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Husumer Nachrichten

28. März 2017 | 14:15 Uhr

Nordfriesland : Kita-Datenbank – geht’s auch ohne Druck?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kreis NF will eine Kita-Datenbank einführen – flächendeckend. Wer nicht mitzieht, soll künftig weniger Zuschüsse erhalten, und zwar durch eine Kürzung der Betriebskosten-Zuschüsse.

Wer Sorge hat, für seinen Nachwuchs keinen Kindergarten-Platz abzubekommen, geht auf Nummer sicher: Vor allem in großen Orten melden Eltern ihre Sprösslinge deshalb vorsorglich gleich in mehreren Kindertagesstätten (Kita) an. In Husum kumuliert dieses Problem. Dort sind nach Kenntnis des Kreises einige Kinder bereits seit ihrer Geburt in bis zu zehn Krippen angemeldet. Andere Eltern landen dadurch mit ihren Sprösslingen hinten auf der Warteliste und müssen bangen, bis sie erfahren, dass es am Ende doch noch klappt mit dem Platz in der Wunsch-Kita.

Eine verlässliche Bedarfsplanung ist so schlichtweg nicht möglich. Kommunen, Träger und Einrichtungen stochern hinsichtlich der tatsächlichen Nachfrage vielfach im Nebel. Und berufstätige Eltern kostet die Ungewissheit meist unnötig Nerven.

Den Ausweg aus diesem Dilemma soll eine neue landesweite Datenbank weisen, das Kita-Portal Schleswig-Holstein. Ihr entscheidender Vorteil: Jedes Kind wird nur einmal erfasst, so dass Mehrfach-Anmeldungen und somit verfälschte Bedarfszahlen ausgeschlossen sind. Das würde die Arbeit von Kommunen und Kita-Trägern deutlich erleichtern. Und auch Eltern könnten die Datenbank nutzen, um sich stets aktuell über passende Einrichtungen und freie Plätze zu informieren.

Sinn macht das Kita-Portal freilich nur, wenn es flächendeckend eingeführt wird. Da eine verpflichtende Regelung auf Landesebene aber derzeit nicht vorgesehen ist, möchte die Kreisverwaltung zumindest für Nordfriesland erreichen, dass sich alle Kitas ohne Ausnahme an dem neuen Modell beteiligen. Das ist nach Vorstellung der Kreisverwaltung nur über einen „finanziellen Anreiz“ zu erreichen.

Weil der Kreis chronisch klamm ist, soll ein Kunstgriff angewendet werden: So wird vorgeschlagen, den Kreiszuschuss für das pädagogische Personal von 2019 an von heute sechs auf vier Prozent zu senken. Nur noch jene Einrichtungen, die die Kita-Datenbank verbindlich nutzen, würden dann künftig den zusätzlichen Personalkosten-Zuschuss in Höhe von zwei Prozent und somit den Kreiszuschuss im bisherigen Umfang erhalten. Spätestens bis Ende Juli 2018 sollen sich alle Kitas in Nordfriesland der Datenbank angeschlossen haben, ab Januar 2019 würde dann die neue Satzung zur Förderung der Kitas greifen. Klappt die Umsetzung in Einzelfällen nicht, behält sich der Kreis NF Rückforderungen vor.

Allerdings: Während Ziel und Zeitplan der Kreisverwaltung politisch durchaus konsensfähig sind, gibt es Kritik am Vorgehen: „Das macht man nicht mit der Keule oder dem Vorschlaghammer, sondern auf ordentlichem Weg“, monierte Carsten F. Sörensen (SPD) im Jugendhilfeausschuss das Verfahren und auch die willkürlich gegriffene Höhe der Abstriche. Die Datenbank mache unbestritten Sinn, sagte sein Fraktionskollege Jürgen Laage. Aber: „Vor dem Druck kommt doch die Freiwilligkeit.“ Auch Mery Ebsen von der Wählergemeinschaft NF lehnte den als Druckmittel eingesetzten Betriebskosten-Zuschuss ab.

Daniel Thomsen, Fachbereichsleiter für Jugend, Familie und Bildung, verwies hingegen darauf, dass die kommunale Seite den Kreis explizit gebeten habe, das neue System einzuführen. Mit einem auf Freiwilligkeit basierenden System werde man aber wohl nicht alle dafür gewinnen. Überdies hätten alle Beteiligten einen ausreichend langen zeitlichen Vorlauf. „Die Eltern haben den größten Mehrwert davon. Sie sehen dann in ganz Nordfriesland, wo noch Plätze frei sind“, warb Thomsen für die Datenbank. Dieser Argumentation schlossen sich die Ausschussvorsitzende Birte Matthiesen und ihre Stellvertreterin Telse Dierks (beide CDU) an.

Die Idee eines Pilotversuchs etwa in Husum, wie ihn Heinke Arff anregte, wurde im Ausschuss nicht weiterverfolgt. Ein Vorschlag des SPD-Kollegen Jürgen Laage brachte am Ende der Diskussion dann aber einen Durchbruch: Bei zwei CDU-Gegenstimmen votierte der Jugendhilfeausschuss dafür, die im Grundsatz von allen begrüßte Datenbank zum 1. Januar 2019 kreisweit einzuführen. Dem Kreistag wurde aber empfohlen, die Einführung der Datenbank im Konsens mit den Kita-Trägern und Kommunen realisieren zu lassen. „Wenn alles nicht hilft, kann man später immer noch Druck ausüben“, so Laage.

Im Finanz- und Bauausschuss dann sahen die Mehrheitsverhältnisse allerdings schon wieder anders aus: Mit sechs zu vier Stimmen votierte das Gremium nach ähnlich verkaufender Diskussion dafür, dem Kreistag doch lieber eine Sanktionsmöglichkeit für die von der kommunalen Runde und fast allen Kita-Trägern befürwortete Lösung zu empfehlen. In diesem Zusammenhang betonte Landrat Dieter Harrsen: „Das ist nur erforderlich, weil die Landesregierung nicht zu Ende gedacht hat.“ Denn in dem Moment, wo Träger sich nicht beteiligen, werde das ganze System wertlos. „Nun versuchen wir, das wenigstens für Nordfriesland zu heilen“, sagte Harrsen.

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erstellt am 09.Mär.2017 | 13:00 Uhr

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