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Husumer Nachrichten

29. Mai 2016 | 09:38 Uhr

Gottesdienst zur Einweihung : Kirchen-Sanierung für 200.000 Euro

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schwesinger Kirchengemeinde feiert. Der Kirchenturm mit Uhr wurde für 200.000 Euro saniert. Neu eingedeckt wurde einer der ältesten Türme des Kreises mit Eichen-Schindeln.

Monatelang war der Schwesinger Kirchturm eingerüstet, innen wie außen wurde emsig daran gearbeitet. Nun präsentiert sich der Turm der mehr als 800 Jahre alten Kirche mit neuen Eichen-Schindeln auf dem Dach. Auch das alte mechanische Turmuhrwerk erklingt wieder, nach jahrzehntelangem Stillstand. Diese und einige andere Neuerungen sollen am Sonntag (21.) ab 10 Uhr mit einem Festgottesdienst gefeiert werden. Hierzu lädt Pastor Jürgen Kaphengst seine 3200 Kirchenglieder ein. Im Anschluss gibt es in der Kirche einen kleinen Imbiss, und es werden Fotos und Filme der verschiedenen Bauphasen gezeigt. Und für alle, die sich den beschwerlichen Weg über diverse steile Stiegen, Leitern und Treppen zutrauen, gibt es die Möglichkeit, in geführten Gruppen den Kirchturm zu besteigen.

Die alte Schwesinger Feldsteinkirche wurde um das Jahr 1200 errichtet und gehört damit vermutlich zu den ältesten Kirchen im nordfriesischen Raum. Dass im Laufe der Jahrhunderte der Zahn der Zeit kräftig am Gemäuer nagte, ist nachvollziehbar, dennoch war der Schreck groß, als vor knapp sechs Jahren festgestellt wurde, dass die mehr als 40 Jahre alte Holzschindel-Eindeckung morsch geworden war. Schnell war klar, dass die Gemeinde die damals mit mindestens 150.000 Euro angesetzte Dacherneuerung niemals alleine würde stemmen können. Und so war Pastor Kaphengst froh, als sich der Kirchenkreis Nordfriesland bereit erklärte, die Kosten zu übernehmen, Schwesing musste einen Eigenanteil von 20.000 Euro leisten.

„Unsere Gemeinde war sehr großzügig. Durch Spenden, Kollekten und Sammlungen haben wir 36.000 Euro zusammen bekommen“, freut er sich. Die sind aber auch nötig, denn insgesamt beläuft sich die Sanierung nunmehr auf rund 200.000 Euro, denn im Laufe der Zeit kam noch einiges hinzu, was im Zuge der Instandsetzung erledigt werden musste – wie das so ist bei alten Bauwerken. Damit das neue Dach aus Eichen-Schindeln möglichst lange hält, wurde die Unterkonstruktion so verschalt, dass die Luft besser zirkulieren kann. Den Dohlen wurde der Zugang durch Abdichtungen verwehrt. Seitdem umkreisen sie das neue Dach und suchen vergeblich nach ihren alten Schlupflöchern.

Das Gebälk im Turm musste abgestützt werden und auch die wuchtigen schmiedeeisernen Anker auf den Außenwänden erwiesen sich als reparaturbedürftig. An einigen Stellen waren sie komplett weggerostet und hatten bereits Löcher ins Mauerwerk gerissen. Zu guter Letzt wurde dann noch der Wetterhahn mit Hilfe eines Spezialkrans abmontiert und Tage später frisch vergoldet wieder auf die Kirchturmspitze gesetzt.

Bei all den Sorgen um den maroden Turm, der bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten im vergangenen Sommer noch einige Jahre lang mit kleineren Reparaturmaßnahmen über Wasser gehalten werden musste, gab es in dieser Zeit auch einen Grund zur Freude. Über Jahrzehnte hinweg hatte das aus dem Jahr 1898 stammende, mechanische Weule-Turmuhrwerk unbeachtet auf dem Glockenturm herumgestanden, denn schon vor langer Zeit war man dazu übergegangen, das Glockengeläut elektrisch zu steuern. Als Fachleute feststellten, dass es nach einer gründlichen Überholung wieder einwandfrei funktionieren könnte, beschloss die Kirchengemeinde, es gangbar zu machen. „Damit wagen wir nun einen Schritt zurück ins Mittelalter“, schmunzelt Pastor Kaphengst, der Mitglieder gefunden hat, die abwechselnd alle zwei bis drei Tage in den Turm steigen, um das Uhrwerk mit einer Kurbel aufzuziehen. Dabei ist viel Feingefühl gefragt, denn die Witterung sorgt ebenso für Ungenauigkeiten wie Kälte oder Wärme. In einem Buch protokollieren die Uhrwerk-Betreuer daher nicht nur Datum und Uhrzeit des Aufziehens, sondern auch die zu dem Zeitpunkt herrschende Temperatur im hölzernen Kirchturm.

„Seit das Uhrwerk wieder mit dem Stundenschlag verbunden ist, wird die Zeit alle halbe und zu jeder vollen Stunde angeschlagen. Zudem konnte ein Schlaghammer an der großen Glocke installiert werden, so dass wir nun zu jedem Vater unser-Gebet das Betläuten erklingen lassen können“, freut sich Pastor Kaphengst und zieht eine kleine Fernbedienung aus der Tasche, die er auch bei Beerdigungen auf dem Friedhof dabei hat. Er drückt einen der Knöpfe und schon ertönen neun helle Glockenschläge, die für die Bitten in diesem Gebet stehen.

All das werden die Gottesdienstbesucher aus Ahrenviöl, Ahrenviölfeld, Immenstedt, Oster- und Wester-Ohrstedt, Ohrstedt-Bahnhof, Bremsburg, Westerholz und Hochviöl am Sonntag (21.) bestaunen können. Nächstes Jahr gibt es wieder ein Fest, dann ist Jürgen Kaphengst seit 25 Jahren Gemeindepastor in Schwesing.

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