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Husumer Nachrichten

29. Juni 2016 | 13:01 Uhr

Gestrandet in St. Peter-Ording : Kleiner Schweinswal in großer Not

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

St. Peter-Ordings Bürgervorsteher Boy Jöns hilft Meeressäuger, der an der Sandbank gestrandet war, wieder zurück in die Nordsee.

Welch’ aufregenden Vormittag er erleben würde, das ahnte Boy Jöns nicht, als er am Sonnabendmorgen zu einer ausgedehnten Tour auf der Sandbank von St. Peter-Ording aufbrach. Er war bei Sonnenaufgang losgezogen, um Bernstein zu sammeln. „Ich war mit dem Fahrrad die Badbrücke runtergeradelt und dann rüber auf den Strand Richtung Böhl. Schon von fern sah ich eine dunkle Masse im Wasser liegen. Ich dachte zunächst, es sei Müll oder ein Seehund.“ Beim Näherkommen bemerkte Jöns, dass sich die Masse bewegte. Also ein Seehund. „Doch dann war mir klar: Es ist ein Schweinswal.“ Diese kleinste und einzige heimische Walart kommt in Nord- und Ostsee vor. Sie ist in ihrem Bestand durch Umweltgifte und besonders durch Stellnetzfischerei bedroht. Ein Video von Boy Jöns zeigt den gestrandeten Schweinswal:

Warum auch immer, das Tier war bei ablaufenden Wasser an der Sandbank gestrandet. „Es hatte sich mit seiner Fluke schon eine richtig tiefe Kuhle gegraben. Es war sehr aufgeregt. Als ich es streichelte, fühlte ich hinter seiner Flosse, wie das Herz schnell pochte.“ Fast ebenso aufgeregt wie der kleine Meeressäuger war Boy Jöns selbst. Mitten auf der Sandbank ganz allein, wie sollte er dem Schweinswal helfen? Mit eigener Kraft konnte er das rund 1,80 Meter lange und wohl 50 bis 60 Kilogramm schwere Tier nicht ins tiefere Wasser bewegen. Per Handy klingelte er bei Bürgermeister Rainer Balsmeier an. Der verwies ihn an Seehundjäger Bodo Jensen. Der Zufall wollte es, dass dieser gerade am nördlichen Ende der Sandbank unterwegs war, innerhalb von zehn Minuten erreichte er mit seinem Auto Jöns und den Schweinswal. Per Anruf versicherte sich Jensen bei der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover in Büsum, die auf Wildtiere spezialisiert ist, was zu tun sei. Sie wollten dem Walbullen ja helfen und ihn nicht noch zusätzlich gefährden. Da das Tier äußerlich unverletzt war, hievten sie ihn auf eine Plastikplane, um ihn damit ins tiefere Wasser zu ziehen. Ein Spaziergänger half dabei.

„Und da hatten wir das nächste Problem: Es war Ebbe, und das Wasser läuft dort ziemlich schnell ab.“ Also holte Jensen von zuhause zwei Wathosen und eine stärkere Plane. In der Zwischenzeit passte Jöns auf den Wal auf, immer wieder musste er große Möwen vertreiben, die sich an dem Meeressäuger gütlich tun wollten. Mit großer Vorsicht starteten die beiden Männer den zweiten Rettungsversuch. „Wir mussten ja aufpassen, dass die Flosse nicht verletzt wurden, er lag ja auf der Seite, und das kein Wasser in sein Atemloch läuft, sonst wäre er ertrunken“, berichtet Jöns.

Schließlich stand den beiden Männer das Wasser bis zum Bauchnabel, da endlich war es tief genug für den Schweinswal. Wieder folgten bange Minuten. Würde er sich aufrichten und würde er weiter in die offene See schwimmen? „Das Aufrichten klappte, aber erst schwamm er parallel und dann auch noch Richtung Ufer“, erinnert sich Jöns. Doch schließlich fand das Tier seine Orientierung wieder. „Wir konnten seine Finne langsam verschwinden sehen.“

Boy Jöns ist sehr beeindruckt von seinem Erlebnis. Seit er fünf Jahre alt ist, ist er regelmäßig auf der Sandbank unterwegs, aber einem lebendigen Schweinswal ist er dabei noch nie so nahe gekommen. „Es war sehr berührend zu spüren, wie er sich beruhigte, als ich ihn streichelte. Und seinen Blick, den werde ich nie vergessen, die Augen waren so lebendig, es ist eben ein Säugetier und kein Fisch.“ Jöns ist froh, dass er sein Handy an diesem Morgen dabei hatte. „Normalerweise will ich auf der Sandbank ungestört sein.“ Für den Schweinswal war es die Rettung, denn, so Bodo Jensen, „ohne Boy Jöns hätte der Schweinswal nicht überlebt“.

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erstellt am 01.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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