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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 22:53 Uhr

Sicherstellungszuschläge : Keine Entwarnung für nordfriesische Kliniken

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Noch ist ungewiss, ob in Zukunft mehr Kliniken in Nordfriesland von Sicherstellungszuschlägen der Kassen profitieren können. Geburtsabteilungen werden dabei nicht berücksichtigt.

Was im ersten Moment wie eine gute Nachricht für die Gesundheitsversorgung in Nordfriesland klingt, gibt zur Euphorie allerdings noch längst keinen Anlass. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) – das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands – hat nun zwar die lange erwarteten bundesweit einheitlichen Kriterien für Sicherstellungszuschläge an Krankenhäuser in ländlichen Regionen auf den Weg gebracht.

Ob der Kreis mit seinem wirtschaftlich angeschlagenen Klinikum Nordfriesland davon profitieren wird, ist aber zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen und muss zunächst geprüft werden. „Der Teufel steckt im Detail“, sagt Pressesprecher Michael Mittendorf.

Auch einen Tag nach dem Beschluss auf Bundesebene lag den Verantwortlichen in Husum die komplette Vereinbarung gestern noch nicht vor. Ein Grund dafür: Die Zustimmung des Bundes-Gesundheitsministeriums steht noch aus. Einiges deute aber darauf hin, dass die Gewährung von Sicherstellungszuschlägen in einzelnen Bestimmungen „erheblich eingegrenzt“ werde, so Michael Mittendorf.

Als „Aspiranten“ dafür gelten nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen neben der Sylter Asklepios-Nordseeklinik und der Inselklinik Föhr-Amrum, die von den Kassen bereits einen Zuschlag erhält, auch die drei anderen Häuser des Klinikums Nordfriesland in Niebüll, Husum und Tönning, dessen Aus zum Jahresende beschlossene Sache ist. Denn sie alle liegen in einer Region mit weniger als 100 Einwohnern je Quadratkilometer (im Kreis-Schnitt sind es 79). Damit können sie die nötige flächendeckende Basisversorgung mit Innerer Medizin, chirurgischer Fachabteilung sowie die Notfallversorgung nicht aus regulären Einnahmen finanzieren.

Relevant bei Entscheidungen über Sicherstellungszuschläge, deren Voraussetzungen die jeweils zuständige Landesbehörde jährlich zu überprüfen hat, sind künftig überdies sogenannte Qualitätsindikatoren. Das Problem dabei, so Mittendorf: „Qualität wird zunehmend auch über die Menge definiert.“ Und es gibt laut G-BA eine wichtige grundsätzliche Einschränkung: „Mit dem Sicherstellungszuschlag sollen Defizite auf Grund eines geringen Versorgungsbedarfs, nicht jedoch aufgrund von Unwirtschaftlichkeit eines Krankenhauses ausgeglichen werden.“ Ob dies für einzelne Abteilungen, Häuser oder auch ein Unternehmen wie das Klinikum NF gilt, muss erst noch alles geklärt werden.

Kritik gibt es denn auch bereits von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Zusammenschluss von Spitzen- und Landesverbänden der Krankenhausträger: „Mit Ausnahme einiger weniger Inselkrankenhäuser dürften angesichts der mehrfachen Verknüpfung von Verhinderungsanforderungen Kliniken kaum Unterdeckungen aus dem Fallpauschalen-System mit Hilfe der Sicherstellungszuschläge ausgleichen können.“ Unverständlich sei zudem, dass die besonderen Nöte vieler Kliniken bei der Aufrechterhaltung von Geburtsabteilungen nicht berücksichtigt werden. Zumindest in diesem Punkt bringen die neuen Regelungen für Nordfriesland also aller Voraussicht nach keine Verbesserungen.

Auch alles andere wird kein Selbstgänger, befürchtet der Klinikums-Sprecher. Selbst wenn Sicherstellungszuschläge für weitere nordfriesische Kliniken gewährt werden könnten, bedeute dies nicht, „dass es wirklich Entwarnung gibt“. Denn neben finanziellen Herausforderungen ist da ein weiteres Problem: „Wir erleben täglich, dass es immer schwieriger wird, Mitarbeiter zu gewinnen.“ Das gelte für alle Bereiche und in peripherer Lage sei der Personalmangel noch schlimmer.

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erstellt am 26.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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