualitativ gute Grund- und Regelversorgung. „Wir müssen den Bürgern ehrlich sagen, was geht und was nicht. Wir versprechen nur das, was wir nach heutigem Stand auch umsetzen können – alles andere sind Blanko-Schecks auf die Zukunft“, betonte Damerow.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens suggerierten mit ihren Forderungen, dass einfache Lösungen möglich sind. „Das Ganze ist aber so nicht umzusetzen und hat vor allem einen hohen Preis, den alle Bürger dann auch bezahlen müssten“, so Damerow. Müsste ein jährliches Defizit von mehr als 20 Millionen Euro via Kreisumlage auf die nordfriesischen Städte und Gemeinden umgelegt werden, könnten diese vieles andere nicht mehr leisten.

Die Situation der Geburtshilfe in Südtondern, auf Sylt und Föhr/Amrum stufen die Christdemokraten unterdessen als kritisch ein. Die Regierung in Kiel wird deshalb aufgefordert, „endlich ihre Konzeption zur Geburtshilfe im Land vorzulegen“. Boarding-Angebote müssten verbessert, Notfallkonzepte weiterentwickelt und eine zeitlich lückenlose Rufbereitschaft der Hebammen sichergestellt werden. Initiativen zur Einrichtung von Geburtshäusern soll der Kreis unterstützen, gleichzeitig aber weiterhin Personal suchen, „um die Basis für die Wiedereröffnung stationärer Geburtshilfe-Einrichtungen zu schaffen“. Das gestaltet sich unverändert schwierig: „Unser Grundproblem ist es, dass wir keine Ärzte finden – und Hebammen auch nicht“, sagte Damerow.

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erstellt am 25.Jan.2017 | 07:00 Uhr

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