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Husumer Nachrichten

24. März 2017 | 15:00 Uhr

Auftrag für Risikoanalyse : Katastrophenschutz: Pellworm und Halligen wollen sich wappnen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Hamburger Student überzeugt die Mitglieder des Amtsausschusses Pellworm: Das Gremium stimmt für die Untersuchung von Risiken im Falle einer Katastrophe.

Pellworm | Was ist, wenn auf den Halligen ein Großfeuer ausbricht, was, wenn die Deiche auf Pellworm brechen? Sind wir gewappnet? – diese Fragen stellte der Vorsteher des Amtes Pellworm, Matthias Piepgras, in der jüngsten Sitzung des Amtsausschusses im Husumer Rathaus. Deshalb hatte er auch Christopher Herzog aus Hamburg eingeladen. Herzog hat während seines Ingenieur-Studiums an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg eine Bachelor-Arbeit zum Thema „Risikoanalysen im Bevölkerungsschutz auf den Inseln und Halligen“ verfasst, die er dem Gremium vorstellte.

Wenn es im Ernstfall schnell gehen muss, ist besonders auf den Halligen Hilfe von außerhalb gefragt. Ob die jedoch aufgrund von Störungen wie Stromausfällen oder bei Extremwetterlagen rechtzeitig kommt, ist nie gewiss.

Die Vorteile einer Risikoanalyse seien Herzog zufolge unter anderem, dass sie einen Überblick über den Ist-Zustand verschaffe, Verbesserungs-Potenziale wiedergebe und Experten mit Politikern vernetze. Das Fazit seiner exemplarisch auf der Insel Sylt durchgeführten Studien sei zwar gewesen, dass die Inseln und Halligen grundsätzlich gut aufgestellt sind. Dennoch: Handlungsbedarf gibt es – insbesondere in Bezug auf die Organisation.

Beispielsweise sei ein großflächiger Stromausfall von drei Tagen während einer Sturmflut angenommen worden. Das habe zu Chaos auf der Bahnstrecke geführt, denn die Weichen benötigten Strom. Die Betankung der Dieselloks sei auf Sylt so auch nicht mehr möglich gewesen. Also mussten sie vom Festland anrollen, frisch aufgetankt in Niebüll. Positiv aufgefallen sei, dass es eine Tankstelle mit Notstromaggregat gebe, an der zumindest Rettungsfahrzeuge während des Einsatzes versorgt werden können. Zwei weitere Szenarien: Eine zwei Tage andauernde schwere Sturmflut im November betrifft rund 4000 Menschen an der Nord-West-Küste oder ein Massenunfall in der Hauptsaison mit 80 verletzten Personen. Das Zusammenspiel aller Kräfte sei hier entscheidend, sagte Herzog.

Initiator für das wissenschaftliche Projekt war übrigens die Insel- und Halligkonferenz. Zu Beginn seiner Arbeit habe man, so berichtete der Referent, alle Akteure zu einer Auftaktveranstaltung eingeladen. In diesem Rahmen wurden konkrete Situationen mit Schadensparametern, wie beispielsweise Tote, Verletzte, Personen-Transportbedarf, Unterbringung, Verpflegung, medizinische Versorgung, Unterbrechung von Strom, Heizenergie und Trinkwasser, entwickelt sowie Fragestellungen erarbeitet. Mit von der Partie waren der Katastrophenschutz, das Ordnungs- sowie Bau- und Umweltamt, Verkehrsbetriebe, Hilfsorganisationen, Feuerwehr, Polizei und auch Trinkwasser- und Stromversorger. „Danach habe ich weiter recherchiert und zum Analyse-Workshop gebeten“, erklärte Herzog.

Mit allen Beteiligten wurden die Szenarien durchgespielt und am Runden Tisch beleuchtet. Dabei wurde dann auch Eintrittswahrscheinlichkeit und ein mögliches Schadensausmaß festgestellt. Ein besonderes Augenmerk sei dabei auf die Prüfung der verfügbaren Kapazitäten und organisatorischen Vorbereitungen gelegt worden. Danach folgte ein Abschlussbericht mit Risikobewertung.

„Bisher haben wir Glück gehabt. Es gibt keinen Katastrophenschutz auf den Halligen. Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Gerät müssten vom Festland geholt werden und das ist zeitaufwendig. Auf Oland gibt es beispielsweise nur zwei Feuerwehrleute und die sind über 60. Ich sehe Handlungsbedarf für eine Analyse“, erklärte der Amtsvorsteher.

Für Pellworm gelte das weniger. Dort gebe es eine schlagkräftige Wehr und auch eine medizinische Einsatztruppe. Auch die Nähe zum Festland spiele eine Rolle. „Wir stoßen an unsere Grenzen, allein wenn hier ein Brand ausbrechen würde. Die Reetdachhäuser brennen wie Zunder. Wir bräuchten Hilfe von außen, aber wie schnell kommt sie. Ich sehe auch Bedarf an Hilfe zur Selbsthilfe“, ist Grödes Bürgermeister Volker Mommsen überzeugt. Die Gremiums-Mitglieder votierten einstimmig für die Erstellung einer Risikoanalyse durch den Referenten.

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erstellt am 02.Mär.2017 | 14:00 Uhr

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