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Weltfrauentag : Karriere und Erfolg – ganz ohne Quote

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Feminismus, Quote, Karriere: Frauen aus der Region erzählen zum Weltfrauentag, was ihnen diese Begriffe bedeuten.

Zum Weltfrauentag stellen wir Frauen aus Husum und Eiderstedt vor, die in ganz unterschiedlichen Bereichen Karriere gemacht haben.


Frauenquote – eher nicht


Sehen Sie sich als Feministin? Auf diese Frage antwortet Inga Wiele erst einmal spontan mit „Nöö!“. Die Diplombetriebswirtin hat lange beim Softwarehersteller SAP gearbeitet, saß dort für zwei Jahre im Aufsichtsrat. 2013 hat sie sich mit ihrem Mann selbstständig gemacht und bietet mit „Gezeitenraum“ in St. Peter-Ording Strategie-Beratung an. Frauen, findet Wiele, müssten stärker gefördert werden. Auch im Jahr 2017 würden in zu vielen Köpfen die alten Frauen-Klischees herumschwirren. Ist das keine feministische Haltung? „Der Begriff ist für mich eher politisch besetzt. Und ich würde Frauen immer ermuntern, betreue als Mentorin auch ein weibliches Start-Up, aber ich engagiere mich nicht politisch für Frauenrechte.“

Sie selbst habe sich bei SAP immer „gut behandelt und ernst genommen gefühlt – auch, wenn das Unternehmen natürlich in seinen Ritualen und Verhaltensmustern eher männlich geprägt war“. Diesen Mustern müsse man sich als Frau nicht anpassen, ist sie überzeugt: „Das Problem ist eher, wenn Frauen glauben, sie müssten sich verbiegen. Ich hatte dagegen das Gefühl, dass viele auch froh waren, wenn sie einen weiblichen Ansprechpartner vorgefunden haben.“

Geht’s ums Thema Frauenquote, ist die 47-jährige Mutter dreier Söhne gespalten: Einerseits hält sie sie für nötig, andererseits stört sie sich an der Quote auch. „Ich finde, dadurch haftet Frauen in Führungspositionen leicht ein Stigma an. Da sitzt dann eine Frau, die super ist, auf einem Posten – und die Leute denken, sie hat den nur gekriegt, weil jetzt mal eine Frau gebraucht worden ist.“ Vielleicht, sagt Wiele, sei ihr leichtes Unbehagen bei dem Thema auch damit zu begründen, dass sie ihre beruflichen Ziele aus eigener Kraft erreicht hat.


Nichts einreden lassen


Was fällt Ihnen zum Weltfrauentag ein? Margit Thomsen überlegt. „Auf der einen Seite ist es doof, dass es ihn überhaupt noch geben muss. Auf der anderen Seite ist er wichtig. Weil es auch heute noch passiert, dass Frauen als schwaches Geschlecht wahrgenommen werden.“ Die 49-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem Mann seit 24 Jahren das Hotel Rosenburg in Husum. Als der gelernten Hotelfachfrau das Rosenburg angeboten worden ist, hat sie sich keine Gedanken darüber gemacht, ob sie in der Lage ist, 25 Mitarbeiter zu führen, sagt sie: „Ich wollte selbstständig arbeiten, ich wollte meine Ideen umsetzen – das war es, was für mich gezählt hat.“ Und das schwache Geschlecht sei sicherlich das weibliche: „Frauen stellen sich häufiger selbst in Frage, sind wandelbarer, können sich auf Situationen häufiger ganz anders einstellen als Männer – und sind deshalb häufig auch die besseren Chefs“, ist sie überzeugt. Ein Rat, den sie weiblichen, talentierten Nachwuchskräften in ihrem Gewerbe geben würde: „Lass’ Dir nichts von anderen einreden. Mach’ das, was Du meinst, dass es Dir gut tut.“ Warum gerade dieser Rat? „Frauen lassen sich leichter beeinflussen als Männer. Wenn eine junge Frau beispielsweise die Chance hat, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, wird sie sich wahrscheinlich Sorgen machen, was das für ihre Beziehung bedeutet, für ihre Familie.  .  . Männer dagegen würden sich diese Fragen gar nicht so stellen. Die würden einfach die Chance nutzen.“


Rollenklischees ablegen


„Junge Frauen sollten auf ihr Fachwissen und ihre Berufserfahrung vertrauen und Mut haben, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sollten sie sich nicht zu sehr von Rollenvorstellungen beeinflussen lassen“, findet Renate Christiansen – und sie muss es wissen. Die 52-Jährige ist seit 2014 die erste Schulleiterin der Hermann-Tast-Schule in Husum und Chefin von etwa 50 Lehrkräften. Ihre Fächer: Latein, Geschichte und Religion. „Für mich stand früh fest, dass ich Lehrerin werden wollte. Hintergrund sind meine Erfahrungen als Nachhilfelehrerin und mein Engagement in der Jugendarbeit.“

Doch eine Karriere war so nicht geplant – „das hat sich im Laufe meiner Tätigkeit an einem Gymnasium ergeben. Neben meiner Unterrichtstätigkeit habe ich mich im Bereich der Begabungsförderung und der Schulorganisation engagiert“. Was zeichnet aus ihrer Sicht eine Frau an der Spitze aus? „Eine gewisse Fürsorglichkeit und das Streben nach Transparenz haften dem weiblichen Geschlecht sicherlich an, auch wenn diese Eigenschaften unterschiedlich ausgeprägt sind.“

Renate Christiansen versucht ihre Position mit „Ruhe und gerne auch Gelassenheit, Sachlichkeit, Freude an der Arbeit mit Menschen und Humor“ zu erfüllen. Eine Dienstvorgesetzte könne menschliche und kollegiale Nähe pflegen, ist ihre Erfahrung. „Natürlich muss ich gelegentlich Entscheidungen fällen, für die ich verantwortlich bin und die nicht immer alle befürworten können.“

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erstellt am 08.Mär.2017 | 07:00 Uhr

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