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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Bahnverkehr : Keine Alternative zum Stress auf der Schiene

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Begehrte Strecke: Rund 8250 Fahrgäste waren im vergangenen Jahr täglich mit dem Zug von Niebüll nach Westerland und zurück unterwegs.

Überfüllte Straßen, kilometerlange Staus und ein langsames Dahinkriechen von Baustelle zu Baustelle. Die Fahrt mit dem Auto zur Arbeit ist alles andere als angenehm. Trotzdem steigen nur wenige Pendler im Norden auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) um. Der Marktanteil stagniert zurzeit bei 7,1 Prozent – sehr zum Leidwesen der Küstenkoalition, die seit Jahren versucht, die Verkehrswende in Schleswig-Holstein voranzutreiben (wir berichteten). Doch es gibt Ausnahmen. Auf dem Streckenabschnitt WesterlandNiebüll etwa gab es 2015 im Vergleich zum Vorjahr eine Zuwachsrate von zehn Prozent.

„Dass die Pendlerzahlen auf dieser Strecke angestiegen sind, überrascht uns nicht“, erklärt Dennis Fiedel, Sprecher von Nah.sh, der Behörde, die den ÖPNV organisiert. Das liege einerseits natürlich an den Touristen. Andererseits habe er aber auch beobachtet, dass die Anzahl der Menschen, die auf Sylt arbeiten, aber nicht wohnen, immer größer werde. Die Marschbahn, die zwischen Hamburg und Sylt verkehrt, werde von Pendlern auf dem nördlichsten Abschnitt am häufigsten genutzt. 2015 stiegen unter der Woche täglich 8250 Fahrgäste zwischen Niebüll und Westerland und zurück in den Zug. Lediglich 3810 waren es zwischen Heide und Husum. „Man darf aber nicht vergessen, dass der Weg nach Sylt nur über die Schiene führt“, macht Fiedel deutlich. „Es gibt keine Alternative – das schlägt sich in der Statistik nieder.“ Um an statistische Daten zu kommen, durchstreifen ÖPNV-Mitarbeiter drei Mal im Jahr die Waggons und zählen die Zuggäste, erklärt Fiedel. Außerdem erfassen automatische Systeme die Ein- und Aussteiger.

Auch wenn Autofahren für viele Stress pur bedeutet – Verspätungen, überfüllte Waggons und Zug-Ausfälle setzen den Bahn-Pendlern schwer zu. Achim Bonnichsen gehört zu denjenigen, die täglich nach Sylt pendeln. Er lebt in Klanxbüll und kennt das Leiden seiner Mitpendler. Bonnichsen, der einen handwerklichen Betrieb auf der Insel führt, hat zu Beginn dieses Jahres die Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“ ins Leben gerufen. Gut 2400 Mitglieder tauschen sich dort über die Situation auf der Schiene aus. Auslöser für den Pendler-Protest zu Beginn des Jahres war unter anderem der im Dezember 2015 eingeführte Sylt-Shuttle Plus der Deutschen Bahn: Seitdem an die Autozüge Personenwaggons gekoppelt werden, so die damalige Wahrnehmung der Pendler, hätten Verspätungen auf der Strecke deutlich zugenommen.

Derzeit, sagt Bonnichsen, halte sich die Empörung in seinem Pendler-Forum im Rahmen. Kritikpunkte findet er trotzdem: So seien die Pendlerzüge am späten Nachmittag dieser Tage häufig überfüllt. Ein Grund sei, dass derzeit viele Urlauber unterwegs sind. Zudem aber, so Bonnichsen, würde die Nord-Ostsee-Bahn bei einzelnen Verbindungen die Hälfte der Waggons absperren. Dadurch und durch die vielen Fahrräder, die mitgenommen werden, sei es phasenweise eng. Dass künftig auf der Strecke mehr Züge fahren könnten, darauf hofft Bonnichsen gar nicht: „Aber der Service müsste sich verbessern. Und die Pendlerzüge in Hoch-Zeiten für Fahrräder gesperrt werden“, fordert er.

„Man müsste das Angebot erweitern und die Strecken ausbauen“, antwortet Fiedel auf die Frage, wie Bahnfahren attraktiver gestaltet werden könnte. „Doch das ist schwierig. Zwischen Husum und St. Peter-Ording zum Beispiel ist die Strecke nur eingleisig. Das hat aber zur Folge, dass kaum mehr Züge eingesetzt werden können. Da ist ohne Ausbau wenig zu machen.“ Doch so ein Ausbau ist teuer. „Der ÖPNV ist nicht die schnellste Branche der Welt – und das liegt an den riesigen Investitionen. Da sind schnell mal ein paar Millionen weg“, so Fiedel. Und das Busangebot? „Wenn es zum politischen Ziel erklärt wird, dass der ÖPNV an Boden gewinnt, dann müsste man sich auch verstärkt um bessere Busverbindungen kümmern – vor allem auf dem Land.“ Doch da sei jetzt der Kreis am Zug.

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