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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 17:16 Uhr

Kandidatur für Bundestagswahl : Kampfabstimmung bei der CDU

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die CDU nominiert am Sonnabend (10. September) ihren Kandidaten für die Bundestagswahl 2017. Völlig überraschend gibt es plötzlich parteiinterne Konkurrenz aus Dithmarschen.

Die heile Welt der Christdemokraten an der Westküste ist aus den Fugen: Völlig überraschend für die meisten seiner Parteifreunde hat der Heider Bürgermeister Ulf Stecher (49) am Donnerstagabend seine Bewerbung um die CDU-Kandidatur im Bundestagswahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord für 2017 angekündigt. Damit tritt er am Sonnabend (10. September) in der Wahlkreis-Mitgliederversammlung im Husumer Nordsee-Congress-Centrum (NCC) gegen die Noch-Landtagsabgeordnete und nordfriesische CDU-Kreisvorsitzende Astrid Damerow (58) an. Dabei galt Damerow seit bald einem Jahr als gesetzt für die Nominierung im Bundestagswahlkreis 2. Im Interesse ihres Landesvorsitzenden und Albig-Herausforderers Ingbert Liebing (Sylt) hatte sie dafür auf eine erneute Kandidatur im nördlichen nordfriesischen Landtags-Wahlkreis verzichtet. Diese personelle Rochade war frühzeitig mit den Parteifreunden südlich der Eider abgestimmt worden, und es gibt sogar eine Empfehlung des Dithmarscher CDU-Kreisvorstandes zugunsten von Astrid Damerow.

Entsprechend irritiert und konsterniert wurde Stechers Ankündigung gestern in den Parteikreisen und in den beiden CDU-Geschäftsstellen in Husum und Heide aufgenommen. „Es muss einem nicht gefallen, aber das Kalkül ist nicht schlecht“, kommentierte ein CDU-Insider die Bewerbung ohne Vorwarnung und kurz vor Ultimo. Denn jetzt könnte es noch einmal spannend werden, je nachdem wie viele Mitglieder beiderseits der Eider noch kurzfristig von den beiden Kontrahenten zu mobilisieren sind. Auf dem Papier spricht einiges für Damerow, denn in Nordfriesland hat die CDU knapp 1300 Mitglieder, im nördlichen Dithmarschen sollen es rund 650 sein. Im NCC ist jedenfalls für um 10 Uhr vorsorglich schon einmal ein größerer Saal geordert, denn statt etwa 130 Mitglieder werden nun bis zu 500 erwartet.

Astrid Damerow selbst war ebenso wie Ingbert Liebing erst am Vorabend von Ulf Stecher selbst informiert und ebenfalls überrascht worden. Eine kurzfristige Bewerbung sei laut Satzung legitim und sogar noch in der Versammlung möglich. Dennoch: „Es ist halt nicht mein Stil. Ich hätte mir ein offenes Verfahren gewünscht“, kommentiert sie auf Anfrage.

Ulf Stecher will erst am Mittwochabend mit mehreren Parteifreunden über eine mögliche Kandidatur gesprochen und dann am Tag darauf seinen Hut in den Ring geworfen haben. „Es soll eine richtige Wahl geben und auch ein Zeichen gesetzt werden, dass noch ein anderer Teil zum Wahlkreis gehört“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Aber: „Es darf jetzt keinen Kampf Nordfriesland gegen Dithmarschen geben.“ Er glaubt, „erfahrungsmäßig und rhetorisch ein bisschen mehr in die Waagschale zu werfen zu haben“. Ulf Stecher – seit 31 Jahren in der CDU aktiv und seit 2002 Heider Bürgermeister – möchte sich im Bundestag für die gesamte Westküste einbringen, um Chancen im Bereich des Tourismus und im Zuge der Energiewende zu nutzen.

Unterdessen hält der CDU-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete für diesen Wahlkreis, Ingbert Liebing, am ursprünglich abgestimmten Fahrplan fest: Eine Kandidatur sei grundsätzlich kurzfristig bis in die Nominierungs-Veranstaltung möglich – „das sehen unsere Parteistatuten so vor“. Aber: „Seit über einem Jahr hat Astrid Damerow ihre Bereitschaft erklärt, meine Nachfolge im Wahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord anzutreten. Darin habe ich sie unterstützt und daran halte ich fest“, betonte er.

Deutliche Worte findet der nordfriesische Kreisvorsitzende der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, Christian Schmidt: „Wenn die einzige Chance eines Kandidaten darin besteht, zu überraschen statt zu überzeugen, dann sollten sich alle nordfriesischen CDU-Mitglieder bewusst sein, welche Gefahr diese Kandidatur beinhaltet.“ Schmidt unterstellt Stecher, im Vorhinein einer intensiven Diskussion mit Argumenten ausgewichen zu sein. Er appelliert denn auch, „diesem Überraschungsangriff eine deutliche Absage zu erteilen“.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 20:00 Uhr

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