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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:17 Uhr

Girls’ Day : Keine Scheu vor Männerjobs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Girls’ Day bei der Stadt Husum: Elf Schülerinnen schnupperten hinein in Berufe, die Frauen eher selten wählen.Die Mädchen begleiteten unter anderem einen Elektriker, Maler und Tischler.

Ein eisiger Wind weht durch den Dockkoog, schneidet kalt ins Gesicht und beißt in die Hände. Die Witterung hält Cora Linow und Tischler Manfred Görrissen nicht von der Arbeit ab: die Treppenstufen zum DLRG-Gebäude müssen gewartet werden. Die Schülerin von der Gemeinschaftsschule Nord ist eine von zahlreichen Mädchen, die am gestrigen Girls’ Day teilnahmen.

„Der Girls’ Day ist ein Tag, an dem Mädchen Männerberufe kennenlernen sollen“, erklärt Cora Linow. Die Zwölfjährige ist zum zweiten Mal beim Zukunftstag dabei. Bereits im vergangenen Jahr hat sie den Girls’ Day bei Manfred Görrissen verbracht. „Letztes Jahr war ich etwas spät dran. Da gab es nur noch die Wahl zwischen Feuerwehr und Tischlerei.“ Der Tag mit Görrissen hat ihr dann so gut gefallen, dass sie sich dieses Jahr früher beworben hat.

Bereits um 8.15 Uhr begrüßten die Gleichstellungsbeauftragte Britta Rudolph und ihr Kollege Hans Conrad Plöhn die elf Schülerinnen, die bei der Stadt Husum untergekommen sind, im Rathaus. Danach begleiteten die Teilnehmerinnen neben dem Tischler, auch einen Elektriker, Maler, Gärtner, Feuerwehrmann, Baumamtsleiter und Gebäudemanager durch den Tag.

Eigentlich möchte Cora Linow Schauspielerin werden. „Ich mag das Kribbeln im Bauch, wenn ich auf der Bühne stehe und in die Rolle von anderen schlüpfe“, sagt die Hattstedterin. „Aber man muss auch richtig gut sein, um eine Chance zu haben.“ Also möchte sie als Absicherung noch etwas anderes lernen: zum Beispiel Tischlerin. „Es macht Spaß. Außerdem ist es nützlich. Man kann Möbel bauen oder Geschenke für Freunde selbst machen.“

Doch nicht nur der Möbelbau fällt in den Aufgabenbereich eines Tischlers. „Ich mache auch Reparaturen oder montiere Fenster“, erklärt der Profi. Der 46-Jährige arbeitet seit 13 Jahren für die Stadt Husum. Manfred Görrissen bekommt vom Gebäudemanagement Aufträge für städtische Objekte wie die Schulen, die Feuerwache – oder das DLRG-Gebäude am Dockkoog.

Das Mädchen und der Tischler kontrollieren die Stufen. Die beschädigten Teile werden herausgebrochen oder abgesägt und die Maße für die neuen Stufen genommen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der Handwerker. Nach einer dreijährigen Ausbildung, arbeitete er sieben Jahre als Geselle, bevor er innerhalb von neun Monaten seinen Meister in der Tasche hatte. „Ich bin auf ein Internat gegangen“, erklärt der gebürtige Schwesinger. „Die Abendschule für den Meister hätte mehrere Jahre gedauert.“ Nach fünf Jahren als Betriebsleiter einer Tischlerei, bekam er die Chance, zur Stadt zu wechseln. „Jetzt habe ich einen sicheren Arbeitsplatz und gehe ohne Bauchschmerzen zur Arbeit“, sagt der dreifache Familienvater.

Buche, Fichte, Kiefer – das Gartenholz lagert in langen Regalreihen. In einem Fachmarkt in Mildstedt besorgen die Praktikantin und der Meister das Material für die neuen Stufen: vierkantiges Kiefernholz. Cora Linow hilft beim Verladen. Dann geht es zurück nach Husum in die Werkstatt.

Dort muss die Zwölfjährige dem Profi zunächst über die Schulter schauen. Manfred Görrissen sägt, hobelt und fräst die Nuten (Rillen) ins Holz, damit später niemand auf der Treppe ausrutscht. Cora darf die großen Maschinen nicht bedienen – dafür bräuchte sie eine Bescheinigung. Aber das stört sie nicht. Das Mädchen ist fasziniert von den Duftnoten der bearbeiteten Kiefer. „Es riecht nach Zitrone und Orange – ganz frisch“, sagt die Zwölfjährige. Das Holz sei ganz unterschiedlich, bestätigt Manfred Görrissen. „Es kann trocken oder feucht sein.“ Dann darf Cora wieder selbst arbeiten. Mit Schleifpapier bricht sie die Kanten der Nuten.

Bevor sich die elf „Girls“ zur Abschlussbesprechung wieder im Rathaus versammeln, fahren Cora Linow und Manfred Görrissen an den Dockkoog, um die fertigen Stufen einzubauen. „Wenn das mit dem Schauspielern nichts wird, werde ich vielleicht doch Tischlerin“, meint Cora am Ende des Arbeitstages.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 19:41 Uhr

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